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Fußball-Phänomen Luca Toni:Der Monaco Toni

Natürlich hat Luciana Giordani auch am Sonntagabend in ihrer Bar Bayern gegen Stuttgart gesehen. "Supertor von Toni", urteilt sie mit ihrer rauen Stimme. "Der andere war aber auch nicht schlecht." Der andere ist Ribéry. Ein Name, den sich die Präsidentin nicht merken muss: "Fußball interessiert mich nicht. Bayern München interessiert mich nicht. Mich interessiert nur Luca."

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Mit Bier und Champagner

Ein Talent, gut versteckt

Auf der anderen Straßenseite, in seiner Boutique "Io e Te" (Ich und Du) kichert Paolo Baisi in sich hinein. "Perbacco. Donnerwetter, der Luca. Ich hab' ihn auf der Straße spielen sehen und ihn spontan angeheuert. Schmächtig war er, der Schnellste war er auch nicht. Aber er hatte gute Füße." Bevor Paolo Baisi sich ganz auf die Oberbekleidung konzentrierte, leitete er die Geschicke des Fußballklubs von Serramazzoni. Er hat Toni entdeckt. Und bis heute gibt es zwei Dinge, die ihn wurmen, wenn er an Luca Toni denkt: "Das eine ist, dass es immer heißt, der Toni käme aus Pavullo nel Frignano. Dabei ist er dort nur zufällig geboren, weil es bei uns in Serramazzoni kein Krankenhaus gibt. Und das zweite ist, dass ich ihn für drei Millionen Lire an den FC Modena praktisch hergeschenkt habe."

Das war 1990. Drei Millionen Lire bedeuteten ungefähr 4.000 Mark. Toni war 13 Jahre alt und noch längst nicht 1,96 Meter groß. Er ging zur Schule, das machte ihm keinen großen Spaß. "Morgens mit dem Bus zur Schule nach Pavullo", erinnert er sich später, "mittags nach Hause, ein Brötchen und weiter nach Modena. Die erste Pause gab es erst beim Abendessen. Aber Fußball war mein Traum. Und für Träume muss man Opfer bringen."

Er wollte Fußballer werden, aber er hatte keine Beine, die tanzen konnten. Statt schneller und wendiger zu werden, wurde er nur länger und länger, eine Bohnenstange, die alle überragte, als Torwart aber nicht taugte. Irgendwo war sein Talent, aber es war so gut versteckt, dass er es allein nicht herausholen konnte. Er hatte einen tollen Trainer bei der Jugendmannschaft von Modena, das war sein Glück. Cinesinho, ein Brasilianer, der beim Rekordmeister Juventus gespielt hatte.

Mit 17 als Profi beim Drittligisten

Und er hatte einen Präsidenten, der ihn annahm wie einen Sohn. Der an ihn glaubte. Der ihn förderte und aufrichtete und weitertrieb, auf dem langen Weg zum Superstar. Für kaum einen anderen, der es im Fußball so weit gebracht hat, war der Aufstieg so mühsam, so steinig wie für Luca Toni. Ohne Mauro Bassinghi hätte er es vielleicht nicht geschafft.

Bassinghi empfängt in seinem Büro in Reggio Emilia. Er trägt Bauch, eine knallrote Brille im gut geölten Haar, einen Seidenschal und bietet sofort und formvollendet eine Zigarre an. Fußballpräsident ist er nicht mehr, dafür aber einer der größten Autohändler und Strippenzieher der Gegend. An der Bildergalerie über seinem Schreibtisch ist Bassinghi mit allen zu sehen, die in der Emilia und in Italien Rang und Namen haben. Außer mit Berlusconi. "Ich bin links!", ruft er.

Toni, erzählt sein ehemaliger Arbeitgeber, habe es verdammt schwer gehabt in Modena. Mit 17 stieg er als Profi beim Drittligisten ein - und fiel auf den Bauch. "Das Publikum pfiff ihn gnadenlos aus", sagt Bassinghi ernst. "Er war der einzige Einheimische in der Mannschaft, und die Leute wollten ihn nicht. Sie fanden ihn ungelenk, grotesk, unfähig. Ein paar Mal kam er zu mir und sagte: Pres, ich will nicht. Bitte, schicken Sie mich nicht auf den Platz." Der Präsident hörte nicht auf ihn. Toni spielte dauernd, traf aber bei 25 Einsätzen nur fünf Mal. "Und zwei Abseitstreffer", schnaubt Bassinghi. "Angeblich. Wenn das Abseits war, werde ich Mönch." Er steht auf, ruft seinen Bruder Fabrizio herein und stellt mit ihm die Toni-Abseitstore nach.

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