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Fußball:Gericht in Kairo bestätigt Todesurteile gegen zehn Fußball-Ultras

Al-Masry - Al-Ahly

Tragödie in Ägypten: Bei einem Fußballspiel in Port Said starben im Februar 2012 74 Menschen (Archivfoto)

(Foto: dpa)
  • Ägyptens höchstes Berufungsgericht hat elf Todesurteile gegen Fußball-Ultras wegen tödlicher Ausschreitungen in der Hafenstadt Port Said bestätigt.
  • Im Februar 2012 waren 74 Menschen ums Leben gekommen, als Fans von Al-Masri auf Anhänger des Klubs Al-Ahli losgegangen waren.
  • Angehörige der Opfer feiern die Urteilsverkündung.

Das blutige Fußballspiel im ägyptischen Port Said mit 74 Toten hat fünf Jahre danach ein juristisches Ende gefunden: Das höchste Berufungsgericht des Landes hat die Todesstrafe gegen zehn Fußballfans in letzter Instanz bestätigt. Wie ein Behördenmitarbeiter in Kairo mitteilte, erhielt das Gericht am Montag außerdem rund 40 Haftstrafen im Zusammenhang mit den Krawallen aufrecht. Auch der ehemalige Polizeichef der Stadt muss für fünf Jahre ins Gefängnis.

Im Februar 2012 waren nach einem Spiel zwischen dem örtlichen Klub Al-Masri und dem Kairoer Verein Al-Ahli Krawalle ausgebrochen, bei denen 74 Menschen starben und hunderte weitere verletzt wurden. Bei späteren Unruhen im Zusammenhang mit den Ausschreitungen im Stadion wurden dutzende weitere Menschen getötet.

Zunächst wurden 21 Menschen zum Tode verurteilt

Wegen der Beteiligung an den blutigen Fankrawallen waren zunächst 73 Menschen verurteilt worden, davon 21 zum Tode. Im Februar 2014 hob ein Berufungsgericht die Urteile jedoch auf und ordnete einen neuen Prozess an. Ein Kairoer Gericht verhängte die elf Todesurteile. Einer der zum Tode Verurteilten ist jedoch auf der Flucht.

Angehörige der 74 Opfer, die bei den Unruhen starben, feierten nach der Urteilsverkündung spontan. Augenzeugen kritisierten damals, dass die im Stadion anwesenden Sicherheitskräfte nicht entschlossen eingegriffen hätten.

"Das ist kein Fußball. Das ist ein Krieg"

Anhänger der Gastgeber waren auf den Platz gestürmt. Sie hatten Steine und Flaschen auf die Gästefans geworfen und die Ränge mit Feuerwerkskörpern beschossen. Es entstand eine Panik, bei der es den meisten der verfolgten Spieler noch gelang, sich rechzeitig in ihre Umkleidekabine zu retten. Aus dem Inneren des Stadions riefen verzweifelte Al-Ahly-Spieler den Sport-Radiosender Modern Kora an und schlugen Alarm. Der Mittelfeldspieler Mohamed Abu-Treika klagte: "Das ist kein Fußball. Das ist ein Krieg, die Menschen sterben direkt vor uns. Es gibt keine Bewegung und keine Krankenwagen."

© sz.de/AFP/SID/schma
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