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Steigende Corona-Fälle:Virus-Alarm im Spitzenfußball

FILE PHOTO: Champions League - Group A - Paris St Germain v Galatasaray

Schon der siebte PSG-Spieler der positiv auf Corona getestet wurde: Kylian Mbappé.

(Foto: REUTERS)

Durch Urlaube und Länderspielreisen steigt im Profifußball die Zahl der Corona-Fälle drastisch: Schon sieben PSG-Spieler sind infiziert, den größten Wirbel gibt es aber um zwei fahrlässige Youngster aus England.

Von Javier Cáceres

Die Kritik war unerbittlich, und sie kam beileibe nicht nur von den berüchtigten Tabloids. "Der Fleck der Dummheit wird beide Spieler auf geraume Zeit begleiten", schrieb The Daily Telegraph, "stupid boys", dumme Jungs, wetterte die Daily Mail in großen Lettern. Die Zeitung Guardian wiederum war um Liberalität bemüht: Ja, das Duo sei "naiv und dumm" gewesen, aber andererseits: "Sie bewerben sich ja nicht auf einem Zölibat-Ticket um ein öffentliches Amt." Die Rede ist von den englischen Jungfußballern Mason Greenwood (Manchester United) und Phil Foden (Manchester City), die vor dem ziemlich faden Länderspiel Englands in Dänemark, das 0:0 endete, suspendiert wurden. Beide hatten am Sonntagabend, nach dem 1:0-Sieg in Island, mit zwei jungen Isländerinnen fraternisiert, die in den Zeitungen als "Models" umschrieben werden und krimireife Namen tragen. Sie waren von Greenwood und Foden in ein eigens angemietetes Zimmer des Mannschaftshotels eingeladen worden.

Positiver Test: Der Transfer des Griechen Dimitrios Limnios zum 1. FC Köln verzögert sich

FILE PHOTO: Euro Under 21 Qualifier - England Under 21 Training

Englands Fußball-Talente Phil Foden (links) und Mason Greenwood wurden nach einem Damenbesuch in Island suspendiert.

(Foto: Carl Recine/Reuters)

Es dürfte Greenwood, 18, und Foden, 20, schwer fallen zu argumentieren, dass sie bloß über die fünf größten Vulkane der Insel oder die Gesteinsschmelze auf dem Mittelatlantischen Rücken plaudern wollten. Und selbst wenn sie sich mit den Frauen auch nur darüber unterhalten haben, wo der nächstgelegene Spirituosenladen zu finden sei: Die Corona-Gegenwart ist, wie sie ist. Deshalb hat jede Form von Vergnügung, egal ob geistiger oder körperlicher Natur, hinter die rigiden Regeln der "biosicheren Blase" zurückzutreten, die für alle Fußballmannschaften gelten, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus und eine damit einhergehend Paralyse ganzer Teams zu verhindern.

Abgesehen davon mussten sich die beiden jungen Engländer bereits gegenüber der lokalen Polizei verantworten, die isländischen Beamten verhängten wegen Verstoßes gegen die Corona-Regeln des Landes Geldstrafen von jeweils rund 1100 Euro. Das dürfte die Profikicker weniger schmerzen als eine mögliche Sperre. Es gibt bereits mediale Forderungen, das Duo auch für die drei Spiele der Three Lions im Oktober auszuschließen, Greenwood streute am Dienstag eine ganze Jahresproduktion isländischer Vulkanasche über sein Haupt: "Es war unverantwortlich von mir, das Covid-19-Protokoll zu brechen, das Spieler, Betreuer und die Öffentlichkeit schützen soll", ließ er ausrichten.

Die Episode um die beiden Engländer lenkt den Blick darauf, dass sich das Virus selbst dann in den Alltag von Profiteams schleichen kann, wenn es noch gar nicht nachgewiesen ist. Richtig problematisch wird es, wenn das Virus erst mal da ist. Und das ist derzeit - nach der Rückkehr zahlreicher Profifußballer aus dem Urlaub und/oder von Reisen zu ihrem jeweiligen Nationalteam - an vielen Stellen und in vielen Schattierungen der Fall, wie die Meldungslage seit Tagen veranschaulicht.

Das "Scheißvirus", wie es Barcelonas Weltfußballer Lionel Messi nennt, ist im Fußball gerade omnipräsent. In Englands Premier League muss unmittelbar vor dem Saisonstart Manchester Citys Trainer Pep Guardiola auf Riyad Mahrez und Aymeric Laporte verzichten, ihnen werden zwei von drei positiven Tests zugeordnet, die Englands Liga bei einer Testung von mehr als tausend Spielern und Klubmitarbeitern ermittelt hat. Auch die Bundesliga ist betroffen. Der 1. FC Köln kann den angebahnten Transfer des griechischen Nationalspielers Dimitrios Limnios von Paok Saloniki vorerst nicht abschließen, weil der 22-Jährige im Kreis der Nationalmannschaft positiv getestet wurde. Erst wenn er negativ getestet wird, könne Limnios nach Köln reisen, sagte FC-Sportgeschäftsführer Horst Heldt, der den Spieler dennoch in jedem Fall verpflichten möchte.

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