Slowenien gegen Serbien:Zum Fürchten? Wohl kaum

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Luka Jovic hat Serbiens Chancen auf eine erstmalige Teilnahme an einer K.-o.-Runde beim Kontinentalturnier gerade noch gerettet. (Foto: Matthias Schrader/AP)

Serbien erlebt mit einigen illustren Namen gegen Slowenien das Unglück des Fußballs – bis beim 1:1 ein früherer Bundesligaprofi die Rettung bringt. Dabei ergeben sich auch Fingerzeige für die DFB-Elf.

Von Jonas Beckenkamp, München

Mit München verbindet Serbiens Nationaltrainer Dragan Stojkovic eine Geschichte aus seiner Zeit als Profi. Anfang der Neunzigerjahre war der damals herausragende Stratege Jugoslawiens zu Olympique Marseille hinübergedribbelt. Und was für eine Elf da 1993 im Champions-League-Finale im Münchner Olympiastadion auflief: Rudi Völler, Didier Deschamps, Fabien Barthez, ein 1:0 gegen Milan – nur leider ohne Stojkovic. Verletzungen bremsten ihn, den größten Triumph seiner Karriere nahm er trotzdem mit.

Falls sich also jemand fragt, warum bei den Serben in diesen EM-Wochen eine der größten Bekanntheiten der Trainer ist, bitteschön: Stojkovic, einst Fußballer des Jahres in seiner Heimat, hat mit heute 59 alles erlebt – nun sogar die Rückkehr in den Münchner Norden im zweiten Gruppenspiel gegen Slowenien. Dort fügte er seiner Weltenbummelei im Getöse der Arena eine weitere Episode hinzu: Ein 1:1 (0:0) durch Tore des Slowenen Zan Karnicnik und den späten Ausgleich von Luka Jovic, das Serbiens Chancen auf eine erstmalige Teilnahme an einer K.-o.-Runde beim Kontinentalturnier gerade noch rettete.

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Dabei hatten die Serben in diesem Duell die bekannteren Namen ins Rennen geschickt. Die Offensive um Dusan Tadic und Dusan Vlahovic sowie Aleksandar Mitrovic verkörpert gehobenes Niveau. Letztgenannter ist gar einer der wenigen Profis, der sich nach seinem Wechsel aus England nach Saudi-Arabien sportlich weiterentwickelte, anstatt nur Millionen zu scheffeln. All das beeindruckte die Slowenen nicht, sie begannen mit schneidigen Läufen durch die Mitte, die beste Chance vergab in der 7. Minute Außenflitzer Jan Mlakar, dessen Durchbruch der serbische Keeper Predrag Rajkovic gerade noch stoppte.

Erst in der letzten Minute der Nachspielzeit kam noch Gerechtigkeit zustande

Slowenien drückte, während draußen an der Linie einer warnend die Hände hob: Serbiens Trainer Stojkovic, der wohl am liebsten selbst auf dem Feld für Antrieb gesorgt hätte, bei seinen trägen Jungs in Rot. Wer in dieser Vorrundengruppe neben Favorit England weiterkommt und möglicherweise im Achtelfinale die DFB-Elf fordert, ließ sich aus dieser ersten Halbzeit kaum ablesen. Fest stand nur: Zum Fürchten sind beide Anwärter eher nicht.

Den Serben fehlten Dynamik und Präzision, Slowenien die Qualität im Abschluss – siehe Leipzig-Stürmer Benjamin Sesko, der seinen Moment bekam. In der 37. Minute war sein Kollege Timi Max Elsnik erneut mitten durchs offene serbische Scheunentor gerannt und hatte den Ball an den Pfosten gesetzt. Und Seskos Nachschuss: ein Fall fürs fangbereite Publikum in der ersten Reihe. Die Serben steigerten sich jedenfalls, das Spiel gewann an Qualität, vor allem aber steigerte sich die Anzahl an geblockten Schüssen der Stojkovic-Elf. Es flutschte einfach keiner durch.

Die Serben verzweifelten langsam, denn auch drei weitere Versuche von Mitrovic führten nach der Pause nicht zum Ziel. Immer war irgendetwas, weshalb Trainer Stojkovic – mittlerweile ohne Sakko und melancholisch dreinblickend – mehr Hemdsärmeligkeit anordnete. Die beste Chance hatten aber erneut die Slowenen, als Sesko nach einem Konter per Fernschuss Rajkovic zur Parade zwang (58. Minute). Fast folgerichtig, wie es so schön heißt, fiel das 1:0 durch den slowenischen Außenverteidiger Karnicnik. Er hatte den Ball tief hinten erobert, rannte übers halbe Spielfeld, passte zu Elsnik und verwertete dessen Hereingabe per Stechschritt (69.). Dass Mitrovic fast im Gegenzug den Ball an die Latte donnerte, passte zu diesem Tag des serbischen Unglücks.

Es dauerte bis zur letzten Minute der Nachspielzeit, ehe doch noch Gerechtigkeit zustande kam: Der eingewechselte Jovic drückte den Ball nach einer Ecke per Kopf zum 1:1 ins Tor – der Rest war serbische Erleichterung.

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