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Fußball-EM:So stehen die deutschen Chancen auf die EM 2024

Deutschland und die Türkei streiten sich um die Ausrichtung der Europameisterschaft. Wie läuft die Vergabe heute ab? Und wer ist Favorit? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

An diesem Donnerstag vergibt das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) die EM 2024. Beworben haben sich Deutschland und die Türkei. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) steht viel auf dem Spiel: Geht das Turnier in die Türkei, muss sich der DFB auf den nächsten Sturm gefasst machen.

Wie stehen die Chancen für Deutschland?

Eigentlich gut. Der Uefa-Evaluierungsbericht hatte dem DFB das bessere Zeugnis ausgestellt. Auch die Zusammensetzung des Exekutivkomitees mit vielen Wahlmännern (und einer Frau) aus Westeuropa spricht eher für den DFB. Doch niemand kann den bislang schweigsamen Funktionären in den Kopf gucken. Bis zur letzten Sekunde versucht der DFB deshalb, Überzeugungsarbeit zu leisten. Das mahnende Beispiel: Die WM 2022 ging auch nach Katar, obwohl das Wüstenemirat beim Weltverband Fifa mit der schlechtesten Bewertung angetreten war.

Wie sieht das Wahlverfahren aus?

Die Entscheidung treffen 17 Funktionäre aus 15 Ländern in einer geheimen Wahl in Nyon in der Schweiz, wo die Uefa ihren Sitz hat. Der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt. Im Falle der Stimmgleichheit ist das Votum von Uefa-Präsident Aleksander Čeferin ausschlaggebend. Der Slowene könnte dann auch losen. DFB-Präsident Reinhard Grindel und sein türkischer Amtskollege Servet Yardımcı sind nicht wahlberechtigt.

Was spricht für die Türkei?

Der türkische Verband setzt viel auf die Fußballbegeisterung in dem Land, das zwei Kontinente verbindet. Und auf das Thema Geld. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan verspricht der Uefa Steuerfreiheit und mietfreie Stadien. Geschenke, die die Bundesregierung verweigert hat. Čeferin hatte im ZDF bekräftigt, wie enorm wichtig hohe Gewinne für den Dachverband seien. Allerdings ist offen, ob die Türkei angesichts der nationalen Wirtschafts- und Finanzkrise alle Versprechen überhaupt halten könnte.

Wer sind die deutschen Protagonisten in Nyon?

Delegationsleiter ist Grindel, der in der Uefa sogar Vizepräsident ist. Das Gesicht der deutschen EM-Bewerbung ist der 2014er-Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm, der im Falle des Zuschlags zum Turnierdirektor aufsteigen würde. DFB-Bewerbungschef Markus Stenger arbeitete in den vergangenen Monaten mit einem recht kleinen Team hinter den Kulissen. Bei der finalen Präsentation dürfen die Bewerber ein maximal achtminütiges Imagevideo zeigen, ehe sie eine Viertelstunde lang Rede und Antwort stehen.

Wo würde in Deutschland gespielt werden?

Der DFB hatte bereits vor einem Jahr Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen und Frankfurt/Main ausgewählt. Der Verband rechnet damit, dass insgesamt 2,78 Millionen Zuschauer zu den 51 Spielen in den Stadien kommen könnten (290 000 mehr als die Türkei kalkuliert). Dazu kommen die großen Fanmeilen.

Ist dieses Mal alles sauber abgelaufen?

Die Erinnerungen an den Sommermärchen-Skandal sind noch frisch, zumal die Affäre weiterhin die Ermittler beschäftigt. Der DFB legte deshalb viel Wert auf Transparenz und stimmte vieles beispielsweise mit Transparency International ab. Sich nicht (abwertend) über den Konkurrenten zu äußern, klappte nicht immer - bei der Türkei aber auch nicht. Zudem hofft der Verband darauf, dass das Uefa-Exekutivkomitee anders ist als das der Fifa im Jahr 2010, welches für Katar verantwortlich war. Das damalige Weltverbands-Gremium mit Franz Beckenbauer als Mitglied gilt als Keimzelle der großen Skandale.

Was passiert, wenn das Turnier in die Türkei vergeben wird?

Dann würde das von Grindel ausgerufene "Leuchtturmprojekt" in sich zusammenkrachen. Die Kritik am DFB und seinem Präsidenten würde wieder lauter werden, ebenso Rücktrittsforderungen in Richtung Grindel. Grindel ist noch bis 2019 gewählt - dafür, dass er bei einem Scheitern persönliche Konsequenzen ziehen würde, gibt es bislang keine Anzeichen.

© SZ.de/sid/lwo/ebc/sks
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