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Fußball:Mein Platz, mein Blatt

Zwischen Spielfeld und Spielbericht: Seit 2008 verlegt Mittelfeldspieler Thomas Meggle vom FC St. Pauli das Magazin "Fußball Hamburg". In der Welt des Sports ist er damit nicht allein.

Fabian Heckenberger

Meggi freut sich immer über Autoren, aber als Schulle sich meldete, musste er dann doch abwinken. Timo Schultz, genannt "Schulle", Mittelfeldspieler beim Fußball-Zweitligisten St. Pauli, wollte gerne einen Bericht über die Nachwuchsmannschaft seines Vereins verfassen. Erscheinen sollte der Text im Lokalmagazin Fußball Hamburg, das sein Mannschaftskollege Thomas Meggle, Spitzname "Meggi", herausgibt. Der aber legte nach kurzem Gespräch in der Kabine am Millerntor sein Veto ein. Der Text wäre in der Konstellation St. Pauli schreibt über St. Pauli wohl nicht ganz objektiv ausgefallen. Und Meggle ist wichtig, dass sein Magazin seriös ist.

Seit August 2008 verlegt der Fußballprofi das Heft, das sich nach einer Startauflage von 10.000 nun bei wöchentlich 6.000 bis 7.000 Stück eingependelt hat. Die Idee kam dem 34-Jährigen bei einem Besuch in seiner Geburtsstadt München, als er das Magazin Fußball vor Ort entdeckte. Mit Stefan Kohfahl, Sportwissenschaftler und Trainer des Oststeinbeker SV in der Hamburger Landesliga, erarbeitete Meggle das Heftkonzept: "Von ganz oben bis ganz unten: Spielberichte, Nachberichte, bunte Themen." Texte über den Hamburger SV sind auf den 60 bis 70 Seiten ebenso zu finden, wie das Landesliga-Duell SV Lieth gegen SV Blankenese. Auch St. Pauli darf nicht fehlen, fair recherchiert, versteht sich.

Meggle, der die Euphorie beim gut in die Saison gestarteten Zweitligisten selbst aus gewisser Distanz erlebt, weil er nach einem Kreuzbandriss zwischen Reha und Redaktion pendelt, beschäftigt sich nun mit Fragen wie: Was treibt Springer-Chef Mathias Döpfner um, wenn er über die Kostenlos-Kultur im Internet schimpft? Oder Meggle überlegt, wie er das zweite Magazin Fussifreunde, das seit kurzem auch in seinem Verlag erscheint, strategisch positionieren kann.

"Lieber eine eigene Zeitung als eine eigene Yacht"

Meggle ist nicht der einzige, der zwischen Platz und Blatt pendelt: Englands Nationalspieler Rio Ferdinand betreibt das Online-Magazin #5, in dem er sich mit Roger Federer oder Usain Bolt unterhält, dazu gibt es Musik, Mode und Frauen. Oder Vladimir But: Der Mittelfeldspieler, der 1997 mit Borussia Dortmund die Champions League gewann, gründete 2008 einen Buchverlag, der die Werke des russischen Schriftstellers Juri Polyakow im Programm hat. Bekanntester verlegender Fußballer ist der Italiener Cristiano Lucarelli, der Corriere di Livorno herausgibt. "Lieber eine eigene Zeitung als eine eigene Yacht", umschrieb er 2007 beim Start seine Motivation.

Thomas Meggle ist ein bisschen bescheidener: "Ich mag es einfach, Fußballergebnisse vom Papier einer Zeitung statt von einer Homepage abzulesen."

© SZ vom 23.09.2009/thi

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