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Champions League:Abstauber ins Glück

Women's Champions League - Semi Final - VfL Wolfsburg v FC Barcelona

Erzielte gegen den FC Barcelona den Siegtreffer: Die Wolfsburgerin Fridolina Rolfö

(Foto: REUTERS)

In einem umkämpften Spiel erreicht der VfL Wolfsburg gegen den FC Barcelona das Finale der Champions League. Fridolina Rolfö erzielt den Siegtreffer.

Von Anna Dreher

Den Ball hatte Ewa Pajor eigentlich selbst über die Linie bringen wollen. Er kam auf sie zugeflogen, sie sprang hoch, legte sich in die Luft. Und als sie nach ihrem Fallrückzieher merkte, dass ihr Plan nicht aufgegangen war, blieb gar keine Zeit, sich darüber zu ärgern - denn eine andere hatte ihn vollendet. Der abgeprallte Ball war bei Fridolina Rolfö gelandet, die Schwedin zog aus kurzer Distanz ab zum 1:0 in der 58. Minute gegen den FC Barcelona. Es sollte der entscheidende Moment am Dienstagabend sein, der den VfL Wolfsburg ins Finale der Champions League gebracht hat. Der Endspielgegner des zweimaligen Champions-League-Siegers wird am Mittwochabend zwischen Titelverteidiger Olympique Lyon und Paris Saint-Germain ermittelt.

"Es war ein glücklicher Sieg. Barcelona hat uns ins Laufen gebracht und viele Chancen herausgespielt, die wir so nicht zulassen wollten", sagte erleichtert Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch, der sein Team lobte: "Wir haben uns durch Kampf und Leidenschaft ausgezeichnet und uns das Finale erarbeitet."

Barcelona trat von Beginn an mit viel Offensivdrang auf, und was die Spielerinnen des VfL Wolfsburg schon vor der Partie angemahnt hatten, bewahrheitete sich früh: Dieser Gegner brachte eine ganz eigene Qualität auf den Platz. Während Wolfsburg sich anfangs schwer tat, sein eigenes Spiel aufzuziehen, baute Barcelona ein gewisses Übergewicht auf. Nachdem die ehemalige Wolfsburgerin Caroline Graham Hansen das Tor verfehlt hatte, schoss die schnelle Asisat Oshoala auch nur knapp am Tor von Friederike Abt vorbei. In der 13. Minute hatte das Team von Trainer Lluís Cortés seine nächste große Chance: Nach einer Ecke fälschte Kathrin Hendrich den Ball gefährlich mit ihrer Hüfte ab, gerade noch so konnte Abt ihn über die Latte lenken.

Barcelona hatte das bessere Auge für Räume, spielte sich so effektiver nach vorne und wurde Wolfsburg immer wieder gefährlich. Von den beiden ballbesitzliebenden Teams setzte sich Barcelona besser in Szene. Das Vorhaben, das Pernille Harder vorher umschrieben hatte mit "Bälle erobern und attackieren, unsere physische und fußballerische Stärke zum Einsatz bringen", konnte erst in der 25. Minute umgesetzt werden. Nach einem Konter rannte Rolfö auf Torhüterin Sandra Paños zu, schloss aber zu früh und zu hektisch ab. Ähnlich ging es Svenja Huth, die zwei Chancen (38./42. Minute) ungenutzt ließ. Auf der anderen Seite verpasste Hansen (41.). Nach der Pause war es wieder Hansen, die Wolfsburg gefährlich wurde. Die 25 Jahre alte Norwegerin hätte Abt aus kurzer Distanz überwinden können, gab stattdessen aber lieber nach innen ab. Und statt im Tor landete der Ball dann bei Abt. Von Rolfös Führungstreffer ließen sich die Katalaninnen nicht einschüchtern, im Gegenteil. Oshoala war mit einem Kopfball nah dran am Ausgleich (60.), Mariona Caldentey verzog freistehend aus kurzer Distanz (65.) - wie schließlich auch Jennifer Hermoso (74.). Der VfL Wolfsburg wurde defensiv unkonzentrierter, Barça blieb unnachgiebig in seinen Vorstößen und konnte immer wieder frei kombinieren. Aber all das half am Ende nichts mehr.

© SZ vom 26.08.2020
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