Polen und Russland scheiden aus Zwei Teams, die sich zu sicher fühlten

Nur wenige Minuten reichen, um zwei Gruppenfavoriten aus dem EM-Turnier zu befördern: Co-Gastgeber Polen und die starken Russen scheiden überraschend aus - obwohl jeder diese beiden Mannschaften schon im Viertelfinale gewähnt hat. Dem DFB-Team muss dies eine letzte Warnung sein.

Von Carsten Eberts

Vor wenigen Tagen war Przemyslaw Tyton noch zum neuen Fußballhelden des Landes auserkoren worden, jetzt legte er sich einfach nieder. Der polnische Keeper weilte auf dem Rücken, die Beine weit von sich gestreckt, die Hände vor den Augen. Wenige Meter vor ihm tanzten die Spieler aus Tschechien, ausgelassen und wild; 300 Kilometer nordöstlich in Warschau tanzten die Griechen, immer um ihren Torschützen Giorgos Karagounis herum.

Fußball-EM Aus für Gastgeber Polen - Griechenland ist weiter Video
EM 2012

Aus für Gastgeber Polen - Griechenland ist weiter

Verkehrte Welt bei der EM in Polen und der Ukraine. Tschechien und Griechenland sind im Viertelfinale, Mitfavorit Russland und Gastgeber Polen sind raus.

Die Griechen, die Tschechen. Nicht die Russen - und vor allem nicht die Polen. Am Samstagabend waren die beiden Favoriten der Gruppe A tatsächlich ausgeschieden. Tschechien und Griechenland ziehen ins Viertelfinale ein, damit hatte niemand gerechnet. Zuallerletzt die Polen und die Russen.

Für die Polen ist es besonders bitter, es ist schließlich ihre Heim-EM, die sie fortan als Zuschauer betrachten müssen. "Insgesamt gab es ein paar wundervolle Momente", sagte Mittelfeldspieler Jakub Blaszczykowski, "am Ende werden sich aber alle mehr an das Negative erinnern." Regierungschef Donald Tusk hatte vor dem Spiel noch auf einen 2:0-Sieg getippt - und von einem Viertelfinale gegen Deutschland geträumt: dem "Match des Jahrhunderts".

Dieses Match wird es nun nicht geben. Am Tag nach dem Ausscheiden ist gar die Freude über die Heim-EM dahin. "Ende des Traums", titelt das polnische Sportportal sport.pl am Sonntag. Fakt entgegnete: "Letzter in der Gruppe des Lachens. Der so leicht vergebenen Chance werden wir noch viele Jahre nachtrauern."

Nationaltrainer Franciszek Smuda war sogar so geschockt, dass er sofort nach dem Spiel das Ende seiner Amtszeit verkündete. "Das ist zu einhundert Prozent das Ende meines Weges. Danke, Jungs", sagte der langjährige Nationalspieler dem polnischen Fernsehsender TVP: "Ich muss nicht zurücktreten, denn mein Vertrag lief ohnehin mit dem Ende der EM aus."

Von ähnlicher Fassungslosigkeit war die Gemütslage bei den Russen geprägt. Was hatten sie doch für eine formidable Ausgangslage: vier Punkte aus zwei Spielen, drei sehr überzeugende Halbzeiten in den Spielen gegen Tschechien und Polen, dazu das Gruppenfinale gegen die fußballerisch hochgradig unterlegenen Griechen. Ein Punkt hätte schon gereicht - was sollte da schief gehen?

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