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Fußball: Manchester City:Warten auf Edin

Trotz eines Hattricks gegen Aston Villa muss Mario Balotelli bei Manchester City um seine Zukunft bangen. Der Grund: Der Noch-Wolfsburger Edin Dzeko ist angeblich bereits im Anflug.

Raphael Honigstein

Radio 5Live von der BBC versendete am Dienstagnachmittag zuerst die spektakuläre Nachricht, über das soziale Netzwerk Twitter fand sie den Weg in die weite Welt: Mario Balotelli, Hattrick-Torschütze beim 4:0 gegen Aston Villa, war von den 46.716 Zuschauern im City-of-Manchester-Stadion tatsächlich mit einem Lächeln erwischt worden.

Manchester City vs Aston Villa

Sehnsucht nach Italien: Mario Balotelli von Manchester City.

(Foto: dpa)

Heitere Gesichtszüge hatte man von dem Stürmer auf der Insel bis dahin noch nie gesehen; seit seinem 30-Millionen- Euro-Wechsel von Inter Mailand erweckte er eher den Eindruck, als würde er das hellblaue Trikot erzwungenermaßen und nur gegen seinen Willen tragen.

Der von den Kollegen als schwieriger Charakter und Einzelgänger eingestufte Nachwuchs-Prominente geriet im Training mit dem deutschen Nationalspieler Jérôme Boateng aneinander, blieb der Weihnachtsfeier fern und fliegt an freien Tagen stets zurück in die Lombardei. Erst am Montag klagte "Balo" gegenüber Freunden über seine Sehnsucht nach Italien. "Er hat vielleicht Heimweh", räumte City-Trainer Roberto Mancini ein, "aber das ist normal für einen 20-Jährigen, der zum ersten Mal von seiner Familie getrennt ist." Der Spieler sei glücklich im Verein, man wolle ihn auf keinen Fall abgeben.

"Als Stürmer ist es mein Job, Tore zu schießen, deswegen lächle ich nicht", ließ Balotelli ausrichten, für den nach eigener Einschätzung längst ganz andere Kriterien gelten. "Es gibt nur einen Spieler, der ein bisschen besser ist: Lionel Messi. Alle anderen sind hinter mir", sagte der Angreifer anlässlich der Wahl zum besten U21-Spieler in Europa vor einer Woche - allerdings durch die vermutlich nicht grenzenlos objektive italienische Sportzeitung Tuttosport.

Mancini, 46, der schon in seiner Zeit als Trainer von Inter Mailand (2004 bis 2008) kurz mit Balotelli zusammen- arbeitete, glaubt, den Profi integrieren zu können. Im Verein selbst hat man an der sozialen Verträglichkeit des Experiments mittlerweile aber große Zweifel. Stürmende Egozentriker hat man ja schon genügend im Kader. Der Togoer Emmanuel Adebayor wurde nach mehreren Disputen faktisch ausgemustert, Kapitän Carlos Tévez überraschte vor zwei Wochen mit einem offiziellen Transfer- gesuch. Den Argentinier treibt ebenfalls das Heimweh um.

Da sich bei City keine Interessenten meldeten, verkündete der 26-Jährige, doch bleiben zu wollen. Das Verhältnis zu Mancini ist aber schwer belastet, Tévez' Berater Kia Joorabchian gilt bei den Klubbesitzern aus Abu Dhabi inzwischen als Persona non grata.

Sportliche Kontinuität und Frieden in der Kabine sind mit solchen Diven dauerhaft nicht zu haben, weswegen Mancini Handlungsbedarf sieht. Er hätte gerne Andy Carroll von Newcastle United als Verstärkung im Januar geholt, der bullige Mittelstürmer alter Prägung, inzwischen englischer Nationalspieler, winkte jedoch ab. Dies erklärt, warum vor dem Sieg gegen Aston Villa nun Edin Dzekos Berater zu konkreten Vertragsverhandlungen vorstellig wurden.

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