Fußball:Polizei trägt Schuld an Katastrophe von Hillsborough

Hillsborough inquest verdict

15. April 1989: Bei der Katastrophe im Hillsborough-Stadion in Sheffield kamen 96 Menschen ums Leben.

(Foto: dpa)
  • 27 Jahre nach der Katastrophe im Hillsborough-Stadion befindet eine Untersuchungskommission, dass die Schuld bei der Polizei liegt.
  • Großbritanniens Premierminister Cameron spricht von einer "längst überfälligen Gerechtigkeit".
  • Damals sind 96 Fans des FC Liverpool ums Leben gekommen, weil auf eine überfüllte Tribüne weitere 2000 Menschen gelassen wurden.

Eine polizeiliche Fehleinschätzung und nicht ein Fehlverhalten der Zuschauer hat die Katastrophe im Hillsborough-Stadion von Sheffield ausgelöst. Dies ist das Ergebnis einer langjährigen juristischen Untersuchung, die am Dienstag im britischen Warrington präsentiert wurde. Bei einem Pokalspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest waren am 15. April 1989 96 Menschen im Stadion ums Leben gekommen. Die Jury der Untersuchungskommission teilte mit, die Fußball-Fans seien ohne eigenes Verschulden getötet worden.

Großbritanniens Premierminister David Cameron begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Bei Twitter schrieb er von einem "Meilenstein" und der "längst überfälligen Gerechtigkeit für die 96 Liverpool-Fans, die bei diesem Desaster gestorben sind".

Die Menschen waren damals bei einer Panik im Gästeblock des Stadions von Sheffield zu Tode gequetscht worden. Die Polizei hatte ein Tor geöffnet, durch das etwa 2000 Fans auf die ohnehin bereits überfüllte Liverpool-Tribüne strömten. Das Gericht in Warrington nannte daher "Fehler in der polizeilichen Planung" als Ursache für die Tragödie.

Die Überfüllung des Gästebereichs hatte bereits zuvor als grundsätzliche Ursache für die Katastrophe gegolten. Doch aufgrund neuer Erkenntnisse wurde das ursprüngliche Ergebnis offizieller Untersuchungen 2012 widerrufen. Das Gericht in Warrington hatte sich seit 2014 mit dem Fall erneut beschäftigt.

"Diese Entscheidung ist nicht nur für die 96 Todesopfer, sondern für alle. Für uns Familien, Freunde, Fans. Für die gesamte Stadt, für die Gerechtigkeit", sagte Margaret Aspinall, die Vorsitzende der Hillsborough Family Support Group, die bei der Katastrophe ihren damals 18 Jahre alten Sohn James verloren hatte: "Wir haben ein Stück Vergangenheit umgeschrieben."

Direkt nach der Katastrophe hieß es von der Polizei, "alkoholisierte Fans" seien Schuld gewesen. Dass es für das Stadion kein gültiges Sicherheitszertifikat gab, dass Beamte Flüchtende in den überfüllten Block zurückdrängten, dass sie den Einsatz von Sanitätern verhinderte - all das wurde totgeschwiegen. 41 der 96 Toten hätten gerettet werden können, stellten Experten im September 2012 fest. Die Zeitung The Sun brachte Tage nach der Katastrophe eine Geschichte, in der sie behauptete, Liverpool-Fans hätten Rettungsversuche der Polizei behindert, Betroffene beraubt und sogar auf Opfer uriniert. Erst 15 Jahre später entschuldigte sich die Zeitung für diese falschen Behauptungen.

Conclusions Are Reached On All 96 Deaths At The Hillsborough Inquest

Angehörige der 96 Toten von Hillsborough feiern das Urteil in Warrington.

(Foto: Getty Images)

Die Katastrophe von Hillsborough führte im englischen Fußball dazu, dass in den Stadien die Stehplätze abgeschafft wurden.

© SZ.de/sid/hum/fued
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