Fußball Klopp beendet das Kapitel Balotelli beim FC Liverpool

Mario Balotelli hat keine Zukunft beim FC Liverpool.

(Foto: Getty Images)

Das Talent ohne Disziplin steht mit noch nicht einmal 26 Jahren vor dem Nichts - Balotelli muss erneut die Koffer packen. Ist ein Neuanfang in der italienischen Provinz seine letzte Chance?

Von Birgit Schönau, Rom

Vier Jahre ist es her, da wurde er zum Alptraum von Joachim Löw. Im EM-Halbfinale 2012 traf Mario Balotelli zwei Mal gegen Deutschland, nach dem zweiten Tor zog er sich das Hemd aus und präsentierte dem Publikum provozierend seinen muskulösen Oberkörper: der personifizierte Italien-Fluch. Dachte man. Denn inzwischen hat Deutschland tatsächlich zum ersten Mal überhaupt die Azzurri in einem Turnier besiegt, im Viertelfinale der EM in Frankreich. Balotelli war nicht dabei. Nicht berufen. Er saß zu Hause und twitterte: "Bravo, Jungs, ihr geht mit erhobenem Haupt. Auf Augenhöhe mit der stärksten Mannschaft." Von den ehemaligen Teamgefährten kam keine Antwort.

Wenige Tage später hatte auch Balotelli ein Zusammentreffen mit einem Deutschen, mit Jürgen Klopp, dem Trainer des FC Liverpool. Das Ergebnis des Gesprächs fasste Klopp später so zusammen: "Mario ist in einer Phase seiner Karriere, in der er nicht mit vier oder fünf anderen um einen Platz konkurrieren kann. Er braucht eine Mannschaft, in der er spielen kann und seine Fans glücklich macht. Einen solchen Klub gibt es bestimmt."

"Sein Talent ist noch da!" Aber es kann seine seelischen Abgründe nicht überdecken

Bye-bye, Supermario! Deutlicher ist selten ein Spieler von seinem Trainer vor die Tür gesetzt worden. Und dramatischer ging noch kaum eine vielversprechende Karriere zu Ende. Mit 23 Jahren schaffte es Mario Balotelli als erster Fußballer auf die Titelseite des amerikanischen Magazins Time, das ihn damals zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt zählte. Mit noch nicht einmal 26 Jahren ist der Stürmer jetzt nichts weiter als ein Ex: Ex-Spieler des FC Liverpool, Ex-Gehaltsempfänger beim AC Mailand, Ex-Nationalspieler. Auch wenn Klopp beschwichtigt: "Sein Talent ist natürlich noch da . . ."

Irgendwo verborgen ist dieses Talent. Welcher Verein danach graben möchte, bitte schön! Noch vernichtender klang da nur das Kompliment, Mario sei "ein guter Junge. Seitdem er zurückgekehrt ist, hat er sich hervorragend benommen", wie Klopp bekräftigte. Aber das nützt wenig.

Mit José Mourinho kam es zum Eklat

Es gab Zeiten, da war es genau andersherum. Da klagten Trainer und Kollegen über Balotellis schwierigen Charakter, seine Divenhaftigkeit, seine Eskapaden. Aber sie rissen sich trotzdem um ihn, weil er sportlich funktionierte und wichtige Tore lieferte. Schon mit 17 spielte der leibliche Sohn bitterarmer Eltern aus Ghana, der als Kleinkind verlassen und von einer italienischen Familie adoptiert worden war, für Inter Mailand. Und weil er bereits beim zweiten Einsatz traf, hatte Balotelli bei Trainer Roberto Mancini einen Stammplatz.

Doch bei Mancinis Nachfolger eckte der junge Profi bald an. Mit dem Portugiesen José Mourinho kam es während des Champions-League-Halbfinales zum Eklat. Mourinho hatte Balotelli spät eingewechselt - der reagierte mit provozierender Arbeitsverweigerung und durfte im Finale nicht mehr spielen. Damals rettete Mancini Balotelli. Im Sommer 2010 berief der italienische Coach seinen inzwischen 20 Jahre alten Zögling für eine Ablöse von 28 Millionen Euro zu Manchester City.

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Zwei Jahre blieb Balotelli in Manchester, dann hatte Mancini die Nase voll. Nicht zuletzt deshalb, weil sein Angreifer mehr Platzverweise als Tore sammelte. In der Saison 2011/12 war Balotelli oft gesperrt. Am Ende ging er zurück nach Mailand, diesmal zu Milan. Der Patron Silvio Berlusconi löste damit für 20 Millionen Euro ein Wahlkampfversprechen ein - so ziemlich das einzige. Auch Balotelli hielt, was er versprach: eine Menge Tore und einen Haufen Disziplinarverstöße. Nach anderthalb Jahren hatte er sich auch in Mailand mit den meisten überworfen. Im August 2014 war Berlusconi dann heilfroh, dass er das Enfant terrible für 20 Millionen an Liverpool abgeben konnte, plus/minus null.