Glanzloser Auftritt:England enttäuscht erneut – und ist Gruppensieger

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Auweia: Harry Kane, Jude Bellingham und Marc Guehi (von links) kommen gegen Slowenien in einer schwachen Partie nicht über ein 0:0 hinaus. Immerhin zieht England als Gruppenerster ins Achtelfinale ein. (Foto: Marius Becker/dpa)

Mit einem unansehnlichen 0:0 zieht die Mannschaft von Gareth Southgate ins EM-Achtelfinale ein. Slowenien hält dagegen und freut sich über das Weiterkommen als Gruppendritter.

Von Sven Haist, Köln

Auf der ewigen Suche nach einem Strategen für den schon vor zwei Jahrzehnten aus der englischen Nationalmannschaft zurückgetretenen Paul Scholes kann man dem Trainer Gareth Southgate immerhin den Vorwurf ersparen, nicht alle Varianten auszuprobieren. Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold in den ersten zwei EM-Spielen zum Taktgeber zu machen, setzte Southgate im dritten Match gegen Slowenien erstmals in einem Turnier auf Conor Gallagher in der Startelf. Allerdings brachte auch diese Variante nicht den dringend nötigen Schwung und Rhythmus im Angriffsspiel. Nach der ersten Halbzeit wechselte Southgate Gallagher schon wieder aus, brachte dafür Kobbie Mainoo von Manchester United – und unter der Regie des 18-Jährigen wurde das Spiel der Engländer tatsächlich zumindest ein wenig ansehnlicher.

In seinem ersten Turniermatch für England überzeugte Mainoo, der sein Länderspieldebüt im März absolvierte, mit Spielverständnis und Dynamik. Er war mitverantwortlich dafür, dass sich das blasse Angriffsspiel auf der rechten Seite etwas steigerte – das erhoffte Siegtor für England blieb freilich aus. Das wenig aufregende Spiel hätte wohl auch keinen Treffer verdient gehabt, es endete mit dem Ergebnis, auf das die Slowenen hingearbeitet hatten, weil es das eigene Weiterkommen garantierte. England kann mit dem Remis ebenfalls leben: Es sichert den Gruppensieg, wodurch die Three Lions den Topfavoriten auf den Titel – Deutschland, Frankreich, Portugal und Spanien – bis zum möglichen Finale erst mal aus dem Weg gehen. Eine vergleichbar geschickte Auslosung hatten das Mutterland des Fußballs schon bei der EM 2021, als es ebenfalls in das vermeintlich leichtere Tableau geriet. Diesmal wartet im Achtelfinale ein Gruppendritter.

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Dem Spiel der englischen Mannschaft ist die enorme Kritik im eigenen Land anzumerken

Mit dieser Aussicht gingen die Engländer in die Partie, und die Anfangsphase wirkte, als würde die Southgate-Elf Platz eins absichern wollen. England gewann schnell die Kontrolle über die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz. Dabei gelang es allerdings erneut nur sporadisch, sich Torchancen zu erspielen. Der Mannschaft war die enorme Kritik im eigenen Land und der Unmut der Fans ob der Leistungen anzumerken. Im Spielaufbau agierten die Engländer nervös und hektisch, immer wieder unterliefen selbst den erfahrenen Spielern ungewohnte Abspiel- und Annahmefehler. Die Akteure waren vorwiegend auf Sicherheit bedacht.

Nur selten entstand der Eindruck von Leichtigkeit wie bei den beiden besten Chancen der Engländer. In der 20. Minute leitete ein herrlicher Doppelpass den vermeintlichen Führungstreffer durch Bukayo Saka ein – allerdings stand Vorlagengeber Phil Foden knapp im Abseits. Und die Halbfeldflanke von Kieran Trippier verpasste Kapitän Harry Kane um eine Nuance. Das Remis stärkte das Zutrauen der Slowenen, die für das Achtelfinale ein Unentschieden benötigten. Der Außenseiter agierte aus der Defensive heraus und lauerte auf Konter.

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Im Gegensatz zu den Spielen gegen Serbien und Dänemark brach England diesmal zumindest nicht ein. Dies war auch Gallagher, der in der Offensive kaum anspielbar war und seinen ersten Ballkontakt erst in der achten Minute hatte, zugutezuhalten. Nach Ballverlusten setzte er zusammen mit den Kollegen entschlossen nach, wodurch der Druck auf die gegnerische Abwehr konstant hoch blieb.

Nach der Pause konnte sich Slowenien weiterhin kaum aus der eigenen Hälfte befreien. Die Engländer steigerten das Tempo, nach der Hereinnahme des Flügelstürmers Cole Palmer entwickelte sich eine Drangphase, in der Declan Rice nach 75 Minuten aus spitzem Winkel vorbeischoss. Zuvor hatte sich nach einem Eckball eine Dreifachchance ergeben, bei der Sloweniens Stürmer Benjamin Sesko zweimal kurz vor der Torlinie klären musste. Er rettete damit seinem Land den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale.

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