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Fußball in Polen:"Liebe zählt mehr als Millionen"

Switzerland v Poland - EURO 2016 - Round of 16

Bald Chef von Wisla Krakau? Blaszczykowski im Nationaltrikot.

(Foto: Yves Herman/Reuters)

Borussia Dortmunds ehemaliger Profi Jakub Blaszczykowski engagiert sich für die Rettung seines einstigen Jugendklubs Wisla Krakau.

Dass Jakub Blaszczykowski ein spezieller Typ Fußballer ist, weiß man aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund. Nicht nur wegen seines unermüdlichen Kampfgeists, mit dem er während seiner acht Jahre beim BVB zwei Meistertitel und einen Pokalsieg errang, wurde der "Kuba" genannte Pole zum Liebling der Südtribüne: "Kuba ist ein außergewöhnlicher Profi, den wir nicht nur als Fußballer, sondern auch als Menschen sehr schätzen gelernt haben", sagte einst BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Menschliche Größe beweist Blaszczykowski nun auch in Krisenzeiten in seiner Heimat. Bei seinem Jugendklub Wisla Krakau lässt der 34-Jährige gerade seine Karriere ausklingen, doch die Corona-Pandemie trifft auch den chronisch klammen Traditionsverein hart. Der polnische Fernsehsender TVP berichtet, dass Blaszczykowski daher plane, den Verein zusammen mit zwei Geschäftspartnern zu übernehmen und so vor einer drohenden Insolvenz zu retten: "Es stimmt, dass er das vielleicht in seinem Kopf hat. Man kann nicht abstreiten, dass er darüber nachdenkt", sagte dazu Blaszczykowskis Berater Wolfgang Vöge auf Anfrage, auch wenn er betonte: "Abgeschlossen ist da noch nichts."

Es wäre nicht Blaszczykowskis erste Hilfsaktion für den Klub, bei dem er bereits von 2005 bis 2007 spielte und seinen Durchbruch schaffte, ehe es ihn als hoffnungsvolles Talent damals nach Dortmund zog. Als er im Februar 2019 - nach Zwischenstationen in Florenz und Wolfsburg - nach Krakau zurückkehrte, unterschrieb er einen Vertrag bis zum Saisonende, der ihm monatlich nur 500 polnische Zloty einbrachte - 116 Euro, die er in Form von Eintrittskarten an Waisenkinder spendete.

Die Fans des 13-maligen polnischen Meisters dankten es dem verlorenen Sohn bei dessen Heimkehr mit einer sehr emotionalen Choreografie: "Liebe zählt mehr als Millionen", stand unter einem riesigen Abbild von Blaszczykowski. "Ich habe immer im Hinterkopf, was Menschen für mich getan haben. Ich habe eine große Chance von Wisla bekommen - und ich vergesse nie, wer mir eine Chance gegeben hat", hatte Blaszczykowski schon ein Jahr vor seiner Rückkehr nach Krakau gesagt.

Auch deshalb hatte er Wisla Anfang 2019 mit seinen beiden Geschäftspartnern eine Million Euro geliehen und vor dem Lizenzverlust bewahrt; schon ein Jahr zuvor soll er mit einer Finanzspritze aus eigener Tasche geholfen haben. Und auch in der Corona-Zeit hat sich der 108-malige Nationalspieler bereits als Wohltäter hervorgetan. Über seine Stiftung "Ludzki Gest" (Menschliche Geste) spendete Blaszczykowski 87 000 Euro für den Kampf gegen das Virus. Fußball mit Herz, nicht nur auf dem Feld.

© SZ vom 07.04.2020 / sid
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