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Fußball:Pokal mit Preisschild

Ligapokal Regionalliga Bayern VfB Eichstaett - SpVgg Bayreuth 08.06.2021 Jubel bei der Pokaluebergabe des Ligapokales **

Jubel in Eichstätt: Die SpVgg Bayreuth hat ihre Saison nach der verpassten Meisterschaft doch noch mit einem Erfolg beendet.

(Foto: Goldberg/Beautiful Sports/imago)

Die SpVgg Bayreuth qualifiziert sich über einen in Pandemiezeiten neu geschaffenen Wettbewerb für den DFB-Pokal - zum ersten Mal seit 15 Jahren. Auch finanziell hat das eine große Bedeutung für den Verein, der hohe Ansprüche hat.

Von Christoph Leischwitz

Aus der Musikschule am Nordeingang des Stadions schallten Trompetengeräusche bis aufs Spielfeld. Zuerst wurde die Tonleiter geübt, dann die Melodie von "Rocky". Auf der anderen Seite, neben der Anzeigetafel des Eichstätter Stadions, standen die Bayreuther Anhänger hinter dem Zaun, weil in der Fußball-Regionalliga derzeit immer noch keine Gästefans in den Stadien zugelassen sind. Einer der Fernfahrer hatte eine kleine Trommel dabei, das Grüppchen machte ordentlich Stimmung.

So kann man festhalten, dass der VfB Eichstätt am Dienstagabend gegen die SpVgg Bayreuth ein bisschen mit Pauke und ein bisschen mit Trompete untergegangen ist. Rein fußballerisch war es ein in dieser Höhe verdientes 0:3 gegen den Regionalliga-Konkurrenten aus Oberfranken. Wobei die Partie zur Pause schon entschieden war. Auch wenn die Gastgeber in der zweiten Hälfte zwei-, dreimal gefährlich vor dem Bayreuther Tor auftauchten: Das Spiel verloren hatte die Mannschaft von Markus Mattes ganz zu Beginn, als sie mehrere Chancen zur Führung vergab. Nach der Führung durch Chris Wolf (14.) war das Ligapokal-Duell allerdings schnell einseitig geworden.

Einen kleinen, schmucken Pokal hatte der Verband für den kurzfristig eingeführten Wettbewerb auch noch eingekauft, ein Spieler rief später lachend, am Boden klebe noch das Preisschild. "Mein erster Titel mit Bayreuth", frohlockte Trainer Timo Rost. Doch viel wichtiger war Spielern und Verantwortlichen, dass dieser Sieg im Ligapokal-Finale zur Teilnahme am DFB-Pokal in der kommenden Saison berechtigt; für Bayreuth steht damit im Sommer das erste DFB-Pokalspiel seit 15 Jahren an. Obendrein ist für Bayreuth damit auch die kurze, sehr intensive Saison beendet, ohne dass man im Verbandspokal nachsitzen musste.

Die Erleichterung über den Erfolg schrien sie zusammen mit den Fans so stark hinaus, dass es fast schon einer Meisterfeier glich. Es zeigte zugleich, wie groß die Bedeutung des DFB-Pokals für eine Mannschaft aus dem Amateurbereich ist, auch finanziell. Umgekehrt hätten sich im Erfolgsfall vermutlich einige Eichstätter fast schon geärgert: Zahlreiche Spieler, darunter langjährige Leistungsträger wie Kapitän Fabian Eberle, Lucas Schraufstetter oder Jakob Zitzelsberger, wurden vor dem Anpfiff verabschiedet.

Alles kann, nichts muss. Das hatte Bayreuths Trainer Timo Rost in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt. Dann waren sie in den Playoffs zu den Drittliga-Aufstiegsspielen sehr deutlich am FC Schweinfurt gescheitert. "Mit den Playoffs können wir auch nicht zufrieden sein", sagte der Torschütze zum 2:0 am Dienstag, Markus Ziereis. Aber dafür habe man jetzt Moral bewiesen.

Die vergangenen Wochen waren brutal intensiv", sagt Trainer Timo Rost

Als dann die auffällig zahlreich mitgebrachten Sektflaschen auf dem Eichstätter Rasen entleert waren, da gab der Trainer auch zu: Jetzt ohne diesen Titel wieder in den Bus nach Hause zu steigen, das hätte sich schon ziemlich komisch angefühlt. "Weil wir uns für die harte Arbeit nicht belohnt hätten. Die vergangenen Wochen waren brutal intensiv", erzählt Rost. Den Toto-Pokal kann sich Bayreuth nun sparen, und damit hat die Mannschaft immerhin zwei Wochen Pause, ehe es in die nächste Saisonvorbereitung geht. Am 4. Juli übrigens wird ausgelost, dann wissen auch die Oberfranken, gegen wen sie antreten werden. Rost wünscht sich einen Bundesligisten. Ganz gerne im Toto-Pokal nachgesessen hätte wohl Aufstiegskandidat FC Schweinfurt. Aber die Schnüdel verloren am Dienstagabend in der Ligapokal-Trostrunde im eigenen Stadion gegen Wacker Burghausen 1:2 (0:0).

Freilich wird auch die Bayreuther Mannschaft kommende Saison anders aussehen. Denn eine Erfahrung der vergangenen Wochen war eben auch: Für die hohen Ansprüche des Vereins ist der Kader insgesamt noch nicht stark genug besetzt. "Mit dem Stamm der Mannschaft wurde verlängert", sagte Rost am Dienstag. Allerdings verließen in Christopher Kracun, Philip Messingschlager und Alexander Piller gerade auch drei Spieler den Klub, sie wechseln zum Bayernligisten ATSV Erlangen.

In den kommenden Tagen, so Rost, werde man womöglich die eine oder andere weitere Verpflichtung bekanntgeben können. An den neuen Spielern wird sich zeigen, wie hoch die Ansprüche der Oberfranken wirklich sind, und ob man sich zutraut, mit der vermeintlich stärksten Liga-Konkurrenz aus München (FC Bayern II, SpVgg Unterhaching) mitzuhalten. Es dürfte dann ja ganz schön sein, im DFB-Pokal anzutreten. Die Priorität wird in der kommenden Spielzeit aber wieder auf dem Tabellenplatz in der Regionalliga liegen.

© SZ/lein/sewi
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