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Fußball:Furcht vor einem neuen Lockdown

Die zunehmende Zahl von Corona-Fällen beunruhigt die deutschen Profiklubs. Der DFB sagt alle U-Länderspiele ab.

Erst Nationalspieler Serge Gnabry, nun dessen DFB-Kollege Emre Can, dazwischen ein Profi von Werder Bremen sowie fünf positive Tests beim 1. FC Heidenheim: Im deutschen Profifußball sorgen immer neue Coronafälle für Unruhe. Die Klub-Verantwortlichen reagieren betroffen, warnen aber vor einem zweiten Lockdown. "Wenn so etwas kommt, weinen nicht die großen Vereine, sondern generell die Bundesliga und der Sport", sagte Rouven Schröder, Sportchef von Mainz 05. Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat ging noch weiter: "Wir leben in Zeiten, in denen es vorstellbar erscheint, dass es nicht nur sportliche, sondern auch wirtschaftliche Absteiger aus der Bundesliga geben könnte." Der 47-Jährige bezifferte die Verluste seines Klubs im Interview mit Spox und Goal auf ca. 30 Millionen Euro.

Der prominenteste jüngste Coronafall betrifft Can. Der 26 Jahre alte Dortmunder sei symptomfrei und befinde sich in häuslicher Isolation, dem Revierderby gegen Schalke am Samstag "steht nichts im Wege", hieß es in der BVB-Mitteilung. Alle weiteren Testergebnisse von Spielern und Staff am Freitag fielen negativ aus. Bei den Bayern scheint die Corona-Gefahr nach der Infektion von Gnabry und eines Mitarbeiters vorläufig gebannt zu sein.

Beim Zweitligisten in Heidenheim hingegen herrscht Verwirrung: Er meldete am Freitag zunächst fünf neue Fälle, ehe er am Abend bekannt gab, dass nach erneuten Tests alle Resultate negativ ausgefallen seien. Der Verein schloss "nach aktueller Faktenlage auf falsche Labor-Testergebnisse". In Bremen hatten sich Team und Trainer nach dem positiven Test von Felix Agu am Donnerstag freiwillig in häusliche Quarantäne begeben. Nachdem weitere Tests am Freitag negativ waren, befindet sich dort nur noch Tahith Chong als Kontaktperson ersten Grades.

In den Klubs sieht man die Entwicklung mit Sorge. Sollten die Infektionszahlen bundesweit weiter steigen und auch in der Bundesliga zunehmen, ist eine erneute Unterbrechung des Spielbetriebs nicht auszuschließen. Wenn Teams nicht antreten können, weil sie sich in Quarantäne befinden, stellt sich die Sinnfrage für den Spielbetrieb. "Wir müssen nochmal die Sinne schärfen, damit wir ohne großen Schaden rauskommen. Ein nochmaliger Lockdown wäre für den Fußball ein Drama", mahnte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beim TV-Sender Sky. Ähnlich hatte sich Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geäußert: "Sollte es nochmal eine große Unterbrechung geben, könnten bei manch einem die Lichter ausgehen." Dortmund kalkuliert für diese Saison wegen Corona mit einem Verlust zwischen 70 und 75 Millionen Euro. Der DFB sagte am Freitag alle Länderspiele und Lehrgänge seiner U-Nationalteams bis Jahresende ab. Nur die U21-Auswahl ist davon ausgenommen.

Für Überraschungen sorgen indes die Gesundheitsämter an den jeweiligen Spielorten. Während in München, Stuttgart oder Bremen am Wochenende keine Zuschauer zugelassen sind, dürfen für das Heimspiel von Union Berlin am Samstag gegen den SC Freiburg 5000 Personen ins Stadion - und das, obwohl Berlin als Corona-Hochburg gilt und einen Inzidenz-Wert von 103,4 hatte.

© SZ vom 24.10.2020 / SID
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