Fußball:Klick nach dem Krach

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Elvis REXHBECAJ r. (BO) im Zweikampf gegen Michael GREGORITSCH (A) , , Aktion, Fussball DFB Pokal 2. Runde, VfL Bochum (

Zeigt inzwischen die geforderte FC-Augsburg-Intensität: Michael Gregoritsch (li., im Zweikampf mit Elvis Rexhbecaj beim knapp verlorenen Pokalspiel in Bochum) rettete seiner Mannschaft zuletzt in Berlin einen Punkt.

(Foto: Anke Waelischmiller/Sven Simon/Imago)

Der FC Augsburg hat spät zu seiner derzeit guten Form gefunden. Eine interne Aussprache und das verlorene Pokalspiel in Bochum waren Wendepunkte auf diesem Weg. Nun erwartet der FCA die Bochumer zu einem Geisterspiel - und will seinen Lauf bestätigen.

Von Maik Rosner

Die Dinge von ihrem Ende her zu denken, kann hilfreich sein, diese Erfahrung haben sie zuletzt beim FC Augsburg gemacht. Es scheint sich jedenfalls für sie als zuträglich zu erweisen, dass sie inzwischen vermehrt an das Saisonende denken und sich vergegenwärtigen, was nötig ist, um das übergeordnete Ziel Klassenerhalt zu erreichen.

Beim FCA haben sie allerdings erst im Laufe der Saison angefangen, an deren Ende zu denken, und das kurzfristig angeordnete Geisterspiel gegen den VfL Bochum an diesem Samstag bietet die Gelegenheit, sich an den Moment des Umdenkens zu erinnern. Erst Ende Oktober ereignete sich dieser, als ein enttäuschender Einstieg in die Spielzeit hinter ihnen lag. Trainer Markus Weinzierl und seine Mannschaft blickten damals gerade auf vier Spiele, in denen sie nur einen Punkt gegen Bielefeld geholt hatten. Das jüngste Spiel war damals eine 1:4-Niederlage in Mainz, bei der die Augsburger sogar von Glück sagen konnten, dass diese nicht deutlich höher ausgefallen war. "Wir haben keine Eier mit Ball, wir haben keine Eier gegen den Ball", schimpfte Torwart Rafal Gikiewicz danach in einer Reminiszenz an Oliver Kahn, "mit so einer mentalen Vorbereitung kannst du nicht in der Bundesliga spielen, nicht einmal in der Kreisliga."

Es war jener Moment, in dem sie beim FCA anfingen, die Saison von ihrem Ende her zu denken. Unter dem Eindruck ihrer bisherigen Leistungen ahnten sie, dass dieses Ende ein sehr unangenehmes werden könnte, wenn sie so weitermachen. Gikiewicz sagte: "Wenn du so spielst jede Woche, sind wir im Sommer in der zweiten Liga." Kurz darauf berichtete Klaus Hofmann von den internen Diskussionen. Bei diesen habe es "richtig gekracht, in alle Richtungen", erzählte der Präsident. Zugleich wurden Weinzierl und Stefan Reuter, der Geschäftsführer Sport, gestützt.

Im Nachhinein können sie beim FC Augsburg wohl froh sein über diesen hausinternen Krach. Denn offenbar hat er zu einigen Änderungen beigetragen, erst im Denken, dann im Handeln. Dass es damals klick gemacht hat, war bereits fünf Tage nach dem desolaten 1:4 in Mainz zu erkennen. Im Pokalspiel in Bochum, das die Augsburger zwar im Elfmeterschießen verloren, allerdings nach einer sehr couragierten Leistung, bei der sie einen 0:2-Rückstand aufholten und dem Sieg nahe waren. Es folgten dank der Erfolge gegen Stuttgart (4:1) und den FC Bayern (2:1) sowie des jüngsten 1:1 bei Hertha BSC sieben Punkte aus vier Spielen. Nur in Wolfsburg unterlag der FCA zuletzt 0:1, obwohl er den VfL in der zweiten Halbzeit in arge Bedrängnis gebracht hatte.

"Ich sehe wieder eine Identität, ich sehe eine Kompaktheit, ich sehe eine Mannschaft, die füreinander rennt und kämpft und bis zum Schluss dran glaubt", sagt Trainer Weinzierl

"Ich glaube, dass wir in den letzten Wochen eine positive Tendenz haben, eine Idee, wie wir spielen", sagt Weinzierl. Er freut sich, dass seine Mannschaft diese Idee "mit sehr viel Intensität" umsetzt und "folgerichtig auch gepunktet" habe. "Sehr, sehr positiv" sei es, was die Mannschaft zuletzt gezeigt habe. Weinzierl sagt: "Ich sehe wieder eine Identität, ich sehe eine Kompaktheit, ich sehe eine Mannschaft, die füreinander rennt und kämpft und bis zum Schluss dran glaubt." Wie am vergangenen Samstag in Berlin, als der Ausgleich in der siebten Minute der Nachspielzeit glückte.

Es fügt sich ins Gesamtbild, dass Michael Gregoritsch dieses sehr späte Kopfballtor erzielte. Bisher saß der Österreicher und ehemalige Profi des VfL Bochum als Nebendarsteller ja meist auf der Bank. Nun steht er auch stellvertretend für Augsburgs verzögerte Ankunft in der Saison. Er habe die volle Einsatzbereitschaft, die Weinzierl einfordert, anfangs nicht gezeigt, sagt Gregoritsch selbstkritisch, "dann schießt man im Training zwei, drei schöne Tore und vergisst vielleicht, dass das Sprinten in den nächsten Momenten gleich wichtig ist." Inzwischen aber zeige sich, findet er, "dass wir alle immer mehr und immer weiter zusammengewachsen sind und dazugelernt haben, dass wir diese FC-Augsburg-Intensität wieder zurückkriegen."

Diese soll gegen Bochum wieder zu sehen sein, auch ohne Unterstützung der Zuschauer, die vorerst bis Jahresende wieder draußen bleiben müssen, wie das bayerische Kabinett am Freitag beschloss. Auskommen müssen die Augsburger zudem erneut ohne die angeschlagenen Reece Oxford, Alfred Finnbogason und wohl auch noch ohne Felix Uduokhai sowie Jeffrey Gouweleeuw (nach Corona-Infektion). Doch unabhängig vom Personal wollen sie gegen Bochum fortführen, womit sie im Pokal beim Aufsteiger angefangen hatten. Ein Sieg gegen den VfL in der Bundesliga sei ihm ohnehin "lieber und wichtiger", sagt Weinzierl. Er nennt den VfL einen "direkten Konkurrenten" und meint damit den Abstiegskampf. Noch so ein Zeichen, dass die Augsburger die Saison inzwischen von ihrem Ende her denken.

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