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Fußball-Nationalmannschaft:Torlos, verletzt, auf dem Index

Ein Blick auf die Bundesliga-Torschützen offenbart: Kurz vor der WM hat die Nationalelf plötzlich ein Sturmproblem. Und Änderung ist nicht in Sicht.

Es kann kein rauschendes Fest gewesen sein, zumindest kann man sich nicht daran erinnern. Gab es Reden, Blumen, Tränen? Wurde "Time to say goodbye" gespielt? Spielte ein All-Star-Team? Oder hat man sich dieses Abschiedsspiel nur eingebildet? Ist Miroslav Klose gar nicht zurückgetreten? Aber wenn nicht: Wo spielt er dann? Und: Wann hat er sein letztes Tor geschossen?

(Foto: Foto: ddp)

Ziemlich viele Fragen sind das, aber immerhin gibt es auf alle eine eindeutige Antwort. Die ersten drei sind zum Beispiel klar mit "nein" zu beantworten (keine Reden/Blumen/Tränen, kein Abschiedssong, kein All-Star-Team). Die weiteren Antworten lauten: Ja (nur eingebildet). Ja (nicht zurückgetreten). Bayern München (da spielt er). Sowie: 15. Januar 2010, so gegen 22.12 Uhr. Da schoss Klose sein bislang letztes Tor, es war das 2:0 gegen Hoffenheim, am 18. Spieltag.

Wer nach deutschen Stürmern fragt, muss sich zurzeit auf ungünstige Antworten gefasst machen. Bei Klose etwa ist es so, dass mit dem Tor gegen Hoffenheim bereits 100 Prozent seiner Liga-Ausbeute erfasst sind. Ansonsten wurde er oft eingewechselt, in der 76. oder 81. Minute. Im November vermerkt die Statistik eine Torvorlage (gegen Leverkusen). Und in den Datenbanken findet sich auch Kloses größtes Spiel der Saison: Beim 4:0-Pokalsieg in Frankfurt schoss er zwei Tore (Rechtsschuss, 14., Rechtsschuss, 19.) und gab eine Torvorlage (29.).

Zahlen können grausam sein. So kommt es, dass Bundestrainer Joachim Löw das vergangene Liga-Wochenende vermutlich am liebsten verdrängen oder rückwirkend vom Weltverband verbieten lassen würde. An diesem 22. Spieltag wurden nämlich acht Tore von Stürmern geschossen, die auch bei der WM in Südafrika stürmen werden.

Von diesen acht Toren ging nur eines auf das Konto eines Spielers, der für Löws Deutschland spielberechtigt ist: Mario Gomez. Die anderen Schützen: Ruud van Nistelrooy (zweimal, Niederlande), Arjen Robben (Niederlande), Eren Derdiyok (Schweiz), Albert Bunjaku (Schweiz), Stanislaw Sestak (Slowakei), Zlatko Dedic (Slowenien).

So geht das jetzt seit Wochen.

Wer Löw offiziell zur Sturm-Misere vernimmt, bekommt nur zur Antwort, dass er sich keine Sorgen mache. Das ist einerseits wahr, weil der Bundestrainer schon oft erlebt hat, wie aus zahnlosen Ligastürmern im Adlerhemd reißende Angreifer werden. Nicht zufällig war es obiger Klose, der im entscheidenden Gruppenspiel in Moskau tat, was zu tun ist: Er schoss das eine, entscheidende Tor.

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