Süddeutsche Zeitung

Fußball: Hoeneß und Zwanziger:Spiel mit den Pöstchen

Einerseits bleibt Uli Hoeneß' Zick-Zack-Kurs als peinlicher Auftritt in Erinnerung. Andererseits lenkt er den Blick auf das tatsächliche Problem des Fußballs - den Deutschen Fußballbund und seinen Präsidenten.

Dass also selbst der große Hoeneß manchmal nicht weiß, was er will, holt ihn auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Oder, weniger schmeichelhaft gesagt: Sein irritierender Auftritt bringt ihn auf Augenhöhe mit den Sportfunktionären. Unprofessionelles Vorgehen, Antriebe aus dem Bauchgefühl heraus, das sind ja die Untugenden in der nationalen Verbandsführung, denen er den Garaus machen wollte als Liga-Chef.

Dass er nun zurücktritt vom Antritt, ist einerseits zwar etwas peinlich, weil alle vorgelegten Gründe (vom Familien-Veto bis zur Tatsache, dass er über zu viel Kenntnisse im internationalen Geschäft verfügt, die er besser nicht mit jedem Konkurrenzbetrieb teilt) von solcher Natur sind, dass sie bei kurzem Nachdenken vor Verkündigung der DFL-Kandidatur dieselbe zur Makulatur hätten werden lassen.

Verdienstvoll ist aber, dass der fähigste Manager der deutschen Kickerbranche per Parforceritt durch die Pöstchen nicht nur deren Bedeutung angemessen relativiert hat (immerhin wollte er in kürzester Zeit Vorstandsmitglied, Vize, Präsident der Liga werden). Und vor allem, dass er das Augenmerk auf die Krisenherde lenkt, die der deutsche Fußball just im Jahr 2010 aufweist, in dem er sportlich tadellos dasteht von WM bis Champions League.

Die Krise, die Hoeneß sichtbar macht, spielt im Dachgremium DFB, deshalb war es ja Hoeneß' Begehr, via Liga ins DFB-Präsidium vorzustoßen. Dort thront Verbandschef Theo Zwanziger, den griff Hoeneß nun direkt an. Er benannte die Problemfälle Löw/Bierhoff und Amerell/Kempter, er rügte den Umgang des DFB mit diesen Affären und stellte in den Raum, dass er selbst die Brandherde flott gelöscht hätte - wenn es je welche geworden wären.

Da hat Hoeneß recht. Und sicherlich hätte es zur Beilegung der Affären nicht mal einen Hoeneß gebraucht, sondern nur ausreichend Menschenverstand und eine professionelle Kommunikation. Stattdessen tat sich an der DFB-Spitze ein Jahrmarkt der Eitelkeiten auf, der übrigens bis in diese Tage anhält: Wieder einmal steckt der Präsident, der einige Schutzbefohlene schwer vergrätzt, andere ziemlich unglücklich gemacht hat, in tiefer Sinnen-Krise, wieder kokettiert er mit dem Rückzug, wieder schwingt der Verdacht mit, er wolle so das Verbandsgefolge hinter sich zwingen.

Vielleicht sollte Hoeneß im Herbst als DFB-Chef kandidieren, diesmal professionell vorbereitet. Oder aber sein Amtsvorgänger geht in die Bütt, der intern sowieso schon bei manchen als Wunschkandidat kursiert: Franz Beckenbauer.

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SZ vom 20.07.2010/leja
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