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FC Bayern:"Er hat hier alle Vollmachten"

Hasan Salihamidzic neuer Sportdirektor beim FC Bayern

Triumvirat: Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Präsident Uli Hoeneß (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz.

(Foto: dpa)
  • Der FC Bayern präsentiert Hasan Salihamidzic als neuen Sportdirektor.
  • Der Bosnier spielte von 1998 bis 2007 für die Münchner. Zuletzt war er Markenbotschafter des Klubs.

Hasan Salihamidzic war jüngst bereits mit Erklärungen wie dieser unterwegs: "Ich denke, wir haben uns mit den Neuen sehr gut auf die kommende Spielzeit vorbereitet. Aber die Mannschaft muss taktisch und physisch etwas zulegen, doch ich glaube an eine erfolgreiche Saison." Das hörte sich schon wie eine kleine Regierungserklärung an, jedoch tätigte der 40-Jährige Stellungnahmen wie diese mit der repräsentativen Autorität eines offiziellen Botschafters des FC Bayern. Er übte diese Funktion seit Januar als Teil eines Trios aus, das durch den Brasilianer Giovane Elber und den Franzosen Bixente Lizarazu komplettiert wurde.

Was das Trio einte? Sie alle waren am 23. Mai 2001 in Mailand in kurzen Hosen dabei, und gewannen im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia die Champions League. Und mit einem solchen Titel im Kreuz kann man beim Helden-fixierten FC Bayern immer noch etwas werden, zumal dann, wenn man sich wie der einst so flinke Flügelflitzer "Brazzo" nicht nur der Gunst der Münchner Fan-Gemeinde sicher sein kann, sondern auch der von Uli Hoeneß.

Der nicht nur auf den Präsidentenstuhl, sondern auch massiv an die Hebel der Macht zurückgekehrte Klub-Patron war offensichtlich die treibende Kraft hinter dieser Personalie. Viele Namen waren gehandelt worden, seit Hoeneß auf der jüngst beendeten Asien-Tournee mit der Botschaft von einer 0:4-Testspiel-Pleite gegen den AC Mailand abzulenken versuchte: Binnen sechs Wochen werde der neue Sportchef vorgestellt werden, garantiert. Natürlich ging alles dann viel schneller, der Name Salihamidzic musste in München nur noch vom Aufsichtsrat, dem Hoeneß selbst vorsteht, abgenickt werden.

Salihamidzic besetzt grob gesehen jene Planstelle, die durch den Rückzug von Sportvorstand Matthias Sammer 2016 frei geworden war, die scharfen Konturen des eigentlichen Jobprofils werden sich wohl erst in der näheren Zukunft herausschälen, fest steht, dass er kein Vorstandsmitglied sein wird. Wichtig zunächst nur: Beim Liga-Start gegen Leverkusen sitzt neben Chefcoach Carlo Ancelotti und dessen neuem Assistenten, dem Franzosen Willy Sagnol - ebenfalls 2001 in Mailand dabei -, ein Neuer in Zivilkleidung. Einer, der unten am Spielfeldrand die Autorität des FC Bayern schärfen soll. Was Salihamidzic oben auf der Chefetage zu tun bekommt, wird im Laufe der Saison zurecht geschliffen.

Die 2001er kehren also aus dem Vor-Ruhestand ins aktive Gewerbe zurück. Salihamidzic war 1998 vom Hamburger SV gekommen, er bestritt von 1998 bis 2007 insgesamt 234 Bundesliga-Spiele für die Münchner, der 46-malige Nationalspieler für Bosnien-Herzegowina ist damit der Ausländer mit den meisten Liga-Einsätzen im Trikot des FC Bayern. Nun ist er Teil einer unerwarteten Lösung, an der der Rekordmeister ein Jahr lang gebastelt hat. Auf der Suche danach hatten prominente Namen wie Philipp Lahm oder Max Eberl unter lautem Medien-Echo ihren Verzicht erklärt.

Salihamidzic erhält nun einen Vertrag bis 2020. "Er wird hier für die nächsten drei Jahre der verantwortliche Mann sein. Er hat hier alle Vollmachten, die man in seinem Job braucht", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge am Montag. "Als ich gefragt wurde, war mir sofort klar, dass ich das machen möchte. Die Bayern sind für mich ein ganz besonderer Klub", sagte Salihamidzic. "Ich werde 24 Stunden, sieben Tage für die Spieler da sein. Ich freue mich sehr auf meine Aufgabe." Er selbst sieht sich nach den Absagen von Lahm und Eberl nicht als Notlösung und hat lauf Rummenigge "sicherlich auch die Aussicht, in das Vorstandsgebäude einzuziehen". Präsident Uli Hoeneß ergänzte: "Es wird keine Vertragsverhandlungen geben, bei denen Hasan Salihamidzic nicht mit am Tisch sitzt."

Im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten hatte Trainer Carlo Ancelotti nicht den Eindruck, als benötige der FC Bayern nun dringend einen Sportdirektor. "Ich glaube nicht, dass uns letzte Saison etwas gefehlt hat. Wir haben gute Arbeit geleistet. Aber, stellte er fest: "Wir werden gut zusammenarbeiten." Zuvor hatte Ancelotti bereits Sagnol zur Seite gestellt bekommen.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/ebc
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