Deutschland schlägt Spanien:Gierig zum Gruppensieg

Lesezeit: 3 min

Deutschland schlägt Spanien: Alexandra Popp feiert ihr Tor zum 2:0.

Alexandra Popp feiert ihr Tor zum 2:0.

(Foto: Lisi Niesner/Reuters)

Zweites Spiel, zweites Erfolgserlebnis: Die DFB-Auswahl zeigt gegen die hoch eingeschätzten Spanierinnen erneut eine starke Leistung und sichert sich vorzeitig den ersten Platz in der Gruppe.

Von Anna Dreher, London

In der 71. Minute, das wäre ein guter Moment gewesen. Mariona Caldentey zog mit voller Wucht ab, der Ball musste doch jetzt endlich mal in dieses deutsche Tor reingehen! Aber Merle Frohms ließ sich nicht überlisten, die Torhüterin reagierte schnell, lenkte den Ball über die Latte - und brachte die Spanierinnen im zweiten Gruppenspiel dieser Europameisterschaft endgültig zum Verzweifeln. Die Deutschen hingegen bestätigten mit dem 2:0 (2:0) vor 16 037 Zuschauern in Brentford ihre bestechende Form. Als Gruppenerster trifft das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nun am 21. Juli erneut in Brentford auf den Gruppenzweiten der Gruppe A, also Norwegen oder Österreich, und geht so Gastgeber England aus dem Weg.

Dass sich die Aufstellung von jener des 4:0-Sieges gegen Dänemark unterscheiden würde, stand seit Montag fest. Zum Wochenstart war der Covid-19-Test von Stürmerin Lea Schüller positiv ausgefallen, die zum Auftakt mit ihrer Laufleistung als Antreiberin des starken deutschen Pressings und mit einem Tor auffiel. Voss-Tecklenburg entschied sich, stattdessen ihre mit 115 Einsätzen erfahrenste Spielerin von Beginn an zu bringen: Kapitänin Alexandra Popp, die nach einer langwierigen Knieverletzung und Corona eigentlich als Joker vorgesehen war. Ansonsten blieb sie bei der Abwehrkette aus Felicitas Rauch, Marina Hegering, Kathrin Hendrich und Giulia Gwinn, dem starken Mittelfeld aus Lina Magull, Sara Däbritz und Lena Oberdorf, sowie Klara Bühl und Svenja Huth neben Popp. In dieser Kombination hatten die Deutschen entschlossen verteidigt und mutig wie kreativ angegriffen - und gegen Spanien klappte das direkt wieder.

In der dritten Minute hatte Spaniens Torhüterin Sandra Paños den Ball von Leila Ouahabi zugepasst bekommen und wollte, ja, was wollte sie eigentlich? Jedenfalls spielte sie den Ball vom Fünfmeterraum heraus halbhoch geradewegs zu Klara Bühl. Die nahm das Geschenk um den Elfmeterpunkt dankend an, zog noch einen kurzen Haken nach links, bevor sie diagonal mit einem strammen flachen Schuss ins rechte Eck zum 1:0 abzog. Für die 21-Jährige vom FC Bayern war es das 13. Tor im 26. Länderspiel, für die DFB-Frauen der erste Adrenalinschub.

"Es war der perfekte Start für uns", sagte Popp zum frühen Tor: "Wir konnten uns dann voll auf die Defensive konzentrieren. Wir sind mega glücklich." Der zweite Sieg gibt dem Team nun viel Selbstvertrauen. "Unser schnelles Tor hat uns in die Karten gespielt", sagte Voss-Tecklenburg: "Sechs Punkte, zwei Siege - überragend."

Deutschland schlägt Spanien: Klara Bühl (hinten) erzielt das Tor zum 1:0 nach gut 150 Sekunden.

Klara Bühl (hinten) erzielt das Tor zum 1:0 nach gut 150 Sekunden.

(Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa)

Was dann aber verloren ging, war die Ordnung. Die Abstände zwischen den Reihen stimmten nicht, was den Spanierinnen Aufschwung verlieh. Über die für sie so typischen Kurzpässe fanden sie zu ihrem Ballbesitzspiel. In der zehnten Minute hatte Lucía García nach einem cleveren Zuspiel von Patri Guijarro durch die deutsche Defensive hindurch den Ausgleich auf dem Fuß, DFB-Keeperin Merle Frohms war herausgeeilt, hatte sich verschätzt und letztlich Glück, dass der Schuss ans rechte Außennetz ging.

Wenige Minuten später versuchte es die überhaupt herausragende Guijarro selbst, jedoch direkt in die Arme von Frohms. Die Spanierinnen waren überall, die Deutschen hechelten hinterher, bis es Voss-Tecklenburg zu viel wurde und sie ihr Team dazu mahnte, tiefer zu stehen, statt so hoch und aggressiv zu pressen, wie es gegen Dänemark das Erfolgsrezept gewesen war. Nach 20 Minuten betrug die Quote der abgeschlossenen Pässe aus deutscher Sicht 26:146, nach der ersten Halbzeit 110:291 - die Torquote dafür aber 2:0. "Wir waren vorbereitet, dass wir nicht so viel den Ball haben werden", sagte Popp später dazu.

Deutschland schlägt Spanien: Alexandra Popp bestätigt ihren Ruf als exzellente Kopfballspielerin mit dem Treffer zum 2:0.

Alexandra Popp bestätigt ihren Ruf als exzellente Kopfballspielerin mit dem Treffer zum 2:0.

(Foto: Dylan Martinez/Reuters)

Nachdem aus dem Spiel heraus die Präzision gefehlt hatte und die Deutschen am Ball von ihren Gegnerinnen permanent unter Druck gesetzt kaum zur Ruhe kamen, brachte ein Standard in der 37. Minute Erfolg. Felicitas Rauch - nach ihrer zweiten gelben Karte gesperrt gegen Finnland - trat eine Ecke so, dass sie genau bei Popp landete, die wie schon gegen Dänemark ihre Spezialität zeigen konnte: Kopfball, Tor, ihr 55. als Nationalspielerin, ihr zweites bei einer EM. Während quasi alle hinter der an die Seitenlinie rennende Popp herliefen und zu einem großen Knäuel wurden, diskutierten hinten Magull, Hegering und Oberdorf: Jetzt bloß nicht wieder die Ordnung verlieren! Aber die ging nicht verloren. Hegering hielt hinten den Laden überragend zusammen, Bühl arbeitete auf der linken Seite so engagiert hinten mit wie Gwinn rechts nach vorne.

Womöglich hätte Popp noch ein weiteres Tor geschossen. Als sie nach etwa einer Stunde mit dem Ball alleine Richtung spanisches Tor rannte, konnte sie nur auf höchst rotverdächtige Weise von Irene Paredes gestoppt werden. Schiedsrichterin Stéphanie Frappart schaute sich die Szene nicht einmal auf dem Bildschirm an. In der zweiten Halbzeit kam Lena Lattwein für Lina Magull, Sophia Kleinherne für Rauch, Tabea Waßmuth für Popp, Linda Dallmann für Däbritz und Jule Brand für Bühl. Doch wie bereits gegen Dänemark tat dies dem Spielfluss und der Abstimmung keinen Abbruch. Was die Spanierinnen auch versuchten - sie bekamen den Ball einfach nicht ins Tor.

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