Fußball: Lizenzierungsverfahren der DFL:Die Löwen sind kein Einzelfall

Als 1860 München wenige Wochen nach Beginn der Saison 2010/11 das erste Geld von der Bodensee-Bank abrufen wollte, kam aber nichts. Die IBB konnte nichts auszahlen, weil die Bedingungen nicht erfüllt waren. Das Bankhaus traf keine Schuld: Es lagen einfach nicht genügend Werbe- und Sponsorenverträge für die Saison 2011/12 als ausreichende Sicherheit vor. Die Sechziger standen kurz vor der Pleite - wie später beinahe jeden Monat in dieser Saison - und mussten etliche Geschäftspartner um Zahlungsaufschub bitten. Darunter auch die Berater ihrer Spieler, die vom Klub regelmäßige Honorare erhalten.

Die DFL schaltete sich ein, prüfte den Sachverhalt und kam zu eindeutigen Ergebnissen: Wegen Verstößen gegen die Lizenz-Auflagen wurden 1860 zwei Punkte abgezogen. Der TSV habe, so die DFL, während des Lizenzierungs-Verfahrens mehrmals schriftlich zugesichert, die vier Millionen Euro der Bodensee-Bank seien verfügbar. Das Geld werde auf alle Fälle kommen, dadurch ergebe sich ein "zusätzliches Finanzierungs-Volumen", hätten die Löwen mitgeteilt. Auf diese Zusage hin sei die Lizenz erteilt worden; und diese Zusage sei eben falsch gewesen, notierte die DFL in ihrer "Vertragsstrafen-Vereinbarung" mit dem TSV.

Wäre dem so gewesen, hätte 1860 unter ihrem Geschäftsführer Stoffers die DFL angeschwindelt. Dem widerspricht Stoffers, der die Löwen Mitte 2010 verließ und heute als "Referent für Grundsatzfragen" bei Deutschlands größtem Glücksspielkonzern arbeitet, der Gauselmann AG.

Die Vermutung, er habe schon bei 1860 Glücksspiel betrieben, weist Stoffers zurück. Unter seiner Geschäftsführung habe der Klub bei der DFL nicht behauptet, die Kreditlinie der Bodensee-Bank über vier Millionen Euro sei sicher. "Es wurden keine falschen Lizenzangaben gemacht." Man habe der DFL vielmehr mitgeteilt, dass die vier Millionen erst kämen, wenn 1860 der IBB die Forderungen aus künftigen Sponsoren- und Werbeverträgen als Sicherheit verkaufe.

Damit unterstellt Stoffers seinen Nachfolgern bei den Löwen indirekt, nicht die Grundlage für den Geldfluss der IBB geschaffen zu haben. Im Aufsichtsrat der Sechziger wird das zurückgewiesen. Stoffers habe ein Chaos hinterlassen; und irgendwann habe sich herausgestellt, dass manche Sponsoren- und Werbeverträge gar nicht mehr als Sicherheit für die IBB hätten genutzt werden können - weil sie schon anderweitig verpfändet gewesen seien.

Stoffers wiederum wirft der Vereinsführung vor, sich bei Spielerverkäufen quergelegt und so dringend nötige Erlöse verhindert zu haben. Aufklären lassen wird sich das wohl nicht mehr. Die heutige TSV-Führung dürfte kein Interesse haben, in der Vergangenheit zu wühlen, sollte der Klub alsbald endgültig gerettet sein.

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