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Fußball-Bundesliga:Schalke hilft China

17 02 2018 xovx Fussball 1 Bundesliga FC Schalke 04 TSG 1899 Hoffenheim emspor Der FC Schalke

Enge Bande nach China demonstrierte Schalke auch schon im Stadion und wünschte allen Spielern ein fröhliches chinesisches Neujahrsfest.

(Foto: imago/Jan Huebner)
  • Beim FC Schalke geht man neue Wege in der Jugendarbeit: Eine Zusammenarbeit mit einem Verein aus China soll viel Geld bringen.
  • Dafür wollen die Chinesen vom deutschen Wissen um die Ausbildung von jungen Fußballern profitieren.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Trotz des Aufsehen erregenden aktuellen Ärgers um das abtrünnige Familienmitglied Max Meyer hat der FC Schalke 04 an seiner Nachwuchsabteilung weiterhin gewohnt viel Freude. Erneut haben die A-Junioren in ihrer Bundesliga-Staffel geschafft, was den Profis seit 1958 nicht gelungen ist: Sie wurden deutscher Meister ... na ja: westdeutscher Meister zumindest. Die nationale Titelrunde steht noch aus, womöglich kommt es dann zum Wiedersehen mit dem FC Bayern, der die jungen Schalker im vorigen Jahr auf dem Weg ins Finale gestoppt hatte.

Längst ist die Gelsenkirchener Nachwuchsschule, die sogenannte "Knappenschmiede", ein Markenartikel im Schalker Sortiment. Sie fungiert nicht nur als ständiger Zulieferer für die Profimannschaft, sondern auch als Ressource für das Transfergeschäft. Allein die Verkäufe von Manuel Neuer (2011), Julian Draxler (2015) und Leroy Sané (2016) brachten dem Verein weit mehr als 100 Millionen Euro ein.

Und jetzt wird die Knappenschmiede selbst zum Exportgut. Vorstandsmitglied Alexander Jobst gab vor ein paar Tagen bekannt, dass Ausbilder des Vereins zum chinesischen Erstligaklub Hebei Fortune FC entsandt wurden, um dort den Aufbau der Nachwuchsabteilung anzuleiten. Diese Art des Know-how-Transfers sei "ein Meilenstein" auf dem Weg zum größten der sagenhaften asiatischen Märkte.

Mit den Chinesen hat Schalke 04 eine Kooperation bis ins Jahr 2023 vereinbart. Jobst spricht von einer "extrem lukrativen Vermarktung unserer Nachwuchsarbeit" und "eigenständigen garantierten Einnahmen" - in offenbar erheblichem Umfang: Nach SZ-Informationen rechnet der Ruhrgebietsklub nach Abzug der Kosten mit einem Gewinn von bis zu 25 Millionen Euro.

Chinas Staatsführung möchte bald eine WM ausrichten

Auch im Fußball ist China ein Markt, der hierzulande kühne Fantasien über die kommerziellen Möglichkeiten weckt - und seine ganz speziellen Schwierigkeiten hervorbringt. Schon vor anderthalb Jahren haben der deutsche und der chinesische Fußballverband unter Einbeziehung der Regierungsspitzen eine groß angelegte Zusammenarbeit vereinbart. China hat, führend vertreten durch den mächtigen Staatschef Xi Jinping, ambitionierte Pläne mit dem Fußball: Einerseits möchte man die Volksgesundheit bewegen, andererseits sobald wie möglich eine Weltmeisterschaft ausrichten und mindestens ebenso bald selbst Weltmeister werden.

Die Deutschen haben versprochen, dabei behilflich zu sein. Doch mit der Verwirklichung der guten Absichten hapert es. Der Versuch, Chinas U20-Nationalmannschaft außer Konkurrenz in den Punktspiel-Betrieb der Regionalliga Südwest zu integrieren, scheiterte kläglich. Das Experiment wurde aufgrund von Widerständen und Protesten beendet, die Chinesen waren gekränkt, brachen das Projekt ab und stornierten vorerst alle gemeinsamen Aktivitäten. Inzwischen hat sich die Lage wieder entspannt, doch auch Bundesligisten, die sich in China engagierten, erlebten Probleme. Die Allianz, die der 1. FC Köln mit dem FC Liaoning einging, soll zurzeit ausgesetzt sein - die Kölner hatten ebenfalls Nachwuchsbetreuer nach China geschickt und sich dies bezahlen lassen.

Bayern setzt andere Schwerpunkte

Der Kontakt zwischen Schalke 04 und Hebei Fortune entstand während der Chinareise des Gelsenkirchener Bundesligaklubs im vorigen Sommer. Dieser Ausflug begann unter unglücklichen Umständen: Die Schalker landeten nicht nur am selben Tag wie die Delegation des FC Bayern in Shanghai, sondern auch auf demselben Flughafen. So stand man zunächst ein wenig im Schatten der Münchner, doch während der FC Bayern es nun vorzieht, einen anderen Schwerpunkt zu setzen und im kommenden Sommer die USA zu bereisen, haben sich die Schalker auf dem chinesischen Markt eingerichtet.

Jobst verhehlt nicht, dass es dazu großer Anstrengungen bedurfte. Bis zum Abschluss mit Hebei Fortune vergingen neun Monate: "Es dauert, bis man in China das nötige Vertrauen geschaffen hat", so Jobst. Die Kommunikationsprobleme, die der DFB mit seinem Regionalliga-Projekt hervorrief, waren sicherlich auch nicht hilfreich.

Hebei Fortune ist ein junger Klub mit Sitz in der nordchinesischen Hafenstadt Quinhuangdao. Er wurde erst vor einigen Jahren gegründet, in der vorigen Saison schloss er unter dem italienischen Trainer Manuel Pellegrini als Vierter der Super-League ab. Die Ziele des von einem Immobilienkonzern gesponserten Klubs sind nicht bescheiden: Hebei Fortune soll der erfolgreichste Klub in Asien werden, und die Trainer der Knappenschmiede sollen an Ort und Stelle einige Grundlagen schaffen.

Ihre Aufgaben bestehen nicht nur in der Ausbildung der Spieler und des einheimischen Personals, sondern auch im Aufbau von Daten- und Scouting-Systemen. Dolmetscher unterstützen die Arbeit. Schalke garantiere, dass ausschließlich Fachkräfte "aus dem eigenen Portfolio" und keine angeheuerten Sub-Unternehmer exportiert würden, sagt Jobst.

Der berühmteste Lehrer in der Schalker Nachwuchsschule steht für die Ausfuhr allerdings nicht zur Verfügung: Norbert Elgert, 61, der charismatische Ausbilder von Neuer, Draxler, Sané, Meyer und so vielen anderen ehemaligen Junior-Schalkern im Profifußball, wird selbst in Gelsenkirchen gebraucht. Jobst stellt sich vor, dass Elgert vielleicht mal für einen Vortrag nach China fliegen wird.

© SZ vom 04.05.2018/jbe

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