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Millionengagen im Fußball:Wirklich tragfähig wäre nur eine Obergrenze per Uefa-Dekret

Gehältergrenzen sind nicht unüblich in der Berufswelt. Das gilt für Vergütungen im Finanzwesen; für Ärzte und Rechtsanwälte sind Leistungsvergütungen verbindlich festgesetzt. Aber: Nationale Lösungen sind im Fußballgeschäft ungeeignet, weil sie europaweit Nachteile schaffen. Auch EU-Richtlinien, wie sie Oppermann zunächst favorisierte, funktionieren im Fußball kaum: Für die britische Premier League etwa wären sie nach dem Brexit ohne Bedeutung, heißt es in der Expertise. Europas Bewerbe wären noch mehr verzerrt. Deshalb sei, obwohl die EU für den Sportbereich durchaus "eine Zuständigkeit hat", ein Beschluss auf politischer Ebene zu langwierig. Überdies sei "der Wille der Fußballverbände, die Entscheidungshoheit über eine Gehaltsobergrenze in die Hände der EU zu legen, derzeit nicht erkennbar", heißt es im Gutachten.

Alternativen wären: Tarifregelungen, die Deckelung von Spielerberater-Salären und von Ablösesummen. Oder die Ausweitung des Financial-Fairplay-Reglements der Uefa; schon jetzt sei ja die Begrenzung von Ausgaben für Spieler eine Sanktionsmöglichkeit gegen Vereine. Theoretisch. Nur hat hier gerade im Zuge der Finanzaffäre um den Superklub Manchester City der oberste Sportgerichtshofs Cas die eklatanten Defizite der internen Sportrechtsprechung offenbart.

In Betracht käme laut der Bundestags-Gutachten auch eine Luxussteuer für Klubs, die eine Gehaltsobergrenze überschreiten - in Höhe des überzogenen Betrags. Diese Luxusabgabe könnte aus einem Solidarfonds an Klubs fließen, die die Grenze nicht überschreiten - eine Idee, die Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in einem SZ-Interview ins Spiel gebracht hatte.

Wirklich tragfähig sei aber nur eine Obergrenze per Uefa-Dekret. Sie würde die Ballung der Elite bei den Superreichen auflösen und sportliche Chancengleichheit fördern. Die Folge sei ganz im Sinne der Zahlkundschaft: "Dass auch die Ungewissheit des Ausgangs eines Spieles gesteigert wird." Auch der Spannungsverlust sei ja längst ein Problem. Ein Salary Cap würde "den Unterhaltungswert steigern". Ausdrücklich erwähnen die Dienste hier die Bundesliga, sie zeige "die Ausmaße der Aufwärtsspirale besonders deutlich, etwa in der Dominanz des FC Bayern München". Der Überbietungsstreit am Spielermarkt "durch englische, spanische und deutsche Vereine" habe sich so weit verselbstständig, "dass es keinem europäischen Verein mehr möglich ist, aus diesem auszusteigen, ohne dabei seine sportliche und wirtschaftliche Existenz zu gefährden".

Ein Profifußball, der sich "in der öffentlichen Wahrnehmung von der Durchschnittgesellschaft und seinen Fans" entferne, stehe im Zielkonflikt mit Politik und Verbänden: Es gelte "den sozialen Rückhalt für den Sport und das bisher ungebrochene öffentliche Interesse in Zukunft zu erhalten". Was umso mehr in Corona-Zeiten gilt, der gewaltigsten Mittelumverteilung von der öffentlichen in die private Hand.

Eine für alle verbindliche Obergrenze der Uefa, heißt es in der Expertise, müsste für nationale und europäische Wettbewerbe gleichermaßen gelten, und bei Vertragsabschluss zwischen Klub und Profi vereinbart werden. Auch müsste das neue Regelwerk "Sanktionen vorsehen, um mögliche Verstöße europaweit ahnden zu können".

Der Fußball hat das Papier vorliegen, Oppermann will schon im Herbst bei der Klausurtagung in Brüssel die Chancen ausloten, "eine entsprechende Regelung europarechtlich abzusichern". Vielleicht ließe sich die zuständige Kommissarin Margarethe Vestager überzeugen, "der Beifall von Millionen Fans in Europa wäre ihr sicher".

Nur über eines machen sich die Experten keine Illusionen: dass manchem Klub so ein Solidaritätsszenario nicht in die Titelträume passen dürfte. "In jedem Fall", schreiben sie, "muss beachtet werden, dass bei einer Gehaltsobergrenze die Gefahr besteht, dass die geltenden Regelungen von Beteiligten durch anderweitige Vereinbarungen umgangen werden."

© SZ vom 03.08.2020
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