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Fußball:Der FC Bayern rüstet sich für England

FC Bayern v Juventus - Champions League

Jetzt gegen Benfica: die Spieler des FC Bayern.

(Foto: Michaela Rehle/REUTERS)

Setzliste in der Champions League? Superliga? David Alaba bis 2021? Die Bayern bereiten sich auf eine Zukunft vor, in der Bremen oder Köln kaum mehr eine Rolle spielen.

Von Christof Kneer

Dass Karl-Heinz Rummenigge ein Mann mit magischen Fähigkeiten ist, hätte man vor 36 Jahren schon ahnen können. "Stellt die Linsen scharf, gleich kracht's", soll er den Fotografen zugerufen haben, die beim EM-Finale 1980 in der Nähe der Eckfahne kauerten. Nicht überliefert ist, ob die Fotografen ihre Linsen wirklich scharf gestellt haben, aber man würde es ihnen auf jeden Fall geraten haben. Der Ball flog dann ja, von Rummenigge abgesandt, hoch in Richtung Elfmeterpunkt, und als der Ball irgendwo im Luftraum Horst Hrubeschs imposantem Schädel begegnete, bog er ab in Richtung Tor. In dieses flog der Ball dann, und Deutschland war Europameister.

Es hat im ersten Moment vielleicht nicht jeder verstanden, aber inzwischen weiß man, dass Karl-Heinz Rummenigge den Fotografen auch in dieser Woche einen Wink gegeben hat. Als er unter dem Eindruck des lebensprallen, aber halt schon auch nervenschädigenden 4:2 gegen Juventus Turin eine Setzliste für künftige Auslosungen forderte, wollte er vermutlich nichts anderes sagen als: Freunde, stellt eure Linsen wieder scharf, wenn am Freitagmittag die Kugel mit dem Bayern-Gegner aus dem Topf gefischt wird.

Die Fotografen waren dann pünktlich zur Stelle, und so konnte jeder das Loskärtchen gut lesen: kein Barcelona oder Madrid, kein Paris, nicht mal ein klitzekleines Manchester City. Stattdessen: Benfica Lissabon. Die Setzliste ist also auf magische Weise bereits in Kraft. Der Rummenigge, der kann's einfach.

Dass ein Vorstandschef sein Unternehmen auch in der Öffentlichkeit positionieren muss, ist in diesem Job eine conditio sine qua non, wie der Vorstandschef des FC Bayern vermutlich sagen würde. Karl-Heinz Rummenigge ist sehr strategisch gelaunt gewesen in dieser Woche, er hat sehr viele wuchtige Worte aufsetzen lassen oder selber gesprochen, und am Ende dieser Woche ergibt sich aus manchem, was alleine vielleicht noch rätselhaft wirkte, ein Bild: Rummenigge versteht sich als Unternehmenslenker, der den globalen Marktwert seines Konzerns offensiv definiert und so viele Wettbewerbsrisiken wie möglich auszuschalten versucht.

Er plädiert für eine Setzliste. Er kokettiert mit einer neuen Superliga, die neben weiterem obszönen Reichtum noch mehr Planungssicherheit verspricht als die Champions League. Er kritisiert einen Sportrichter, der es wagt, im Kommentar zu einem Urteil die Marke FCB zu erniedrigen, indem er die Siege in der Bundesliga als zu leicht bezeichnet. Und jetzt also auch noch dieses Signal der Stärke, frisch aus dem Postfach vom Freitag: Der Mitarbeiter David Alaba verlängert seinen Vertrag im Unternehmen bis 2021.

Nach Müller, Boateng und Martínez hat Bayern jetzt auch Alaba vom Markt genommen

Wer nach dieser Woche seine Linsen scharf stellt, der erkennt einen Klub, der sich kaum mehr über Siege gegen Werder Bremen oder den 1. FC Köln definiert. Der FC Bayern macht sich reif für die Insel. Dort, in England, sitzt der Gegner mit diesem lästigen neuen TV-Vertrag, der es ihm ermöglichen würde, Alaba, Müller, Boateng und Martínez gleichzeitig zu verpflichten und nebenbei noch ein seriöses Angebot für Werder Bremen und den 1. FC Köln abzugeben; deshalb haben die Bayern die begehrtesten ihrer Produkte nun komplett vom Markt genommen und nach Müller, Boateng und Martínez auch Alaba bis 2021 ans Unternehmen gebunden. Den Bayern soll nicht passieren, was - ebenfalls in dieser Woche - Juventus Turin passiert ist: Die Italiener sind von ihren Ex-Spielern besiegt worden, von Arturo Vidal und Kingsley Coman.

Der FC Bayern, das darf man sagen, ist für die Zukunft gut aufgestellt. Er ist so gut aufgestellt, dass er - auch das darf man sagen - ruhig ein bisschen Wettbewerb aushalten kann.

© SZ vom 19.03.2016
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