Fußball: DFB-Pokal Immer diese Gesetze!

Bundesliga-Spitzenreiter HSV verliert bei Drittligist Osnabrück, Hertha BSC scheitert in München, Leverkusen floppt in Kaiserslautern - so ist der DFB-Pokal?

Ein Kommentar von Jürgen Schmieder

Es gibt ein paar Sätze, die einfach so in ein Gespräch eingeflochten werden dürfen, ohne Erklärung. "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze" ist so ein Satz. Jeder ist nun informiert: Aha, ein Bundesligist hat mal wieder gegen einen Verein der zweiten oder dritten oder fünften Liga verloren und ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Jede weitere Begründung für die Niederlage ist überflüssig. Die Gesetze sind schuld.

Es sind manchmal schon komische eigene Gesetze, die dieser DFB-Pokal da hat - und viele davon konnte man in dieser zweiten Runde bestaunen. Da gab es etwa die Drittliga-Spieler des VfL Osnabrück, die zunächst 2:0 gegen den Hamburger SV führten und plötzlich 2:3 zurücklagen. Dann plötzlich griff wieder eines dieser eigenen Gesetze, Osnabrück erzielte den Ausgleich und gewann im Elfmeterschießen.

Ähnlich erging es 1860 München beim Spiel gegen Hertha BSC Berlin. 2:0 führten die Münchner, plötzlich stand es 2:2, das Spiel drohte zu kippen. Doch dann vereinte sich ein DFB-Pokal-Gesetz mit einer Regel, die für den gesamten Fußball gilt. Es ist die Regel des Anti-Laufs, nach der eine Mannschaft, die vier Spiele in Folge verloren hat, nun nicht einfach durch Zufall ein Spiel gewinnen darf. Also vergaben die Berliner in der Verlängerung zahlreiche Gelegenheiten und scheiterten bei den Elfmetern. Schuld an der Niederlage waren freilich die eigenen Gesetze des Pokals und nicht die Tatsache, dass die Berliner 75 Minuten lang keinen vernünftigen Angriff inszenieren konnten.

Es gab zahlreiche Überraschungen in dieser zweiten Runde des DFB-Pokals. Eintracht Trier etwa gewann gegen eine lasch auftretende Mannschaft von Arminia Bielefeld, der MSV Duisburg warf Borussia Mönchengladbach aus dem Wettbewerb, Kaiserslautern besiegte Bayer Leverkusen. Immer wieder war er zu hören, dieser Satz vom Pokal und von den eigenen Gesetzen.

Dass sich eine Mannschaft gegen diesen Anti-Lauf - von dem ohnehin niemand so genau weiß, ob sich ein Verein ihn nun einfängt wie eine Erkältung oder ob er einfach nur so mal vorbeischaut - und auch gegen die eigenen Gesetze des DFB-Pokals wehren kann, bewiesen die Spieler des VfB Stuttgart. 0:1 lagen sie beim Viertligisten VfB Lübeck zurück, es sah so aus, als würde aus der Erkältung eine handfeste Grippe werden. Dann wechselte Trainer Markus Babbel mit Julian Schieber und Sami Khedira die Torschützen zum 1:1 und 2:1 ein.

Vielleicht hat dieser DFB-Pokal gar keine eigenen Gesetze - oder vielleicht sind diese eigenen Gesetze nur eine Fortführung dessen, was auch in der Bundesliga und in jedem anderen Wettbewerb gilt: Wer schlecht spielt, darf sich nicht wundern, wenn er verliert - egal, in welcher Liga der Gegner spielt.