Am Ende wirkten Giulia Gwinn, Linda Dallmann oder Klara Bühl genauso glücklich wie die vielen Mädchen, die beim Fan- und Familienfest im Vorlauf des DFB-Pokalfinals der Frauen auf den Kölner Vorwiesen gekickt hatten. Der FC Bayern untermauerte mit einem deutlichen 4:0 (1:0)-Erfolg in einem sehr einseitigen Endspiel gegen den VfL Wolfsburg seine Vormachtstellung im deutschen Frauenfußball. Die gnadenlose Effizienz des bayrischen Ensembles wirkte auch an Christi Himmelfahrt vor der stattlichen Kulisse von 46 064 Zuschauern beeindruckend – und gleichzeitig auch bedrückend für die Stimmung, die bei diesem Event in der Vergangenheit schon deutlich besser war.
Um 18.13 Uhr bekam Bayerns Kapitänin Glodis Perla Viggosdottir die elf Kilogramm schwere Trophäe im Konfettiregen überreicht, ehe die obligatorische Jubelprozedur folgte. Durch Tore von Georgia Stanway (45.+2/Foulelfmeter), Pernille Harder (59.), Momoko Tanikawa (77.) und Arianna Caruso (84.) krönten die Münchnerinnen mit dem zweiten Double hintereinander eine national fast vollkommen makellose Saison. Der dritte Pokalsieg der Vereinsgeschichte gelang ohne Gegentor. Die bitter enttäuschte VfL-Anführerin Alexandra Popp verpasste den erhofften Erfolg zum Abschluss ihrer Wolfsburger Zeit.
„Es war ein megageiler Nachmittag. Wir haben in der zweiten Halbzeit unser Spiel durchgezogen“, sagte die strahlende DFB-Kapitänin Gwinn: „Wir haben zu guten Zeitpunkten unsere Tore gemacht.“ Ein bisschen geholfen hat der ansonsten bei den Frauen ja nicht zum Einsatz kommende VAR. Nach einer chancenarmen und teils langatmigen ersten Halbzeit steuerte eigentlich alles auf den torlosen Pausenstand zu, als Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer von Videoassistentin Katrin Rafalski an den Kontrollmonitor geschickt wurde. Lineth Beerenstyn hatte gegen Tanikawa das Bein stehen lassen: Den Strafstoß verwandelte die wohl zum FC Arsenal wechselnde Europameisterin Stanway gewohnt souverän. Harder hätte sogar noch nachlegen können, doch Sarai Linder klärte auf der Linie (45.+5). Die turbulente Nachspielzeit täuschte darüber hinweg, dass das Kräftemessen der dominierenden Teams des vergangenen Jahrzehnts die hohen Erwartungen nicht erfüllte.
Die zweite Hälfte bot mehr Höhepunkte: Torjägerin Harder köpfte auf Flanke ihrer Lebensgefährtin Magdalena Eriksson das 2:0, Edeltechnikerin Takawa belohnte sich für einen starken Auftritt mit dem 3:0 und die eingewechselte Caruso schlenzte die Kugel noch zum 4:0 in die Maschen. „Wir sind ruhig geblieben: In der zweiten Halbzeit hatten wir dann mehr Räume“, sagte Bayerns Mittelfeldspielerin Dallmann, während VfL-Verteidigerin Sophia Kleinherne einwarf: „Das Ergebnis ist eindeutiger, als es das Spiel war.“
DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich ist besorgt wegen der vielen anstehenden Wechsel ins Ausland
Doch letztlich fehlten dem Werksklub in diesem Finale die spielerischen Mittel. „Ein Jahr auf Reisen reicht – Zeit für die Heimkehr“, hatten die VfL-Fans weiß auf grün gepinselt. Gemeint war jener Pokal, der bis 2024 noch zehnmal nacheinander in die Autostadt gegangen war. Bei den „Wölfinnen“ stimmte zwar lange die Verteidigungshaltung, nicht aber die Angriffsleistung. Die im Sturm aufgebotene Alexandra Popp kam bei ihrem Comeback nach dem ausgeheilten Muskelfaserriss in der Wade trotz einer ordentlichen Vorstellung kaum in Abschlusssituationen.
Stilecht hatte sie noch einmal ihr Team aufs Feld geführt. Doch der Traum vom 14. Coup mit einer Trophäe, die sie ihr „Baby“ nennt, sollte sich für die zu Borussia Dortmund wechselnde 35-Jährige nicht erfüllen. Und die Abwanderungswelle der Topspielerinnen macht auch vor den Werkstoren nicht Halt. Mit Vivien Endemann und Beerenstyn gehen weitere wertvolle Offensivkräfte. Die für den Frauen- und Mädchenfußball zuständige DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich äußerte sich am Rande des Finals durchaus sorgenvoll über einen Ausverkauf, der vor allem die Verfolger der Bayern trifft. Auch der Bundesligadritte Eintracht Frankfurt hatte am Donnerstag den Abgang von vier Leistungsträgerinnen (Geraldine Reuteler, Nicole Anyomi, Elisa Senß, Nadine Riesen) vermeldet.
Die Vereine seien insbesondere bei den Angeboten aus England zunehmend machtlos, sagte Ullrich: „Wir nähern uns den Tendenzen des Herrenfußballs – das ist der Markt.“ Es sei vor dem Hintergrund der Frauen-EM 2029 bedauerlich, wenn in Bälde möglicherweise „keine Nationalspielerin mehr zu Hause spielt“. Der FC Bayern muss sich größtenteils (noch) nicht so viele Sorgen machen. Neben Stanway wird voraussichtlich keine Stammspielerin gehen. Auch Nationalstürmerin Bühl bleibt noch ein Jahr, wie ihr Berater Jörg Neblung in der Domstadt bestätigte: „Stand jetzt ist davon auszugehen, dass Klara ihren Vertrag in München erfüllen wird.“


