Hängende SpitzeVom Handshake-Dialog zur Faustschlag-Debatte

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„Es kann nicht sein, dass Schiedsrichter jede Woche handeln, wie sie Lust haben“: Klaus Gjasula von Rot-Weiss Essen war sichtlich aufgebracht nach der Entscheidung von Schiedsrichter Florian Lechner.
„Es kann nicht sein, dass Schiedsrichter jede Woche handeln, wie sie Lust haben“: Klaus Gjasula von Rot-Weiss Essen war sichtlich aufgebracht nach der Entscheidung von Schiedsrichter Florian Lechner. Oliver Zimmermann/foto2press/Imago

Trainer, Kapitäne und Schiedsrichter mögen beim Austausch vor dem Spiel nicht so recht wissen, worüber sie reden sollen – dabei kommt es nur auf den richtigen Zeitpunkt an.

Glosse von Ulrich Hartmann

Der Handshake-Dialog war ein Fall für Smalltalk-Ratgeber. Seit dieser Saison hatten sich 70 Minuten vor Spielbeginn Trainer, Kapitäne und Schiedsrichter in der Schiedsrichterkabine zum Austausch getroffen. „Kokolores“, nannte das der Kölner Trainer Lukas Kwasniok. „Man geht da rein und keiner weiß, was er erzählen soll.“

Smalltalk-Ratgeber empfehlen in solchen Fällen die Einbeziehung der Themen Wetter, Urlaub und Hobbys. Weil 70 Minuten vor einem Bundesligaspiel für leere Plauderei aber oft Zeit und Nerven fehlen, haben die Profivereine beschlossen, den Handshake-Dialog „vorerst“ wieder auszusetzen. Die Schlussfolgerung, Trainer, Kapitäne und Schiedsrichter hätten sich nichts zu sagen, wäre aber falsch. Sie sagen sich gewisse Dinge bloß nicht gerne ins Gesicht.

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Nach einem möglicherweise übersehenen Handspiel im Strafraum sagte der benachteiligte Wolfsburger Trainer Paul Simonis am Samstag: „Für mich ist es unverzeihlich, dass solche Fehler gemacht werden.“ Sein Abwehrspieler Kilian Fischer polterte: „Ich bin es langsam leid, dass immer noch so viele Fehlentscheidungen passieren, obwohl wir 50 Kameras im Stadion haben.“

„Schiris müssen genauso Strafen kriegen wie Vereine und Spieler“, fordert Klaus Gjasula von Rot-Weiss Essen

Klingt eigentlich nach einer guten Basis für den Handshake-Dialog. Vielleicht erschiene es sinnvoller, den Austausch 70 Minuten nach einem Spiel anzusetzen, dann bestünde allerdings die Gefahr, dass sich der Handschlagdialog als Faustschlagdebatte entpuppt.

Man stelle sich bloß vor, der Fußballer Klaus Gjasula vom Drittligisten Rot-Weiss Essen brächte im Handshake-Dialog jene Thesen zu Gehör, die er am Samstag nach einer in seinen Augen fälschlich gezückten roten Karte in ein TV-Mikrofon sagte: „Es kann nicht sein, dass Schiedsrichter jede Woche handeln, wie sie Lust haben. Schiris müssen genauso Strafen kriegen wie Vereine und Spieler. Wenn ein Arbeiter Scheiße baut, kriegt er von seinem Arbeitgeber eine Strafe. Genauso muss es bei Schiedsrichtern sein.“

Nach Kokolores klingt das nicht. Wer so etwas in der Schiedsrichterkabine anspricht, kann auf die Themen Wetter, Urlaub und Hobbys hervorragend verzichten.

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