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Fußball:"Das sind Fragen, die jetzt die Staatsanwaltschaft klären muss"

DFB Bundestag - Day 1

Unter Parteifreunden: DFB-Präsident Reinhard Grindel begrüßt Kanzlerin Angela Merkel beim DFB-Bundestag.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Wie umfangreich war die Aufklärung in der WM-Affäre? Warum taucht das Millionen-Honorar für Beckenbauer nicht im Freshfields-Report auf? Diese Fragen beantwortet DFB-Präsident Grindel im SZ-Interview.

Präsident Reinhard Grindel hat nach einem Jahr Sommermärchen-Affäre die Aufklärungsarbeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in dieser Angelegenheit verteidigt. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Wochenendausgabe) erklärte der vergangene Woche im Amt bestätigte Präsident, es sei "alles getan" worden, was möglich sei. "Ich setze darauf, dass die Staatsanwaltschaft weitere Ergebnisse liefert, weil dort die Zeugen unter Umständen eher bereit sind Auskunft zu geben", sagte er.

Im März hatten der DFB und die von ihm nach einer Spiegel-Publikation mit Nachforschungen beauftragte Kanzlei Freshfields einen Report vorgestellt. Darin wurde zwar der Zahlungsfluss der ominösen 6,7 Millionen Euro im Jahr 2002 vom ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus bis zum ehemaligen Fifa-Funktionär Mohammed bin Hammam sowie der Rückfluss im Jahr 2005 vom WM-Organisationskomitee über die Fifa zu Louis-Dreyfus aufgeklärt. Allerdings gibt es weiter viel Kritik und Zweifel daran, wie umfangreich die Aufarbeitung tatsächlich war.

So stand nicht im Bericht, sondern kam erst in den vergangenen Wochen heraus, wie viel Geld die damaligen OK-Mitglieder Franz Beckenbauer und Fedor Radmann erhielten: 5,5 Millionen Euro der eine, mehr als drei Millionen Euro der andere. Grindel sagt, er habe dies erst durch Presseanfragen beziehungsweise -publikationen erfahren. Dabei waren der Kanzlei Freshfields diese Informationen schon zu Jahresbeginn präsent.

"Wäre uns das bewusst gewesen, hätten wir es sicher problematisiert. Nach meinem heutigen Wissen hatte der Werbevertrag DFB/Odsett für die WM ein Volumen von etwa acht Millionen. Und wenn ich davon die 5,5 Millionen Euro abziehe, die Herr Beckenbauer bekam, und sollte Herr Radmann dafür auch noch Provision erhalten haben, dann bleibt da nicht so schrecklich viel übrig. Das hätte mit Sicherheit von meiner Seite zu Nachfragen geführt", sagte Grindel.

Daneben gibt es viele weitere Schwachstellen der Untersuchung. So wurden beispielsweise nicht die DFB-, sondern nur die OK-Konten geprüft und auch nicht alle Festplatten in der Verbandszentrale kontrolliert. Nach SZ-Informationen gibt es eine verschlüsselte Datei, die wichtig sein könnte und an die der DFB bis heute nicht herankommt. Das dementierte Grindel nicht. "Ich weiß nicht, ob sich auf den Festplatten zusätzliche Informationen befinden oder es nur um Duplikate geht. Das sind Fragen, die jetzt die Staatsanwaltschaft klären muss", sagte er.

DFB prüft zivilrechtliche Schritte gegen Beckenbauer

Grindel erklärte, dass der DFB nach seiner Auffassung sämtliche juristischen Möglichkeiten für zivilrechtliche Schadenersatzansprüche gegen Beckenbauer und die anderen damaligen OK-Mitglieder geprüft habe, dass dies in Deutschland allerdings unter anderem aufgrund der Verjährungsfristen nicht möglich sei, diese durchzusetzen. Weil die Verjährungsfristen in der Schweiz 15 Jahre betragen, sei der DFB im Rahmen der dortigen Ermittlungen gegen Beckenbauer und andere damalige OK-Mitglieder in ein Adhäsionsverfahren eingestiegen. Daraus können sich womöglich noch zivilrechtliche Ansprüche ergeben.

Beckenbauer trotz dessen Wirken rund um die WM 2006 mit dem Entzug der Ehrenspielführerschaft zu drohen, lehnte Grindel zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Weiter ist im SZ-Interview zu lesen, warum Grindel trotz der vielen Schwachstellen des Freshfields-Reports eine zweite Untersuchung ablehnt, wie er sein Votum für den umstrittenen slowenischen Uefa-Chef Aleksander Ceferin erklärt und warum er sich vor der diskutierten Reform des DFB-Pokals nicht klar für den Traum der Kleinen positioniert, in der ersten Runde gegen den FC Bayern spielen zu können.

Das ganze Interview lesen sie mit SZPlus:

Reinhard Grindel "Wir haben alles getan"

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