Fußball-EM:Bei Spanien sitzt auch der zweite Anzug

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Einer von vielen neuen bei der Furia Roja: Ferran Torres erzielte das Siegtor gegen Albanien. (Foto: Charlotte Wilson/Offside Sports/Imago)

Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente ändert seine Startelf auf gleich zehn Positionen. Die Reservisten gewinnen mit 1:0 gegen nur phasenweise mutige Albaner – und ziehen mit drei Siegen ins Achtelfinale ein.

Von Javier Cáceres, Düsseldorf

Die albanische Nation zählt knapp drei Millionen Menschen – und eine Vielzahl von Personen, die Teil der Diaspora sind. Nicht, dass jene, die es am Montagabend in die Düsseldorfer Arena verschlug, es sich hätten anmerken lassen, sie wirkten vergnügt, hoffnungsfroh, frei von jeder Form des Defätismus. Die Wahrheit aber war: Unter ihnen war kaum einer, der eine echte Siegesvision hatte, als das abschließende Spiel der Gruppe B gegen Spanien anstand.

Ein kleines Wunder werde man brauchen, raunte Igli Tare, der frühere albanische National- und Bundesligaspieler, als er am Montagmittag auf der Terrasse eines Fünfsterne-Hotels nahe der Düsseldorfer „Kö“ saß und aus der Ferne die Hupen der Autokorsos hörte, in denen seine Landsleute durch Düsseldorf zogen. Das Wunder? Es hätte nicht klein, sondern groß sein müssen, und es blieb aus. Spanien siegte mit 1:0. Und schickte die sieglosen Albaner heim.

Spaniens Trainer widmet sich der Aufgabe, die zweite Reihe bei Laune zu halten

Die Spanier waren schon vor dem Spiel als Erster der Gruppe B für das Achtelfinale qualifiziert, vom kommenden Gegner weiß man nur, dass es ein Gruppendritter sein wird. Trainer Luis de la Fuente konnte sich der Aufgabe widmen, die sogenannte zweite Reihe bei Laune zu halten. Er tauschte im Vergleich zum brillanten Spiel gegen Italien zehn Akteure aus. Zu den Spielern, die am Montag zu einem Startelfdebüt bei dieser EM kamen, zählten der Leipziger Dani Olmo und der deutsche Meister Alejandro Grimaldo von Bayer Leverkusen.

Es waren Namen, die erklärten, dass Albaniens Trainer Sylvinho am Vorabend nichts von einer B-Elf wissen wollte. Sie sei so stark, dass sie sogar Favorit in einem EM-Finale wäre, sagte er. Eine Übertreibung, fürwahr, aber eine, die belegte, dass sich Albanien unterlegen fühlte. Und das hatte nichts damit zu tun, dass die Uefa den Stürmer Mirlind Daku am Sonntag wegen der „Aussendung unangebrachter Botschaften“ für zwei Spiele gesperrt hatte. Daku hatte nach dem Spiel gegen Kroatien nationalistische Gesänge angestimmt, was wohl nicht weiter aufgefallen wäre, hätte er es nicht vor einer Tribüne und per Megafon getan.

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Als wollten sie allem trotzen, was in ihrem Wege stand, stürzten sich die Albaner anfangs auf die Spanier. Doch je länger die Partie dauerte, je intensiver die Spanier die Kontrolle über Ball und Spiel erlangten, desto entfernter wirkte die Erinnerung daran, dass die Albaner Mut in die Partie getragen hatten.

Mehr Solitär als Fußball – Spanien kontrolliert und im Zweifel rettet Torwart Raya

Die Courage überdauerte zwar die ersten spanischen Warnungen durch Merino und Joselu. Nach 13 Minuten war sie aber verpufft; ebenso das Inferno, das die Anhänger Albaniens mit Kehlen und ein paar bengalischen Feuern hergestellt hatten: Olmo schickte Ferran Torres mit einem Traumpass in die Tiefe, der seine auffälligste Aktion blieb. Kaum, dass Ferran den Strafraum betreten hatte, zog er mit seinem schwächeren linken Fuß ab. Vom linken Innenpfosten sprang der Ball zum 1:0 ins Netz. Für Olmo war es die vierte Vorlage bei einer EM – er befindet sich damit in der Gesellschaft von Xavi, Iniesta, Cesc und David Silva.

Kurz vor der Pause nahm das Publikum Notiz von den Albanern: Krsitijan Asllani zog mit Gewalt aus 20 Metern ab – und zwang Torwart David Raya (FC Arsenal) zu einer Glanztat. Ansonsten war das, was in Düsseldorf zu sehen war, mehr Solitär als Fußball.

Neu im Team und direkt mit Topleistung: Torhüter David Raya sicherte mit seinen Paraden Spaniens Sieg. (Foto: Alberto Pizzoli/AFP)

Es änderte sich nach der Pause und einem Seitfallzieher von Joselu (47.). Rund um die 55. Minute erwachte das albanische Publikum – wegen des Tores von Kroatien, das eine (sehr) entfernte Hoffnung auf ein Weiterkommen bot. Trainer Sylvinho wechselte Armando Broja ein, und er sorgte rasch für Gefahr. Er nutzte die erste Unachtsamkeit der spanischen Abwehr, entdeckte im Strafraum einen freien Raum und scheiterte doch an Torwart Raya.

De la Fuente brachte Stammkräfte – unter ihnen Mittelstürmer Álvaro Morata und den 16-jährigen Shooting-Star Lamine Yamal (72.). Die Spanier erlangten wieder größere Dominanz, doch die Verzweiflung trieb die Albaner nach vorn. Ein Fernschuss von Asllani (77.) sprang noch auf dem Feld heraus; doch die Spanier ließen sich von nichts mehr beirren. Und im Zweifelsfall war Raya da: Mit einer akrobatischen Parade in der Nachspielzeit rettete er gegen Broja – und verdiente sich den Preis als bester Spieler der Partie.

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