Mainz 05 - SC Freiburg:Kein Mittel gegen Flekken

FSV Mainz 05 - SC Freiburg

Unüberwindliches Hindernis: Auch der Mainzer Jeremiah St. Juste (rechts) kommt nicht an Freiburgs Torwart Mark Flekken vorbei.

(Foto: Torsten Silz/dpa)

So gering der Unterhaltungswert des torlosen Abnutzungskampfes zwischen dem FSV Mainz 05 und SC Freiburg ist: Beide Nischenklubs fühlen sich in ihrem Weg bestätigt.

Von Frank Hellmann, Mainz

Vermutlich musste es an diesem Bundesliga-Nachmittag so sein, dass sich die eigentlichen Höhepunkte erst nach Spielschluss ereigneten. Was nämlich der FSV Mainz 05 und der SC Freiburg bei einem extremen chancenarmen und fast folgerichtig torlosen Abnutzungskampf anboten, sollte recht schnell vergessen werden. Doch in der während der Pandemie erstmals mit der Maximalauslastung von 13 500 Zuschauern befüllten Arena am Mainzer Europakreisel kam dennoch nicht der geringste Unmut auf; die sonst so kritischen Anhänger ordneten die friedliche Punkteteilung der beiden im oberen Drittel geführten Ausbildungsvereine als Bestätigung des eingeschlagenen Weges ein. Die Rheinhessen haben vier von fünf Spielen ohne Gegentor überstanden, die Breisgauer noch keines verloren. Eine beachtliche Bilanz für jeden Nischenklub.

Erst holten sich also die Freiburger vor ihren mitgereisten Anhängern einen verdienten Beifall ab, kurz darauf badeten auch die Mainzer in zarten Ovationen vor ihrem Fanblock. Freiburgs Trainer Christian Streich lobte das Publikum ausdrücklich "für die realistische Einschätzung" des Geschehens. Speziell die Unterstützer aus dem Schwarzwald würden ja genau wissen, "was geht und nicht geht: Das hilft uns sehr".

Streich entschuldigt sich erstmal ausführlich bei Trainer-Kollege Svensson

Streich hatte aus Erfahrung eine Taktik der absoluten Risikominimierung verordnet. "Wir wollten nicht, dass es ein wildes Spiel wird", sagte er. Denn genau darauf hätten die Nullfünfer gewartet. Der Gast aber ließ sich von Anfang bis Ende nicht locken, was den Coach erkennbar erfreute: "Ich bin zufrieden, weil wir eine gewisse Form von Stabilität gezeigt haben. Natürlich wollen wir besser Fußball spielen." Vor seinem Statement wartete Streich mit einer ausführlichen Entschuldigung an sein Gegenüber Bo Svensson auf. Dass er sich am Donnerstag auf der Pressekonferenz habe hinreißen lassen, die unter dem Kollegen so fleißig punktenden Mainzer in den Rang eines Europapokalanwärters zu hieven, sei "Blödsinn" gewesen: "Ich wollte loben und bin dann abgedriftet."

Svensson nahm die Entschuldigung umgehend an. Der Däne vermisste ansonsten Handlungsschnelligkeit, Tempo und Genauigkeit seiner Mannschaft, die eine unterirdische Passquote von 65 Prozent aufwies - jeder dritte Ball landete also im Aus oder beim Gegner. Auch wenn der selbst ernannte Karnevalsverein aktuell einen Europapokalplatz belegt, wird nach dieser Vorstellung niemand auf die Idee kommen, diesen Klub mit einer internationalen Perspektive in Verbindung zu bringen. Aber ein Ruhekissen ist der sehr ordentliche Start nach der gruseligen Vorsaison allemal. Nur zur Erinnerung: Damals standen nach der Hinrunde gerade mickrige sieben Zähler auf der Mainzer Habenseite. Schon jetzt sind es zehn.

Es dauert fast genau eine Stunde bis zur ersten gefährlichen Szene

Sportdirektor Martin Schmidt wollte daher gar nicht groß meckern. "Wenn man ein Spiel nicht gewinnen kann, muss man gucken, dass man es nicht verliert. Strich drunter: Wir haben einen Zweier-Punkte-Schnitt, das ist absolut gut. Weiter so!" Fakt war jedoch auch, dass nicht eine einzige Umschaltaktion, ansonsten probates Stilmittel, zustande kam.

Es dauerte fast eine Stunde bis zur ersten wirklich gefährlichen Tor-Szene: Der ansonsten abgemeldete Mainzer U21-Europameister Jonathan Burkardt scheiterte am reaktionsschnellen Schlussmann Mark Flekken (58. Minute). Ansonsten war allein noch ein Schrägschuss von Karim Onisiwo (68.) und eine Gelegenheit für Jeremiah St. Juste (80.) erwähnenswert.

Die Gäste mit ihren himmelblauen Trikots warteten buchstäblich bis zur letzten Sekunde auf ihre erste und einzige Großchance: Dem Drehschuss des eingewechselten Vincenco Grifo, den Streich anfänglich für den defensivstärkeren Nachwuchsmann Kevin Schade geopfert hatte, fehlte allerdings die Wucht, so dass der Mainzer Keeper Robin Zentner per Flugparade rettete (90.+4). Der nach dem Langzeitausfall von Moussa Niakhaté mit der Kapitänsbinde betraute Torwart gab sich hinterher erfreulich ehrlich: "Das war ein sehr einschläferndes Spiel. Wir haben nicht das gezeigt, womit wir die letzten Spiele unsere Punkte geholt haben." Für einen weiteren hat es trotzdem gereicht.

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