Fußball: Niederlande:Zehn zu null

Das Spiel zweier Traditionsvereine in der niederländischen Liga sorgt für Aufsehen: Feyenoord Rotterdam verliert beim PSV Eindhoven 0:10 - und schämt sich anschließend in Grund und Boden.

Carsten Eberts

Zur Halbzeit war die Rotterdamer Fußballwelt noch halbwegs in Ordnung. Feyenoord spielte beim Favoriten PSV Eindhoven, lag 0:2 zurück - alles im Rahmen, kein Problem. 45 Minuten später war diese Welt reichlich erschüttert: acht Tore in 40 Minuten, Treffer im Fünfminutentakt, überhaupt keine Gegenwehr mehr. Der PSV Eindhoven schlug Feyenoord Rotterdam 10:0 - nicht einmal unverdient. Zehn zu null! "Eine Schande", sagte Feyenoord-Trainer Mario Been. Dabei weinte er fast.

Feyenoord

"Schrecklich und beschämend": Feyenoord Rotterdam verliert beim PSV Eindhoven 0:10.

(Foto: imago sportfotodienst)

Um eines klar zu stellen: Die Partie vom Sonntagabend war kein Pokalspiel, bei dem der Favorit einen unterklassigen Dorfverein abschießt. Der PSV und Feyenoord sind stolze Traditionsvereine, das Spiel ist in den Niederlanden ein Klassiker. Hier treffen 21 und 14 nationale Meistertitel aufeinander. Zehn zu null! Das wäre, als wenn Borussia Dortmund (wie der PSV weit oben in der Tabelle) einen kriselnden Klub wie den FC Schalke 04 plötzlich mit 10:0 demütigt.

In Eindhoven lief das so: Jonathan Reis (25. Minute) und Ibrahim Afellay (39.) schossen den Pausenstand heraus, danach klingelte es unaufhörlich: Erneut Reis (47./59.), Ola Toivonen (49.), Jeremain Lens (55./87.), Balazs Dzsudzsak (62./77.) und der frühere Schalker Orlando Engelaar (69.) erhöhten für Eindhoven auf 10:0. Die Zeitung De Telegraaf schrieb: "Feyenoord war wie ein Teller, der auf steinernem Boden in hundert Scherben zerbricht." Beim Volkskrant hieß es: "Einfältig, jämmerlich und schändlich."

Den Verantwortlichen aus Rotterdam entglitten sämtliche Gesichtszüge. "Das ist ein schwarzer Tag. Ich habe die Mannschaft in der Kabine gefragt, ob sie noch Vertrauen zu mir haben", berichtete Trainer Been. Eine Antwort bekam er nicht: "In der Kabine herrschte Schweigen." Sportdirektor Eric Gudde nannte die Geschehnisse "schrecklich und beschämend", vor allem jedoch: "Feyenoord-unwürdig." Fassungslos sind auch die Fans, die selbst auf der Suche nach Orientierung allein gelassen wurden: Am Montagmittag brach die Klub-Homepage zusammen.

Die Niederlage sagt so einiges über die Verfassung des stolzen Klubs aus Rotterdam aus. 2008 wurden sie noch niederländischer Pokalsieger, die vergangene Saison beendeten sie auf Rang vier. Jetzt ist Feyenoord auf Platz 16 abgerutscht, kämpft in dieser Saison gegen den Abstieg. Der Klub hat große Finanzprobleme; im Sommer gab Ex-Bayern-Spieler Roy Makaay entnervt das Ende seiner Karriere bekannt. Glorreich ist nur noch die Vergangenheit: 14 Mal wurde Rotterdam holländischer Meister, 1970 holte der Klub den Pokal der Landesmeister und den Weltpokal, 2002 besiegte Feyenoord Borussia Dortmund im Finale um den Uefa-Pokal.

Heute ist alles anders. Was passiert nach so einer Niederlage? Muss der Trainer gehen? Kommen neue Spieler? Sportdirektor Gudde will vor allem Ruhe demonstrieren - und stellt sich hinter Coach Been. "So hart das auch klingt", sagt Gudde, "das kann mal passieren. 0:1 oder 0:10, das macht keinen Unterschied."

Wenigstens seinen Humor hat Gudde nicht verloren.

© sueddeutsche.de/ebc/hum
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