Stürmerduell bei Slowenien vs. SerbienAlte Welt, neue Welt

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Der Slowene Benjamin Sesko ist neben Keeper Jan Oblak der bekannteste Spieler seines Landes.
Der Slowene Benjamin Sesko ist neben Keeper Jan Oblak der bekannteste Spieler seines Landes. Clive Mason/Getty

Den serbischen Angreifer Aleksandar Mitrovic und seinen slowenischen Kollegen Benjamin Sesko verbindet ihre Art, Fußball zu spielen – auch wenn ihre Wege nicht unterschiedlicher hätten verlaufen können.

Von Felix Haselsteiner, Berlin/München

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Ein Versprechen war Aleksandar Mitrovic einst, aber eben eines, von dem nur ein paar Insider wussten. Als der RSC Anderlecht 2013 einen 19-jährigen, groß gewachsenen Stürmer von Partizan Belgrad verpflichtete, war das kein Transfer, über den die Weltpresse berichtete. Junge Talente konnten damals noch von Ausbildungsverein zu Ausbildungsverein wechseln, ohne dass sogenannte Transfergurus auf Twitter-Accounts und in Live-Schalten darüber spekulierten, wer die nächste große Sensation ist. Der Stürmer Mitrovic kommt aus einer Zeit, in der dem Fußball noch eine angenehme Leistungskultur anhaftete. In der man sich erst einmal beweisen musste, bevor man Aufmerksamkeit bekam.

Was er dann auch tat.

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Von Anderlecht aus wechselte er in die Mittelklasse der Premier League, wo er erst bei Newcastle United spielte und sich nicht zu schade war, mit dem FC Fulham auch ein Jahr in die Zweitklassigkeit abzurutschen: Mitrovic traf im Unterhaus besser denn je und setzte seine Serie in der Premier League fort, bis im vergangenen Jahr Saudi-Arabien rief. Bei Meister Al-Hilal spielt der inzwischen 29-Jährige seitdem, er schoss in der vergangenen Saison 28 Tore, und wer dachte, dass das Saudi-Publikum einfach nur dem teuersten Einkauf die meiste Liebe entgegenbringen würde, der missverstand die Leistungskultur, die auch dort herrscht: Mitrovic ist neben Cristiano Ronaldo der Spieler mit den größten Sympathiewerten in der neureichen Liga.

Beliebter ist er nur in der Heimat, als Rekordtorschütze Serbiens, dem sie bei Partizan sogar in der Basketballarena Lieder widmen: Zehntausend Menschen sangen dort vor zwei Jahren den Hit „Mitro’s on fire“, das Video verbreitete sich rasch im Internet. Dass Mitro zündet, ist auch die Hoffnung, die in Serbien vor dem zweiten Gruppen-Spiel der EM gegen Slowenien vorherrscht. Mitrovic wird dort einem seiner Nachfahren gegenüberstehen, der von einer ganz anderen Welt erzählen kann.

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Stürmer wie Mitrovic und Sesko sind nun wieder en vogue in Europas Fußball

Es ist ein Duell zweier ähnlicher Fußballspieler, das am Donnerstag (15 Uhr) in München stattfindet: Mitrovic wird dann auf Benjamin Sesko treffen, der ihn um fünf Zentimeter überragt, aber sonst in vielen Dingen ein Ebenbild ist. Beide sind Vertreter einer klassischen Torjägerschule, die inzwischen wieder en vogue ist, nachdem sie einige Jahre lang als Relikt aus den 1980er-Jahren abgetan wurde. Nur haben beide in unterschiedlichen Zeiten ihre Karrieren begonnen.

Seit seiner Jugend ist auch Benjamin Sesko ein Versprechen. Aus einer Kleinstadt in der Nähe von Ljubljana holte die Jugendakademie von RB Salzburg 2019 einen 16-Jährigen, groß gewachsenen Stürmer, und es dauerte nicht lange, bis ihn die Transfergurus und Twitter-Experten auf dem Zettel hatten: Sesko haftete beim Ausbildungsklub umgehend der Stempel als Nachfolger von Erling Haaland an; er war der nächste Salzburger in einer Reihe von Talenten, die den Sprung in die absolute Weltelite schaffen würden, hieß es. Wäre da nicht auch noch die Frage, ob die Wahrheit im Fußball nicht doch auf dem Platz und nicht in den Schreibblöcken der Scouts liegt.

Fünf Jahre später, mit 21, ist Sesko weiterhin ein Mann für das Morgen, ein Stürmer, der bald noch viel berühmter sein könnte. Seine erste Saison bei RB Leipzig – dem logischen, zweiten Schritt aus Salzburg heraus – war eine Spielzeit mit Schwankungen und zu wenig Konstanz. Aber eben auch eine, die von der modernen Fußballwelt begleitet wurde, in der harte Leistungsdaten manchmal weniger zählen als die Wetten auf die Zukunft. Ein vernünftiges Jahr Bundesligafußball reichte aus, schon hätte Sesko dem Vernehmen nach in halb Europa hochklassig Fußball spielen können: Mehrere Vereine aus der Premier League wären wohl bereit gewesen, die kolportierte Ausstiegsklausel von 65 Millionen Euro zu bezahlen, in Italien berichtete die Gazzetta dello Sport, der AC Milan bemühe sich täglich um ihn.

Sesko hat sich inzwischen zu einer Vertragsverlängerung in Leipzig entschlossen, zu deutlich verbesserten Bezügen offenbar, um erst einmal Ruhe zu schaffen für das Projekt Europameisterschaft – wo ihn mit Mitrovic verbindet, dass die Slowenen auf ihren talentierten Stürmer hoffen. Elf Tore in 30 Länderspielen hat Sesko erzielt, das ist ein Anfang. Für Gesänge in der Basketballarena reicht es allerdings bisher nicht.

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