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Fußball - Dritte Liga:Hilfe vom Brillenträger des Jahres

Stephan Hain (Unterhaching, 9) zieht ab, mit Torschuss, 21.12.2019, Unterhaching (Deutschland), Fussball, 3. Liga, SpVgg; Fußball - Dritte Liga - Unterhaching - Stephan Hain

Nur in der Liga fehlt das Tor zum Comeback noch: Unterhachings lange verletzter Mittelstürmer Stephan Hain hat in der Vorbereitung wieder Selbstvertrauen gesammelt.

(Foto: Sven Leife/imago)

Ingolstadt freut sich über ein Offensivproblem, Stephan Hain trifft wieder für Unterhaching und Noel Niemann für die Löwen. Felix Magath will mit Würzburg aufsteigen, beim FC Bayern macht Oliver Batista-Meier Eindruck: Die Gewinner der Vorbereitung.

Von Stefan Galler, Johannes Kirchmeier, Christoph Leischwitz und Sebastian Leisgang

Nach 20 Partien in der dritten Liga könnte Jeff Saibene, der Trainer des FC Ingolstadt, eigentlich glücklich sein. Seine Mannschaft steht auf Platz zwei und hat die meisten Tore geschossen. Alleine der Zwei-Mann-Sturm Stefan Kutschke (acht Tore) und Dennis Eckert Ayensa (neun) traf 17 mal. Und doch hat Saibene nun ein Offensivproblem: "Eigentlich kann man den nicht draußen lassen", sagt er über den dritten Stürmer Caniggia Elva, der in den Tests im Trainingslager insgesamt fünf Tore erzielte. "Es waren zufällig Trainerkollegen bei den Testspielen da", sagt Saibene. "Die haben gesagt: Was ist das für eine Bombe? Das war unglaublich, was er gemacht hat." Vor der Winterpause war so ein Auftritt von dem Kanadier nicht unbedingt zu erwarten gewesen: Nach seinem Wechsel von den Würzburger Kickers war Elva im Sommer eher mittelmäßig gestartet beim FCI, was auch damit zu tun hatte, dass er in der Hinrunde nie so richtig fit wurde und immer wieder mit kleineren Verletzungen ausfiel. "Jetzt habe ich das Gefühl, dass sich langsam alles eingependelt hat. Cani hat seit Wochen kein Training mehr verpasst," sagt Saibene. Die Vorzüge des 23-Jährigen zeichneten sich so immer deutlicher ab: "Er ist extrem robust, schnell, beidfüßig, kopfballstark." Was das im Spitzenspiel gegen den zwei Punkte besseren Tabellenführer MSV Duisburg an diesem Samstag (14 Uhr) bedeuten könnte? "Wir haben jetzt wirklich einen gesunden Konkurrenzkampf und ich scheue mich auch nicht, egal wen draußen zu lassen", sagt Saibene. Für jedes Problem gibt es schließlich eine Lösung.

Die großen Emotionen trägt Stephan Hain nicht zur Schau. Weder hat er übertriebene Jubelgesten im Repertoire, wenn es gut läuft wie damals in der Regionalligasaison 2016/17, als er mit 32 Saisontreffern maßgeblich am Aufstieg der SpVgg Unterhaching in die dritte Liga beteiligt war. Andererseits nahm er auch seine schwere Verletzung (Syndesmose-Riss) im März 2019 zumindest äußerlich gelassen zur Kenntnis, arbeitete sich in monatelanger Rehabilitation wieder heran und scheint nun endgültig auf dem Weg zurück zu alter Stärke zu sein. Der 31 Jahre alte Mittelstürmer, der in der Liga noch auf sein Tor zum Comeback wartet, traf in der Vorbereitung gegen Heidenheim (1:2) und drehte das Spiel gegen Erzgebirge Aue (3:2) mit zwei Treffern in der Schlussphase im Alleingang. Diese Erfolgserlebnisse dürften ihm das für einen Angreifer so dringend nötige Selbstvertrauen zurückgegeben haben. Das hofft zumindest Claus Schromm: "Seine Treffer tun uns allen gut", sagt der Hachinger Trainer. Nicht zuletzt aber seien sie für Hain selbst essenziell gewesen: "Ein Stürmer definiert und bestätigt sich über Tore". Das gelte eben auch für Hain, der etwa beim 3:0-Erfolg Anfang November in Mannheim bereits vehement einen Treffer eingefordert hatte, weil er laut eigener Aussage "noch dran" gewesen sei. "Daran, wie er um dieses Tor gekämpft hat, konnte man sehen, wie wichtig es ihm ist", sagt Schromm. Nun habe der frühere Sechziger seine verletzungsbedingten Fitnessdefizite endgültig aufgeholt. Hains Reaktion auf den jüngsten Formanstieg habe niemanden im Klub überrascht, sagt der Trainer: "Er freut sich mehr nach innen."

Sechzig Kilo - selbst beim TSV 1860 München finden sie, dass das für einen Stammspieler zu wenig ist. Noel Niemann arbeitet daran, er wird robuster, bissiger. Darüber hinaus scheint der gerade erst 20 Jahre alt gewordene Angreifer ein sehr schneller Lerner zu sein. Der Münchner ist zwar schon seit zweieinhalb Jahren Fußballer beim TSV 1860 München, doch fast ein Jahr davon war er damit beschäftigt, einen Kreuzbandriss auszukurieren. Unter Daniel Bierofka saß das sprintstarke Leichtgewicht danach nur auf der Bank, und oft nicht einmal das. In der Bayernliga schoss er dann ein paar Tore für die U21. Der neue Trainer Michael Köllner gab ihm recht schnell eine Chance - und bei seinem zweiten Startelfeinsatz (gegen Preußen Münster, 1:0) bereitete Niemann das Siegtor vor. Wer lange verletzt war und endlich keinen Trainingsrückstand mehr hat, der blüht in einer unbeschwerten Phase wie der gerade beendeten Winterpause oft noch mehr auf. So war das auch bei Niemann. Im von Investor Hasan Ismaik finanzierten Trainingslager in Spanien zeigte er sich treffsicher, beim 5:1 gegen eine spanische Auswahl traf er gleich dreimal. Niemann ist auf dem Weg zum Stammspieler. Sollte er dazu beitragen, dass die Punkteserie von Trainer Köllner auch gegen Aufstiegskandidat Eintracht Braunschweig am Sonntag (13 Uhr) Bestand hat, sowieso.

Als sich Felix Magath Anfang der Woche vorstellte und bei einer Pressekonferenz erklärte, welche Aufgaben er bei einem der Hauptsponsoren der Würzburger Kickers übernehmen werde, da sagte er: "Wenn man über mich berichtet hat und über das, was ich getan habe, hat man eins nicht so ganz auf dem Schirm gehabt: dass ich einige Erfolge vorweisen kann." Um ihm also gerecht zu werden: Magath, 66, hat nicht nur als Spieler und als Trainer jeweils dreimal die deutsche Meisterschaft gewonnen, er darf sich nicht nur Europameister und Pokalsieger der Landesmeister nennen - er ist einst auch als Brillenträger des Jahres ausgezeichnet worden. Und: Magath ist vermutlich nur deshalb nicht Krawattenbinder, Pfefferminzteetrinker oder Freizeitschafkopfspieler des Jahres geworden, weil sich bislang noch keine Organisation gefunden hat, die diese Titel vergibt. In Würzburg soll Magath nun mithelfen, den Erfolg zurückzubringen und die Kickers wieder in die zweite Bundesliga zu hieven. In welchem Zeitrahmen? Da wollte sich Magath nicht zu forsch äußern. "Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Ich kann nicht sagen, wie schnell etwas entwickelt werden kann", sagte Magath, Außenseiter bei der Wahl zum Sterndeuters des Jahres.

Neuerdings schreiben sie beim FC Bayern München II Oliver Batista-Meier mit einem Bindestrich, das sprang schon einmal ins Auge. Beim letzten Test vor dem Auswärtsspiel in Uerdingen am Sonntag (14 Uhr) war der 18-Jährige der Auffälligste: Gegen Türkgücü, bei der Premiere dieses Klubs im Grünwalder Stadion (3:1 für Bayern), erzielte er ein Tor und holte einen Elfmeter heraus. Die anderen Tests verpasste er zwar, dafür machte er in Katar beim Trainingslager der Profis einen durchaus guten Eindruck. Nach einer komplizierten Verletzung Ende 2018 spielt sich der Angreifer wieder an seine herausragende Form heran. Wer der wahre Gewinner der Vorbereitung ist, wird sich aber erst zeigen: Gut möglich, dass es im Nachhinein betrachtet Jann-Fiete Arp ist, der nach zwei Verletzungen zurückkehrt. Oder der Zugang dieser Woche, Junioren-Nationalspieler und Träger der Fritz-Walter Medaille in Gold für den bedeutendsten U19-Spieler: Nicolas Kühn. Zumindest scheint bei Letzteren der Startelf-Einsatz fast sicherer als bei Batista-Meier. Und: Die Bayern wollen für das Drittliga-Team weitere Spieler verpflichten - wie zu hören ist solche, die viel Potenzial mitbringen würden.

© SZ vom 25.01.2020
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