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Fußball in Brasilien:"Ich will der Breno von früher werden"

Bild in neuer Seite öffnenTreino SPFC SÃO PAULO SP 03 04 2017 TREINO SPFC Breno during training the São Paulo Futebol Cl; Breno

Nach seiner Rückkehr spielte Breno erst beim FC São Paulo, jetzt ist er bei Vasco Da Gama - und endlich wieder Stammspieler.

(Foto: imago/Fotoarena)
  • Breno galt einst als Verteidiger-Wunderkind, der FC Bayern verpflichtete ihn für zwölf Millionen Euro. Doch dann verletzte er sich, zündete sein Haus an und kam ins Gefängnis.
  • Auch nach seiner Rückkehr nach Brasilien hatte Breno Verletzungspech. Doch jetzt ist er wieder da - und Stammspieler bei Vasco da Gama.
  • "Ich will der Breno von früher werden", sagt er.

Von Lisa Sonnabend

Es läuft die 29. Minute, als der Innenverteidiger zum Zweikampf hochsteigt. Er klärt den Ball, der Gegner fällt, der Schiedsrichter deutet an: alles sauber. Eigentlich eine ganz gewöhnliche Szene, doch sie ist dennoch besonders. Denn der Verteidiger heißt Breno Vinícius Rodrigues Borges. Der Mann, der einst als Fußball-Wunderkind gehandelt wurde und dann so tief stürzte wie kaum ein anderer Fußballer, spielt wieder.

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Breno ist jetzt nicht mehr ein Weltklassespieler, um den sich internationale Spitzenklubs rangeln, sondern ein solider Verteidiger beim brasilianischen Erstligisten Vasco da Gama. Doch seine Comeback-Geschichte ist eine der schönsten im Sport seit Langem.

Eines Nachts zündet er seine Villa an

Als Breno 18 Jahre alt war, verhalf er dem FC São Paulo zur brasilianischen Meisterschaft. Dass hier einer mit Talent gesegnet ist, sprach sich in der ganzen Welt herum. Der 1,87 Meter große Abwehrspieler ging so robust in Zweikämpfe wie nur wenige Fußballer, er war schnell und extrem kopfballstark. Real Madrid hatte Interesse, italienische Klubs umwarben ihn, schließlich wechselte der brasilianische Teenager zum FC Bayern München. Für zwölf Millionen Euro. Er galt als ein Versprechen, doch in diesen Tagen im Jahr 2008 hatte er - was damals keiner ahnen konnte - bereits den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Danach ging es bergab. Und zwar rasant.

Breno hatte in München Anpassungsschwierigkeiten, sein Können blitzte kaum noch auf, er verletzte sich am Knie, wurde zum 1. FC Nürnberg verliehen, dort riss er sich bei einem Foul von Leverkusens Stefan Reinartz das Kreuzband. Als er wieder zum FC Bayern zurückkehrte, blieb er Reservist, begann zu trinken, viel zu trinken. An einem Septembermorgen im Jahr 2011 erhielt Breno die Nachricht, dass sein Knie erneut operiert werden müsse. Er war frustriert, schüttete Alkohol in sich hinein, stritt mit seiner Ehefrau, trank noch mehr - und beging einen folgenschweren Fehler: Er zündete seine Villa in Grünwald an, sie brannte komplett aus.

Im Juni 2012 begann der Prozess gegen Breno. Das Urteil: drei Jahre und neun Monate Gefängnis wegen gefährlicher Brandstiftung. Brenos Augen, mit denen er einst so fröhlich in die Welt blickte, waren leer, er blickte traurig auf den Boden im Gerichtssaal. Kurz vor dem Weihnachtsfest 2015 wurde Breno vorzeitig aus der Haft entlassen. Er kehrte sofort nach Brasilien zurück, sein Jugendverein FC São Paulo nahm ihn wieder auf.

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Der tiefste Punkt seiner Karriere: Im Juli 2012 wird Breno in München zu einer Haftstrafe verurteilt.

(Foto: dpa)
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Doch schon nach wenigen Wochen verletzte er sich, diesmal am Oberschenkel, er spielte ein paar Mal, zog sich wieder eine Blessur zu - und saß danach meist auf der Reservebank. Im Jahr 2016 hatte Breno dann noch größeres Pech, das Knie mal wieder. Er musste noch einmal operiert werden: Ein Transplantat, das ihm Ärzte in der Zeit beim FC Bayern eingesetzt hatten, bereitete Probleme und musste entfernt werden. Als Breno nach monatelanger Pause zurückkam, blieb er Reservist. Und so entschloss sich vor ein paar Wochen der Fußballer, dem einst eine Weltkarriere prognostiziert worden war, noch einmal seine Heimatstadt zu verlassen.

Diesmal trifft Breno die richtige Entscheidung

Im Mai ging er nach Rio de Janeiro, bis zum Jahresende ist er an den brasilianischen Erstligisten Vasco da Gama ausgeliehen. Und diesmal, so scheint es, war der Wechsel die richtige Entscheidung. Vasco-Innenverteidiger Rafael Marques verletzte sich im Spiel gegen Bahia, und Breno wurde wenige Tage nach seiner Ankunft in Rio sogleich eingewechselt. Seitdem spielt er immer, ob gegen Fluminense, Corinthians oder Botafogo. Sieben Spiele hat er bei Vasco nun schon von Beginn an gemacht - so viele wie in den fünf Jahren zuvor.

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Breno ist erst 27 Jahre alt. Die Arme sind inzwischen bis zu den Handballen tätowiert, die Haare kurz geschnitten. Er rennt, er grätscht, er passt, er zeigt Einsatz. Er hebt die Hände hoch, wenn die Fans ihn beklatschen. Vier Siege hat er mit Vasco schon erlebt, nach dem neunten Spieltag steht sein Team auf einem mittleren Tabellenrang.

Viel Lob, auch wenn es noch nicht überschwänglich ist

Breno bekommt viel Lob, auch wenn es noch nicht überschwänglich ausfällt. Trainer Milton Mendes sagte nach dem ersten Einsatz: "Breno tat, was in diesem Spiel zu tun war. Die Zukunft ist vielversprechend für uns." Vasco-Vizepräsident Eurico Brandão Miranda findet: "Schon wenn Breno 50 Prozent seiner Leistung zeigt, ist er eine gute Unterstützung für uns. Aber wir glauben, dass er bald wieder bei 100 Prozent ist."

Auch Breno ist wieder zuversichtlich: "Ich habe keine Zweifel, dass ich bald wieder der sein werde, der beim FC São Paulo spielte und dann zu den Bayern ging", sagt er. "Ich will der Breno von früher werden." Was er jetzt braucht, ist Zeit - und vor allem endlich einmal Glück.

© SZ.de/chge/ghe

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