Fußball-Bundesliga:Köln führt Auswärts-Tabelle an

1899 Hoffenheim v 1. FC Köln - Bundesliga

Gesichter aus Hoffenheim: der Kölner Anthony Ujah, l., und Andreas Beck.

(Foto: Simon Hofmann/Getty Images)

Von Benjamin Romberg

TSG Hoffenheim - 1. FC Köln 3:4

Spiel-Telegramm: In Spielen des 1. FC Köln fielen in dieser Saison bislang die wenigsten Tore, 15 an der Zahl. Umso überraschender war der hohe Unterhaltungsfaktor in der ersten Halbzeit. Es dauerte nur zwei Minuten, da kullerte der Ball das erste Mal über die Linie: Kölns für gewöhnlich starker Rückhalt Timo Horn sah beim Schuss von Adam Szalai nicht gut aus - Führung für Hoffenheim. Nicht einmal fünf Minuten waren gespielt, als Pawel Olkowski allerdings schon das 1:1 für die Gäste erzielte. Matthias Lehmann besorgte wenig später die Führung für Köln mit einem sehenswerten Freistoß (12.) - ehe Anthony Ujah sogar auf 3:1 erhöhte (35.). Pausenstand jedoch: 3:3. Hoffenheims Brasilianer Firmino drehte kurz vor Ende der ersten Halbzeit auf und traf doppelt (39./45.). Die zweite Halbzeit verlief weniger ereignisreich. Bis in der 83. Minute doch noch das siebte und entscheidende Tor fiel: Olkowski zog von der Strafraumgrenze ab - 4:3.

Ungewohnte Schwäche: Dass Spiele des 1. FC Köln für gewöhnlich kein Spektakel waren in dieser Saison, lag vor allem an der starken Defensive. Dass das Spiel gegen Hoffenheim zumindest in der ersten Hälfte zum Spektakel wurde, lag an der schwachen Defensive. Sieben Gegentreffer hatte die Kölner Abwehr bislang in der gesamten Saison kassiert - Hoffenheim gelangen drei Tore in einer Halbzeit.

Ungewohnte Stärke: Dass Kölner Spiele bislang kein Spektakel waren, lag auch an der schwachen Offensive. Dass das Spiel gegen Hoffenheim zumindest in der ersten Hälfte zum Spektakel wurde, lag diesmal an der ungewohnt starken Offensive. Gerade einmal acht Tore hatte die Angriffsreihe des FC zuvor in zehn Spielen erzielt.

Tabellenführer: Blendet man die Heimspiele in der Bundesligatabelle aus, steht plötzlich der 1. FC Köln ganz vorne. Mit zehn Punkten aus sechs Auswärtsspielen waren die Kölner erfolgreicher als Bayern oder Gladbach.

Stimme von Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol: "Die Mannschaft hat über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Wir sind eigentlich nie in einen Konter gelaufen, haben aber dennoch vier Tore bekommen. Es ist fast unglaublich, dass wir die Partie zum Schluss verlieren. Wir haben große Geschenke verteilt."

Stimme von Neu-Nationalspieler Jonas Hector: "Ich kann mich nicht beschweren. Der Sieg war enorm wichtig. Das andere ist natürlich eine überragende Sache für mich."

Stimme von Freistoßschütze Matthias Lehman: "Flanken, schießen, flanken, schießen. Dann habe ich geschossen. Ich bin froh dass er reingegangen ist."

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Bayer Leverkusen - 1. FSV Mainz 05 0:0

Spiel-Telegramm: So viele Chancen bekommt Leverkusen so schnell nicht wieder. Mal zog Son ab (6.), mal scheiterte Bellarabi knapp (10.). Zweimal vergab Kießling gute Möglichkeiten (38./40.). Die einzige gefährliche Konterchance für Mainz vergab Yunus Malli (19.). In der zweiten Hälfte wurde es fast ein Privatduell zwischen Bellarabi und dem Mainzer Torwart Karius. Mehrmals hätte der Leverkusener die Führung besorgen können. Auch Calhanoglu hatte kein Glück aus der Distanz (80.). Ein extrem unnötiges Unentschieden aus Leverkusener Sicht.

Knifflige Szene: Foul? Ja oder nein? Und wenn ja: Wer ist der Gefoulte? Der Mainzer Okazaki wollte unbedingt in den Strafraum und ließ sich in seinem Unterfangen auch nicht von Leverkusens Spahic aufhalten. Der Japaner rammte den Abwehrspieler um, der in den Strafraum flog. Mit ausgefahrenem Arm riss der am Boden liegende Spahic den heranstürmenden Okazaki um. Mainz forderte Elfmeter - gab es aber nicht.

Klare Verhältnisse: Würde am Ende die Statistik über die Verteilung der Punkte entscheiden, könnte sich Leverkusen zweifelsohne über deren drei freuen. Die Gastgeber gaben 24 Torschüsse ab, Mainz nur sechs. Das Eckballverhältnis ist noch klarer: 13:0.

Schwacher Stürmer: Wenige verkörpern die Leverkusener Krise so sehr wie Stefan Kießling. Der für gewöhnlich sehr erfolgreiche Stürmer trifft einfach nicht mehr. Das letzte Kießling-Tor fiel am ersten Spieltag gegen Dortmund.

Stimmen: "Wir sind nicht zufrieden mit dem Punkt. Wir haben sehr viel Aufwand betrieben und klarste Einschussmöglichkeiten gehabt. Die hohe Qualität, die wir im taktischen Bereich gezeigt haben, hatten wir nicht im Abschluss", sagte Leverkusens Coach Roger Schmidt. Kasper Hjulmand (Trainer FSV Mainz): "Wir sind mit dem Punkt sehr glücklich. In der ersten Halbzeit haben wir ganz gut gespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir uns zu viele Fehler im Passspiel erlaubt und kaum noch Chancen gehabt. Grundsätzlich freuen wir uns aber über das Resultat."

SC Freiburg - Schalke 04 2:0

Spiel-Telegramm: Der Plan der Freiburger hätte besser nicht aufgehen können. Mit dem ersten gefährlichen Angriff gingen die Gastgeber in Führung. Eine Hereingabe von Links fand ihren Weg über den Arm von Schalkes Verteidiger Benedikt Höwedes in die Mitte zu Christian Günter, der freistehend einschob (22.). In der Folge konnte sich Freiburg hinten reinstellen. Schalke spielte zu kompliziert und zu harmlos. Und auch Standards brachten nichts ein: Höwedes versuchte es nach einer Freistoßflanke von Aogo per Kopf, brachte den Ball aber nicht aufs Tor (53.). In der 68. Minute entschied Jonathan Schmid dann die Partie für Freiburg: Aogo scheiterte gleich zweimal beim Versuch, den Ball aus dem Strafraum zu klären. Der landete stattdessen bei Schmid, der die Kugel ins Netz drosch.

Mini-Serie: Gegen Köln war den Freiburgern am vergangenen Wochenende der erste Saisonsieg gelungen. Nach dem Erfolg gegen 1860 München im DFB-Pokal ist der Sieg gegen Schalke nun der dritte in Serie. So arbeitet sich das Team von Christian Streich nach und nach aus der Abstiegszone.

Kein Di-Matteo-Effekt: Von einem Trainerwechsel erhoffen sich Vereine in der Regel Veränderung, den berühmten Impuls. Der scheint bei Schalke ausgeblieben zu sein. Auch nach der Entlassung von Jens Keller Anfang Oktober hat sich bei den Gelsenkirchenern wenig geändert. In der Bundesliga fehlt auch unter dem neuen Coach Roberto Di Matteo die Konstanz - auswärts haben die Schalker unter dem Italiener noch gar keinen Punkt geholt. In der Champions League droht nach der 2:4-Pleite gegen Lissabon unter der Woche das Aus in der Gruppenphase.

Ständige Wechsel: Gegen Freiburg lief Schalke zum 18. Mal in Folge in veränderter Startelf auf. Die Umstellung erfolgte dieses Mal allerdings unfreiwillig. Nach der Verletzung von Julian Draxler musste Trainer Di Matteo Ersatz beschaffen. Sidney Sam spielte für den Nationalspieler.

Stimme von Schalkes Benedikt Höwedes: "Heute haben wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr den Charakter bewiesen, um uns da rauszukämpfen."

Stimme von Schalke-Trainer Di Matteo: "Wir haben viel zu tun. Es ist eine Mannschaft, mit der man arbeiten muss. Es gibt viel, woran man arbeiten muss."

FC Augsburg - SC Paderborn 07 3:0

Spiel-Telegramm: Augsburg musste gegen Paderborn mit einer seltenen Rolle zurechtkommen: der des Favoriten. "Für uns wird es vielleicht das schwierigste Spiel des Jahres, weil wir selten Favorit sind", erklärte Tobias Werner vor der Partie. Ebenjener Werner sorgte dann allerdings für klare Verhältnisse. In der siebten Minute verlor Paderborns Bakalorz den Ball vorm eigenen Strafraum, Altintop schnappte sich die Kugel und steckte auf Werner durch. Der schob sicher zur Führung ein - zum frühesten Gegentor für Paderborn in dieser Saison. Nach der Pause war es erneut Werner, der dieses Mal per Kopf eine Flanke von Verhaegh zum 2:0 verwandelte (47.). Den dritten Treffer erzielte er dann nicht selbst - er schlug einen Freistoß auf den Kopf von Callsen-Bracker, der für die Entscheidung sorgte (68.).

Heimstärke: Das 3:0 gegen Paderborn war bereits der vierte Heimsieg in Serie für Augsburg. Allerdings zählten auch die vorherigen Gegner nicht zu den kniffligsten Aufgaben, die es derzeit in der Bundesliga zu bewältigen gibt: Bremen, Hertha und Freiburg.

Medizinische Abteilung: Paderborns Trainer André Breitenreiter könnte derzeit fast eine ganze Elf nur aus Verletzten bilden. Zu den sicheren Ausfällen vor dem Spiel gegen Augsburg hatte eigentlich auch Süleyman Koc gezählt. Dennoch stand er in der Startelf - mit Außenbandriss im Sprunggelenk. "Wir haben sehr gute Physiotherapeuten", sagte Breitenreiter.

Stimmen: "Wir sind glücklich, dieses Spiel gewonnen zu haben, es war sehr viel Arbeit. Paderborn hat uns das Leben sehr schwer gemacht, ist uns mutig und aggressiv angelaufen. Aber wir haben in den richtigen Momenten die Tore erzielt. Wir haben verdient gewonnen, aber es war ein sehr großer Aufwand dahinter", sagte Augsburgs Coach Markus Weinzierl. André Breitenreiter (Trainer SC Paderborn): "Es war ein Sieg der Überzeugung, die wir das erste Mal in dieser Saison haben vermissen lassen. Wir waren nicht konsequent genug - im Verhindern von gefährlichen Situationen und vor dem Tor. Wir waren auch nach dem 0:2 noch nicht aus dem Spiel und hatten hundertprozentige Torchancen. Aber es war im Kollektiv zu wenig, die Galligkeit hat gefehlt."

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