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Fußball:Gladbach ist ein Durchlauf-Erhitzer

Mahmoud Dahoud

Gladbach verliert seinen nächsten begabten Kicker: Mahmoud Dahoud wechselt zu Borussia Dortmund.

(Foto: dpa)

Reus, ter Stegen, Xhaka: In Mahmoud Dahoud verliert Borussia Mönchengladbach seinen nächsten großartigen Fußballer. Um den Klub muss sich trotzdem keiner Sorgen machen.

Kommentar von Ulrich Hartmann

Einer fehlt noch, nur noch einer hinten rechts in einer 4-3-3-Formation, dann können sie in Mönchengladbach eine komplette Fußball-Elf der verlorenen Seelen zusammenstellen. Diese virtuelle Formation mit Marc-André ter Stegen im Tor, Dante, Andreas Christensen und Marcell Jansen in der Abwehr, Granit Xhaka, Roman Neustädter und Mahmoud Dahoud im Mittelfeld sowie Marko Marin, Max Kruse und Marco Reus im Sturm würde betreut vom Trainer Lucien Favre. Es sind dies all jene Persönlichkeiten (Günter Netzer, Lothar Matthäus und Stefan Effenberg wurden wegen Verjährung ausgespart), die die Borussia in der jüngeren Vergangenheit unfreiwillig verloren hat. Christensen und Dahoud werden in diesem Sommer fortgehen. Dahoud wechselt zu Borussia Dortmund, der Däne Christensen wird nach zweijähriger Leihe zum FC Chelsea zurückkehren.

Borussia Mönchengladbach ist ein Durchlauf-Erhitzer. Spieler kommen, werden zu Stars und gehen wieder. Der Manager Max Eberl hat längst akzeptiert, dass Gladbach in der Hackordnung des deutschen Fußballs hinter Bayern München und Borussia Dortmund rangiert und mit international renommierten Adressen schon gar nicht mitbieten kann. Ter Stegen, Xhaka und Christensen ins Ausland, Dante und Jansen nach München, Reus und Dahoud nach Dortmund - am Niederrhein trösten sie sich bei jedem neuerlichen Verlust mit einer Ablöse sowie damit, dass die Branche eine Pyramide abbildet, in deren Spitze halt nicht allzu viele nebeneinander passen.

Aber innerhalb dieser Pyramide wissen die Gladbacher durchaus zu schätzen, dass sie selbst vom Image her wieder recht weit oben stehen und damit ihrerseits bei anderen Klubs aus einer Fülle talentierter Spieler auswählen können: Lars Stindl kam aus Hannover, Jannik Vestergaard aus Bremen, André Hahn aus Augsburg, Tobias Strobl und Fabian Johnson kamen aus Hoffenheim - Vereine mit ähnlichen Problemen.

Um Borussia Mönchengladbach muss sich niemand Sorgen machen

Momentan sollen die Gladbacher dem Vernehmen nach am Hoffenheimer Nadiem Amiri und am Freiburger Vincenzo Grifo interessiert sein, zwei Spieler, die wie einst Kruse, Xhaka und Reus zwar das Potenzial für noch größere Klubs besitzen, aber den sogenannten nächsten Schritt erst mal bei einem ambitionierten Klub machen müssen, bei dem sie auch genügend Einsatzzeiten bekommen: ein Klub wie Gladbach.

Die Borussia ist für den Aufstieg talentierter Fußballer so etwas die letzte Berghütte auf dem Weg zum Gipfelkreuz. Das bewahrt den Klub zwar nicht vor dem regelmäßigen Abschied lieb gewonnener Spieler, sichert ihm aber andererseits steten Zulauf und damit den Verbleib in der anregenden Höhenluft der Bundesliga. Mit diesem Dilemma haben sich der Sportdirektor Eberl und seine präsidialen Mitstreiter Rainer Bonhof und Hans Meyer ganz gut arrangiert. Um Borussia Mönchengladbach muss sich niemand Sorgen machen.

© SZ vom 31.03.2017/schma
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