Fußball:Irrsinnig teure Sünden plagen 1860 München

Trainingsstart TSV 1860 München

Der neue Geschäftsführer Markus Fauser (links) und der neue Cheftrainer Daniel Bierofka.

(Foto: dpa)
  • Der neue Geschäftsführer des TSV 1860 München, Markus Fauser, plant die Regionalliga - und findet viele alte Rechnungen.
  • An Investor Hasan Ismaik hat die neue Vereinsführung eine klare Botschaft.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Markus Fauser saß im überfüllten Pressecontainer und lächelte, der neue Geschäftsführer des TSV 1860 München hatte ja ein spannendes neues Projekt vorzustellen. So brachte er die Sache jedenfalls rüber. Zwar spielen die Löwen künftig nur noch in der Regionalliga und - vorbehaltlich einiger Gespräche mit der Stadt und dem Arena-Vermieter FC Bayern - im Stadion an der Grünwalder Straße. "Die Allianz Arena macht für uns in der Regionalliga keine Sinn", meinte er. Das alles hielt Fauser aber nicht davon ab, zu sagen, es gehe nun darum, die "sportliche Zukunftsfähigkeit herzustellen" und zu betonen: "Wir werden einen Kader haben, der absolut wettbewerbsfähig sein wird, und freuen uns da natürlich drauf."

Dass der Kader wettbewerbsfähig sein wird, muss man nicht betonen, schließlich sind die Verträge der bisherigen U21-Spieler großteils weiter gültig, und Trainer Daniel Bierofka wurde mit jener Mannschaft in der vergangenen Saison ja Zweiter in der Regionalliga Bayern. Dazu soll noch der eine oder andere erfahrene Spieler kommen, Jan Mauersberger aus der bisherigen Profimannschaft ist ein Kandidat oder das frühere 1860-Talent Timo Gebhart, das zuletzt beim Drittligisten Hansa Rostock unter Vertrag stand.

Spannender blieb natürlich die Frage nach der finanziellen Zukunft der Profifußball-KGaA, die die Regionalliga-Lizenz beantragen und erhalten wird. Aber selbst nach etlichen Nachtschichten konnte oder wollte Fauser dazu noch nichts Konkretes sagen. "Ich habe jetzt eine Woche Zeit gehabt, das sind im Prinzip sieben Tage", erklärte Fauser zu einer möglichen Insolvenz, "wir haben noch keine abschließende Prüfung vorgenommen." Er sei "als Sanierungs-Geschäftsführer hier", betonte er, "es ist nicht unser Ziel, auf eine Insolvenz hinzuarbeiten." Und Fauser betonte, dass "auch der e.V." keine Insolvenz wolle.

Viele Rechnungen stehen aus

Das musste er auch betonen. Eine Insolvenz wäre für die Vereinsvertreter schließlich eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit dem Investor Hasan Ismaik zu beenden, dem 60 Prozent der KGaA-Anteile gehören, der mittels der 50+1-Regel aber bei der Installierung des Insolvenzexperten Fauser aber vom e.V. übergangen wurde. Auch als e.V. dürfte 1860 aller Wahrscheinlichkeit nach an der Regionalliga teilnehmen. "Ich bin als Geschäftsführer allen Gesellschaftern gegenüber verpflichtet", unterstrich Fauser, es werde mit Ismaik "in den nächsten Tagen einen persönlichen Austausch geben".

Dabei plant Fauser den Prognosezeitraum so, dass Ismaiks nächster fälliger Kredit im Sommer 2018 bereits hineinfällt. "Die Planung geht auf ein wirtschaftliches Fundament für zwei Jahre", erklärte er, "dazu haben wir einen Finanzbedarf, und dazu sind wir in engem Austausch mit den Gesellschaftern." Der Finanzbedarf rührt weniger vom Gehalt des neuen Torwarts Johann Hipper, der vom FC Ismaning kommt, oder von den Reisekosten nach Unterföhring (S8/Gruppenkarte Innenraum) und Garching (U6/Gruppenkarte XXL) her. Sondern von alldem, was Fauser "Altthemen" nennt: Die sowohl irrsinnig teuren als auch irre sinnlosen Sünden der vergangenen Saison, die längst nicht getilgt sind.

Zum Beispiel steht Ende Juni der Prozess um die Gehaltsfortzahlung des nur widerruflich freigestellten ehemaligen Geschäftsführers Thomas Eichin an; es ist damit zu rechnen, dass dessen Abfindung (Vertrag bis 2019) einen Regionalliga-Jahresetat betragen dürfte. Auch Trainer Kosta Runjaic muss noch auf seine Abfindung warten. Nach SZ-Informationen stehen zudem Rechnungen der Arena-Cateringfirma, ebenfalls in Höhe von rund einer Million Euro, aus. Darüber hinaus wird die KGaA ein Darlehen bei Ismaik über rund drei Millionen Euro für den Transfer von Stefan Aigner abrufen. Der Aigner damals abgebende Klub Eintracht Frankfurt ist bezahlt. Aber nicht die KGaA von 1860, die bei Aigners Bezahlung sozusagen in Vorleistung ging für ein Darlehen Ismaiks.

"Wenn, dann soll er uns das Geld schenken"

Aigner wechselt den Verein nach dem Abstieg übrigens ablösefrei. Gültige Verträge besitzen immerhin noch Felix Uduokhai und Marin Pongracic; dass die hochveranlagten Innenverteidiger in der Regionalliga weiter für 1860 spielen, dürfte ausgeschlossen sein, aber zumindest sind hier Einnahmen zu erwarten. Darüber hinaus wird die Profifußball-KGaA laut Fauser auf "Sponsorenzahlungen und Drittmittel" angewiesen sein - aller Voraussicht nach auch auf einige Millionen Euro von Ismaik, der mit der Verweigerung einer Zahlung von rund elf Millionen Euro erst dazu beitrug, dass Sechzig nun in der vierten Liga spielt.

Präsident Robert Reisinger und Vizepräsident Hans Sitzberger betonten gegenüber der SZ, dass weitere Darlehen zum Überleben, so wie sie Ismaik zuletzt im Überfluss gab, und somit eine weitere Überschuldung der KGaA für sie nicht in Frage kommen. "Eine Fortsetzung der Schuldenpolitik der Vergangenheit wird es mit mir nicht geben", sagte Reisinger, "die KGaA wird mit mir keine weiteren Darlehen aufnehmen." Und der langjährige Sponsor Sitzberger formuliert dasselbe etwas pointierter: "Wenn, dann soll er uns das Geld schenken."

Das hat Hasan Ismaik bislang in sechs Jahren so gut wie nie getan. Nicht einmal bei zukunftsgerichteten Investitionen in Spieler, Trainer oder Geschäftsführer, die im Gegensatz zu Aufräumarbeiten ja Spaß machen. Immer nur lieh er seiner eigenen Firma Geld. Diesmal jedoch geht es um die Existenz jener Firma, deren Fortbestand ihm weit mehr am Herzen liegen muss als den e.V.-Vertretern.

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