Fußball-Fernsehrechte:Besser Samstag als Salami

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Bericht: Sky bekommt Pay-TV-Rechte

Liveübertragungen aus den Stadien: Bislang ist der Montag tabu, wie lange noch?

(Foto: dapd)

Briten und Spanier verhackstückeln ihre Spieltage - droht dies bald auch deutschen Fußballfans? Wenn es um höhere Fernsehgelder geht, sollte die Bundesliga an ihren Markenkern denken.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Hat er es nicht beneidenswert gut, der Fan in Spanien? Er kann den Fußball als Endlosschleife konsumieren, Wochenende für Wochenende. Wer einsam in der Bar sitzt, muss nur nach oben schauen, irgendwo hängt er schon, der Fernseher, auf dem sich die bunten Männchen aus Granada und Bilbao, aus Eibar und Elche tummeln. Übrigens: Den Provinz-Knüller SD Eibar gegen FC Elche haben die Spanier für alle Einsam-in-der-Bar-Sitzer für diesen Montag ausgewählt. Als Digestif zum Spieltag gewissermaßen, gibt es doch viel zu verdauen. Denn gestartet wird schon am Freitag um 20.45 Uhr, und flott geht es weiter: Samstag 16 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr, 22 Uhr; Sonntag 12 Uhr, 17 Uhr, 19 Uhr, 21 Uhr. Jedes der zehn Spiele hat mindestens einen Zwei-Stunden-Slot.

Doch damit nicht genug. Der 12-Uhr-Slot am Sonntag ist eigens auf den märchenhaften asiatischen Markt zugeschnitten, dann ist es in Delhi 17 und in Hongkong 19 Uhr. Und, mal ehrlich, was ist denn Erbaulicheres vorstellbar, als an einem Sonntagabend in einer Panorama-Bar in Hongkong zu sitzen, dort den sich im Licht der untergehenden Sonne spiegelnden Dschunken - und zugleich dem FC Valencia gegen Getafe zuzusehen?

Die Spanier, die alten Eroberer, sind mit ihrer Salami-Strategie zu einem Weltmarktführer geworden: Keiner verhackstückelt seine Spieltage so konsequent wie sie. Nicht einmal die Engländer tun das. Und trotzdem sind die Deutschen derzeit nicht etwa wegen der Spanier, sondern wegen der Briten und ihres unfassbaren Reichtums in heller Aufregung.

Neue Liga-Anstoßzeiten? Es gibt ja noch den freien Montag!

Da das böse Wort von einer Neiddebatte hier einen Platzverweis bekommt, sagt man es wohl besser so: Die Bundesliga beginnt eine Fachdebatte und sorgt sich um ihre Konkurrenzfähigkeit. Da lodert wieder die Angst, dass die Briten die Kabinen leerkaufen könnten, weil sie einen schwindelerregenden Fernsehvertrag geschlossen haben. Ab 2016 gibt es für die Fernsehrechte an der Premier League circa 9,5 Milliarden Euro für drei Jahre (3,15 Milliarden pro Saison). Die Bundesliga muss in ihrer Rekordsaison 2016/17 mit 835 Millionen auskommen. Die Zeit danach wird bald verhandelt, und schon beginnt mancher, das Rezept für eine Spieltags-Salami wie in Spanien zu entwickeln. Samstag, 15.30 Uhr, die Anstoßzeit, zu der Deutschland eine feste Verabredung hat, gilt zwar weiter als Kulturgut, aber auch hierzulande wird schon an fünf Terminen angepfiffen. Und da gibt es zum Beispiel noch den freien Montag.

Nicht nur Rudi Völler, Sportchef von Bayer Leverkusen, hat auf den Montag verwiesen, der wäre attraktiv und könne die Zahlungsbereitschaft beim Pay-TV-Partner Sky womöglich erhöhen. Spanier und Engländer haben den Montag im Programm, nur beginnen die deutschen Probleme nicht erst damit, dass dieser Abend als Plattform exklusiv für die zweite Liga reserviert ist. Denn auch die murrt, weil Montagsfußball an Arbeitstagen zu strapaziösen Reisen zwingt.

Ein Problem, das die Salami-Spanier ignorieren können, Reisen zu Auswärtsspielen kommen dort traditionell kaum vor. Niemand besucht dort gerne die Kathedrale des anderen, selbst zum Clásico nach Barcelona pilgern nur wenige hundert Madrilenen mit. Der Fußball-Tourismus zählt speziell zum Markenkern der Bundesliga, dorthin flieht sogar so mancher Engländer, weil er die Ticketpreise auf der Insel nicht mehr bezahlen mag, und weil die Atmosphäre in Dortmund, auf Schalke oder St. Pauli noch als emotional und folkloristisch gilt. Daran sollte sich die Liga erinnern, wenn sie jetzt ihre SOS-Maßnahmen gegen die Finanzlücke zur Premier League diskutiert. Der Fan, der weiter ins Stadion kommt, ist Kulisse und somit wichtiger als der, der an der Bar oder zu Hause auf dem Sofa sitzt.

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