Deutschlands EM-Gruppengegner SchwedenTurniermannschaft ohne Titel

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Tor für Schweden: Kosovare Asllani, links, bejubelt mit Teamkollegin Johanna Kaneryd einen Treffer gegen Polen.
Tor für Schweden: Kosovare Asllani, links, bejubelt mit Teamkollegin Johanna Kaneryd einen Treffer gegen Polen. Alessandra Tarantino/AP/dpa
  • Die schwedische Frauenfußballmannschaft ist bei großen Turnieren seit der WM 2015 regelmäßig unter den besten vier Teams, hat aber noch keinen Titel gewonnen.
  • Schwedens Spielstil unter Trainer Peter Gerhardsson ist pragmatisch und auf Standards ausgerichtet, was besonders bei Eckbällen zum Erfolg führt.
  • Im letzten EM-Gruppenspiel trifft Schweden auf Deutschland, wobei die Schwedinnen die deutsche Mannschaft als "Angstgegner" betrachten.
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Schweden schafft es bei großen Turnieren seit 2015 stets unter die besten Vier. Das Team ist erfahren, pragmatisch, geduldig, schnörkellos – und hat trotzdem Angst vor Deutschland.

Von Felix Haselsteiner, Zürich

Ihr Leben lang musste sich die Fußballerin Kosovare Asllani mit Zlatan Ibrahimovic vergleichen lassen, obwohl sie das nie wollte – vielleicht ist damit jetzt endlich Schluss. In eine andere Sphäre als Schwedens berühmtester Kicker ist die 35-Jährige dieser Tage bei der EM aufgerückt, als sie ihr 200. Länderspiel für Schweden bestritt, da kann bei den Männern nur noch ein gewisser Cristiano Ronaldo mithalten. Asllani bekam dafür alle möglichen Ehrungen in der Heimat und wurde vom schwedischen Fanblock in der Schweiz gefeiert, für ihren persönlichen Rekord und für die zwei Siege gegen Dänemark und Polen. Spiele gewinnen allerdings, das ist für Kapitänin Asllani und ihre Schwedinnen nicht mehr genug.

Die vermutlich verlässlichste Turniermannschaft in der jüngeren Geschichte des Frauenfußballs ist am Samstagabend der finale Gruppengegner der deutschen Elf, im Duell um Platz eins in Zürich. Seit der WM 2015 waren die Schwedinnen bei jedem Großereignis unter den besten vier Teams, ohne jemals den attraktivsten Fußball zu spielen – und ohne irgendeinen Titel zu gewinnen.

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Das Manko der Titellosigkeit, es hängt über all den großen Karrieren, die sich im Kader dieser EM vereinigen. Asllani ist eine der vielen Spielerinnen, die diese Bilanz zwischen vielen Erfolgen und knappen Niederlagen teilen. Sie erzählt ihre persönliche Geschichte als Tochter einer kosovarischen Einwandererfamilie, die heute eine der bekanntesten Schwedinnen ist. Aber auch Spielerinnen wie die Torjägerin Stina Blackstenius, 29, vom FC Arsenal, die vor einigen Wochen das Siegtor im Champions-League-Finale schoss, oder Fridolina Rolfö, 31, die nur Verletzungen an einer noch größeren Karriere hinderten, sind Charaktere, die für dasselbe Profil stehen.

Alt sind die Schwedinnen, aber im besten Sinne, im Sinne von erfahren, abgezockt. Eine Turniermannschaft zeichnet sich auch dadurch aus, bei einem 3:0 gegen Polen drei schnörkellose Kopfballtore zu erzielen.

Die Deutschen fürchten sie als „Angstgegner“

Angeleitet wird dieser Fußball seit einer knappen Dekade von einem der eloquentesten Pragmatiker im Geschäft. Peter Gerhardsson ist noch bis zum Ende des Turniers Trainer der Schwedinnen, bis dahin hat man also noch Zeit, ihm auf Pressekonferenzen grundsätzliche Fragen zu stellen. Vor zwei Jahren, bei der Frauen-WM, nahm er sich vor dem Halbfinale Zeit, um über die Thesen des deutschen Soziologen Hartmut Rosa zum menschlichen Zusammenleben zu diskutieren, dessen Buch „Resonanz“ er damals las. Gerhardsson kann schon mal im Vortragsmodus über seine Tagebuchführung referieren, darüber berichten, dass er auch mit 65 vor Spielen stets mit seiner Mutter telefoniert, oder einem die Philosophie von Johan Cruyff erklären, seinem großen Vorbild. Auch wenn der Niederländer nie eine so innige Liebe zu Standards entwickelte wie die Schwedinnen unter Gerhardsson.

Bis zur 77. Minute ihres zweiten Gruppenspiels dauerte es diesmal, bis die Schwedinnen eines ihrer berühmten Eckballtore erzielten, fast schon sensationell spät war das. Vor zwei Jahren noch, bei der WM, gelang ihnen mal das Kunststück, bei einem 5:0 gegen Italien drei Tore nach Ecken zu erzielen, damals wurde die Innenverteidigerin Amanda Ilestedt auf diesem Wege fast zur Torschützenkönigin. Die Taktik hat sich seitdem nicht verändert und ist weiterhin Erfolg versprechend: Die Schwedinnen haben nicht nur stets eine geplante Variante parat, etwa die Überfrachtung des ersten Pfostens mit vielen Spielerinnen, die inzwischen viele Teams kopieren. Sondern sie sind bewusst darauf ausgerichtet, im Strafraum Verwirrung zu stiften und notfalls auf den zweiten Ball zu gehen. Asllani beschrieb das einmal mit einem schwedischen Sprichwort: Man sei sich eben nicht zu schade dafür, „die Frucht aufzuheben, wenn sie schon am Boden liegt“.

So also klingt die schwedische Fußballphilosophie eines Teams, das zu einem echten Härtetest werden dürfte für die deutsche Elf. Auch wenn die selbst den erfahrenen Schwedinnen Respekt einflößt: Die Deutschen, so ehrlich war Innenverteidigerin Magdalena Eriksson bei der Erinnerung an die vielen Niederlagen der vergangenen Jahre, seien so etwas wie ein „Angstgegner“.

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