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Fußball: Korruption bei der Fifa:"Mit Frauen locken, nicht mit Geld"

Was kostet eine WM? Die Fifa gerät wegen bestechlicher Funktionäre weiter in Bedrängnis - ein früherer Mitarbeiter nennt sogar die Vorlieben wichtiger Entscheidungsträger. Auch die zentrale Prüfung zum Fifa-Spielervermittler soll manipulierbar sein.

Die Fifa kommt nicht zur Ruhe. Nun erhält der Korruptions-Skandal um den Fußball-Weltverband gleich zwei neue Wendungen. Zum eine wurden Namen von bestechlichen Funktionären bekannt. Zum anderen ist wohl auch die Prüfung zum Spielerberater käuflich.

Der frühere Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen nannte gegenüber verdeckt recherchierenden Reportern die Namen möglicherweise bestechlicher Fifa-Funktionäre.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Im Mittelpunkt der ersten Wendung steht der ehemalige Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen. Der 51-Jährige nannte gegenüber Reportern der Sunday Times, die sich als Lobbyisten ausgaben, die Namen womöglich korrupter Fifa-Offizieller. Die Zeitung hatte seine pikanten Aussagen während eines Essens in Genf mitgeschnitten. Zen-Ruffinen benannte dort sowohl Personen, die gegen Geld bei den Vergaben für die WM-Endrunden 2018 und 2022 behilflich sein könnten - als auch die Summen, für welche die jeweiligen Stimmen zu kaufen wären. "X ist ein netter Kerl, aber X ist Geld", sagte Zen-Ruffinen über einen Funktionär. Und über einen anderen: "Er ist der Kerl, den sie mit Frauen locken können, nicht mit Geld."

Inzwischen versuchte Zen-Ruffinen seine Aussagen zu relativieren. Seine Kommentare seien lediglich "wohlbekannte Gerüchte" innerhalb der Fifa. Er habe außerdem seine Aussagen übertrieben, um das Interesse seiner Gegenüber zu wecken. Der französischen Nachrichtenagentur AFP gegenüber erklärte Zen-Ruffinen, er prüfe, ob er gegen die Journalisten juristisch vorgehen werde: "Ich denke, ihr Verhalten war genauso schlecht wie das von den Leuten, die ihre Stimme für Geld verkaufen." Seine Aussagen seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen.

Pikant: Michel Zen-Ruffinen hatte die Fifa 2002 verlassen müssen, nachdem er Präsident Joseph Blatter in einem 21-seitigen Dossier Machtmissbrauch und Korruption vorgeworfen hatte.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Fifa in der Bestechungsaffäre um die WM-Vergabe 2018 und 2022 die Exekutivmitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti suspendiert. Den beiden Funktionären wird vorgeworfen, dass sie ihre Stimmen für die Vergabe feilgeboten haben. Bis Mitte November, und damit noch vor dem WM-Vergabeverfahren am 2. Dezember, will die Kommission die Untersuchung abgeschlossen und endgültige Entscheidungen getroffen haben.

Neben Temarii und Adamu suspendierte die FIFA vier weitere Funktionäre, die ebenfalls in die Korruptionsaffäre um die Vergabe der Endrunden 2018 und 2022 verstrickt sein sollen. Dabei handelt es sich um die ehemaligen Exekutivmitglieder Slim Aloulou (Tunesien), Amadou Diakite (Mali), Ahongalu Fusimalohi (Tonga) und Ismael Bhamjee (Botswana).

Die Fifa bestätigte inzwischen, dass die Aussagen Zen-Ruffinens in die laufenden Untersuchungen einfließen würden, und forderte von der Sunday Times sämtliches Material zu beiden Fällen an. Die Fifa und das Ethik-Komitee hätten sich verpflichtet, jedes unethische Verhalten mit "null Toleranz" zu verfolgen, hieß es in einer Stellungnahme am Montag. Der Weltverband sei entschlossen, "die Integrität des Bewerbungsprozesses zu schützen".

Spielervermittler: Lizenz für 2000 Euro

Nach der WM-Vergabe gerät nun auch die Vergabe der Spielervermittler-Lizenz ins Zwielicht. Die entsprechende Prüfung der Fifa ist anscheinend manipulierbar. Der Kicker berichtet am Montag, es sei einem seiner Redakteure gelungen, gegen Zahlung von 2000 Euro an einen Mittelsmann aus der Spielerberaterszene die Lösung auf einen Großteil der Testfragen der Ende September durchgeführten Prüfung vorab zu erhalten. Dabei handelt es sich um die Antworten auf jene 15 Fragen, die die Fifa zu dem Test beisteuert. Fünf weitere Fragen stammen vom Deutschen Fußball-Bund.

Der Kreis möglicher undichter Stellen ist groß, weil die Fifa die Lösung auf ihre Fragen bereits vor der Prüfung an die Nationalverbände übermittelt. Die Prüfung wird weltweit in 70 Ländern zeitgleich abgehalten. Im Jahr 2010 legten in Deutschland 312 Personen die Spielervermittlerprüfung ab. Weltweit sind 5683 Spielervermittler bei der Fifa registriert.

© sueddeutsche.de/dpa/sid/dabi/ebc
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