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Fußball-EM:Das passiert, wenn ein türkischer Fan Fußball guckt - und das Bild abbricht

Die Türken lieben Fußball. Und sie lieben ihren Fernseher. Und am liebsten beides zusammen. Doch wenn die Technik nicht mitspielt, kann das dramatisch enden - für den Fernseher.

Die Liebe der Türken zum Fußball ist unermesslich. Bestes Beispiel: Sie haben den Auto-Corso erfunden. Oder doch zumindest als Standard für After-Spiel-Festlichkeiten weltweit etabliert. Der FC Bayern gewinnt die Champions League (oder wieder irgendeinen Meistertitel) und keiner fährt wild hupend und Fahnen schwingend die Münchner Leopoldstraße herunter? Undenkbar.

Die zweite große Liebe der Türken: der Fernseher. Wobei - es ist eine Hassliebe. Sehr schön demonstriert das der Film "Vizontele" aus dem Jahr 2001, der in der Türkei überraschend zum Kinohit wurde. Darin geht es um ein abgeschiedenes Dorf in Ostanatolien der 70er Jahre, das zum ersten Mal einen Fernseher geliefert bekommt. Die Dorfbewohner geraten völlig aus dem Häuschen - positiv wie negativ. Am Ende vergraben sie die Flimmerkiste lieber in der Erde.

Auch Izzet Salti hat ein gespaltenes Verhältnis zu seinem Fernseher. Einerseits braucht er ihn dringend, um die Partie Türkei gegen Kroatien zu sehen. Andererseits bricht das verfluchte Gerät immer genau dann die Verbindung ab, wenn die türkischen Stürmer auf das kroatische Tor zurennen.

Der Fernseher - in Schutt und Scherben

Was Salti nicht weiß: Seine Freundin hat das ganze inszeniert. Sie unterbricht die Verbindung des Fernsehers, sie filmt ihren Freund dabei. Der Streich ist alt und so oder so ähnlich sicher auch schon bei "Versteckte Kamera" in Deutschland gelaufen. Aber mit welcher Intensität sich Saltis Verzweiflung über das gestörte Bild entlädt, ist dann doch außergewöhnlich. Begleitet von Flüchen, die zum Geschlechtsverkehr mit Verwandten aufrufen, zertrümmert Salti seinen riesigen Flachbildfernseher. Auch das MacBook muss dran glauben.

Das Video von Saltis Zerstörungsorgie wurde innerhalb kürzester Zeit 500 000 Mal geklickt. Ebenso gibt es aber auch schon Stimmen, die die Vermutung äußern, dass alles inszeniert sei. Salti ist für ungewöhnliche Fan-Aktionen nämlich offenbar bekannt, wie die türkische Nachrichtenagentur DHA schreibt. Der fanatische Fenerbahçe-Anhänger verkaufte 2015 sein Auto, mit den 70 000 Lira (etwa 21 000 Euro) wettete er auf einen Sieg seines Vereins im Istanbuler Derby gegen Galatasaray. Es ging 1:1 aus. Andererseits: Wer für seinen Lieblingsverein Tausende Euro verprasst, der reagiert womöglich auch ein wenig emotionaler auf eine Bildstörung.

Wenn es sich so zutrug, wie auf den Bildern zu sehen, dann war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass Saltis Freundin ihm den Fernsehabend vermasselt hat. Am Ende verlor die Türkei nämlich gegen Kroatien. Das live ansehen zu müssen hätte Salti bestimmt mehr bekümmert als sein in Schutt und Scherben liegender Fernseher.