Fußball in Tschechien Francis Koné, der Lebensretter vom 1. FC Slovácko

Fußballprofi Francis Koné

(Foto: imago/CTK Photo)
  • In der tschechischen Liga kommt es zu einem erstaunlichen Zwischenfall: Fußballprofi Francis Koné rettet dem gegnerischen Torwart mit beherztem Eingreifen das Leben.
  • Der Held aus dem westafrikanischen Togo erzählt, dass es nicht seine erste Rettungstat auf dem Fußballplatz ist.
  • Zuvor war er noch von den Fans rassistisch beleidigt worden.
Von Jonas Beckenkamp

So richtig positiv waren die Nachrichten aus dem Fußball in den letzten Tagen nicht: Der Zweitligist 1860 München bewegt sich immer mehr Richtung Kasperletheater, Weltmeister Kevin Großkreutz hat sich bei einem nächtlichen Ausflug geprügelt und bei Bundesligist Leverkusen gab's die nächste Trainerentlassung. Doch es gibt auch gute Geschichten. Geschichten von echten Helden wie in dieser besonders bemerkenstwerten aus den Niederungen der tschechischen Liga.

Francis Koné, ein tapferer Mann aus Togo, ist so ein echter Held. Er hat in einem Erstligaspiel dem gegnerischen Torwart das Leben gerettet, indem er ihm die Zunge aus dem Rachen zog und ihn so vor dem Ersticken bewahrte. Martin Berkovec heißt der Glückliche, der sich nach einem Zusammenprall mit seinem eigenen Kapitän Daniel Krch zuckend auf dem Spielfeld gewunden hatte. Die Bilder dokumentieren eine Szene des Schauderns, die ohne Konés gedankenschnelles Einschreiten bitter hätte enden können.

Passiert war der Unfall beim Ligaspiel zwischen Konés Klub 1. FC Slovácko aus der im Südosten Tschechiens gelegenen Stadt Uherské Hradiště (Ungarisch Hradisch) und Bohemians Prag 1905. Ein weiter Ball, dem der 26-jährige Koné hinterherspurtete, segelte Richtung Torwart Berkovec. Der Keeper ist zuerst am Ball, er köpfelt ihn außerhalb des Sechzehners, als er mit seinem Verteidiger Krch zusammenkracht. Kopf gegen Schläfe, Knochen auf Knochen. Es muss einen derartigen "choc violent", einen heftigen Aufprall gegeben haben, wie Koné jetzt dem Guardian erzählte, dass sich die Zuschauer bis in den letzten Winkel des Stadions erschreckten.

"Ich sah, dass sich zumindest der Abwehrspieler wieder bewegte, deshalb kümmerte ich mich sofort um den Keeper", erzählt Koné der britischen Zeitung. "Er lag nur da, und ich sah seine zurückgerollten Augen. Er war bewusstlos oder schon halb tot." Also tat Koné, was jeder Mensch in so einer Situation tun sollte: Er leistete Erste Hilfe. Er fixierte Berkovec mit seinem Bein und griff nach dessen Zunge, die die Luftröhre verdeckte. Bange Sekunden vergingen, andere Spieler eilten zu Hilfe und halfen, den Torwart seitwärts zu stemmen. "Er zuckte und gab mir mit seinem Kiefer sogar eine mit", erinnert sich Koné, "es geht bei so was um wenige Augenblicke, und als er plötzlich zu sprechen versuchte, wusste ich: Er hat's geschafft."

Der Vorgang klingt nicht kompliziert - und doch braucht es einen wie Koné, der in der Frage um Leben und Tod nicht lange überlegt, sondern handelt. Vielleicht lag es auch an seiner Erfahrung, dass er so schnell reagierte. Koné ist nämlich nicht das erste Mal der richtige Mann zur richtigen Zeit gewesen. Wie sich herausstellte, hat er in seiner Karriere schon drei Mal zuvor Kollegen das Leben gerettet. "Es war nicht das erste Mal für mich - einmal ist es in Thailand und zweimal in Afrika passiert", sagte der zweifache Nationalspieler aus dem westafrikanischen Togo, der in der Elfenbeinküste geboren wurde.