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Fußball-Nationalmannschaft:Wo ist der Sturm-Nachwuchs?

Andererseits bietet die Liga dem Bundestrainer mehr denn je Anlass zu tieferer Sorge. Er kommt ja viel rum, aber er sieht fast überall dasselbe. Er sieht Stürmer, die entweder verletzt, Ersatz oder torlos sind. Klose (15 Ligaspiele/1 Tor/1 Vorlage) hat am Montag nach einer Sprunggelenksblessur erstmals wieder mitgeübt, aber in der Champions League gegen Florenz wird er natürlich nicht von Beginn an spielen. Oder Lukas Podolski (17 Ligaspiele/1 Tor/2 Vorlagen): Litt erst an lädierter Bandscheibe, sicherte sich dann im Pokal eine rote Karte und am Sonntag auf Schalke eine zeitungsübergreifende Note fünf.

Oder Cacau (14 Ligaspiele/2 Tore/1 Vorlage): Kippte in Stuttgart aus der Stammelf, weil er nicht jenem zentralen Stürmertypus entspricht, den der neue Trainer Gross schätzt. Oder Patrick Helmes (5 Ligaspiele/0 Tore/0 Vorlagen): Musste erst einen Kreuzbandriss kurieren und dann zunehmend vergrätzt zuschauen, wie sich Kießling und Derdiyok weigern, sich die Stammplätze abknöpfen zu lassen. Oder Kevin Kuranyi: Hat elfmal getroffen, gilt aber nicht. Seit seiner Tribünenflucht steht er bei Löw auf dem Index.

Lauter Einzelfälle sind das, aber für Löw haben sie sich inzwischen zu einem veritablen Sturmproblem verdichtet. Ein Problem, das durchaus dramatisch erscheint, weil dem Bundestrainer nun jener Mannschaftsteil abhanden kommt, auf den er sich stets verlassen konnte. Abhanden kommende Mannschaftsteile kann Löw gerade überhaupt nicht gebrauchen, er ist ja ohnehin auf der Suche nach verlässlichen Faktoren.

Zurzeit müsste er die wenigen auf hohem Niveau stabilen Profis wie Michael Ballack, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger so über die Elf verteilen, dass eine tragfähige Achse daraus wird. Da wäre es praktisch, ein Team zu haben, das sich von vorne definiert - aber nach Aktenlage muss Löw derzeit auf zwei Spieler vertrauen, von denen der eine beim DFB mitunter fremdelt (Gomez), während der andere dort noch gar nicht recht angekommen ist (Liga-Torjäger Stefan Kießling).

Dass die Liga in den verbleibenden Wochen bis zum Turnier noch neue Fakten schafft, ist eher nicht zu erwarten. Im Land der Müllers, Seelers und Völlers wachsen zurzeit vielversprechende neue Innenverteidiger (Höwedes, Hummels), defensive (Bender-Zwillinge) und offensive (Kroos, Müller) Mittelfeldspieler nach, in der Sturmmitte wächst kaum etwas.

"Aber wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt U21-Trainer Rainer Adrion, dessen Stürmer zurzeit Schieber, Choupo-Moting und Sukuta-Pasu heißen. "Die Erfahrung lehrt, dass junge Stürmer oft über Nacht einen Entwicklungsschub bekommen", sagt Adrion, "so war das damals auch bei Mario Gomez." Und der hat am vergangenen Wochenende immerhin getroffen.

© SZ vom 16.02.2010
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