Fußball-Bundesliga Gut für Calli, gut für den Klub

Bayer 04 Leverkusen hat schwierige Sanierungsjahre erfolgreich überstanden - auch dank des stillen Sportmanagers Michael Reschke.

Von Philipp Selldorf

Seinen 60. Geburtstag feierte Reiner Calmund am vergangenen Sonntag in einem brasilianischen Restaurant in Köln. FC-Präsident Wolfgang Overath war eingeladen, blieb aber wegen Schneetreibens zuhause. Dafür kam eine dermaßen stattliche Delegation aus Leverkusen, dass ein Gast erstaunt feststellte: "Eigentlich war das eine Bayer-Veranstaltung."

Können die denn nicht einmal ernsthaft arbeiten? Patrick Helmes (links) beäugt die Trainingsbemühungen seiner ausgelassenen Leverkusener Kollegen.

(Foto: Foto: Getty)

Wie ehedem in den goldenen Zeiten um die Jahrhundertwende unterhielt Jens Nowotnys Onkel (und Berater) Georg Bischoff die Gäste mit Musik, und im Lokal vergnügten sich diverse von Calmund respektive dem Klub an die Luft gesetzte Trainer von Kremer, Daum bis Toppmöller und Vogts. Außerdem: Mitarbeiter der Geschäftsstelle und des Betreuerstabs, frühere Spieler, Pressechef Dost, der ehemalige Konzernbeauftragte von Einem und die Sportmanager Rudi Völler und Michael Reschke. Nur Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser fehlte.

Im März 2006, im Zuge der - später eingestellten - Ermittlungen wegen Veruntreuung gegen den früheren Manager, hatte Calmund Bayer die Freundschaft gekündigt. "Das war mein Verein. Aber das ist er nicht mehr", hatte er erklärt und in diesen Bann auch seinen alten Vertrauten Reschke einbezogen. Dabei hatte er ihn bei seinem Abschied von Bayer knapp zwei Jahre zuvor noch ausdrücklich als Erben eingesetzt. "Mach' mein Ding weiter", hatte er ihm zugerufen. Dem Befehl hat Reschke entsprochen, aber zum Bruch kam es trotzdem.

12,3 Millionen Überschuss

Der Klub stand unter dem Sparzwang der Bayer AG, die erfolgreiche, aber zum Ende ausufernd luxuriöse Ära Calmund musste rigoros aufgearbeitet werden, und der dicke Mann, der 27 Jahre den Auf- und Ausbau der Fußballabteilung betrieben hatte, fühlte sich ausgegrenzt. Dass es nun einen neuen Handschlag gibt, "das ist eine Befreiung für uns alle", sagt ein Geburtstagsgast. "Das ist gut für Calli und gut für den Klub." Und es schließt einen Kreis in der Entwicklung: Die schwierigen Sanierungsjahre sind überstanden, die Ära Calmund ist Geschichte und kann wieder unbelastet gesehen werden.

Von den 44 Spielern, die zum Ende von Calmunds Amtszeit in Bayers Personalabteilung geführt wurden, durch direkte Vertragsverhältnisse, Leih- oder Optionsgeschäfte, ist nur noch Bernd Schneider da. 12,3 Millionen Euro Transferüberschuss hat der Verein seitdem erzielt (wobei Calmunds Käufe Lúcio und Berbatow 28 Millionen Verkaufserlös zur Bilanz beitrugen). Dank junger Profis wie Adler, Castro, Rolfes, Vidal, Renato Augusto, Helmes oder Kießling beträgt der Handelswert des Teams laut interner Kalkulation 110 Millionen Euro - was die Anschaffungskosten mehr als dreimal übertrifft.

Die Rechnung mag großzügig sein, doch dass die Leverkusener clever planen und auf dem Transfermarkt oft schneller und schlauer als die kaufkräftigere Konkurrenz sind, das ist unbestreitbar. Als der FC Bayern Interesse am Angreifer Helmes zeigte, da war er schon längst Bayer versprochen. Transfergebühr: null. Marktwert: wenigstens 15 Millionen.

Im neuen Zeitalter ist Völler die prominente Figur im Sportmanagement, und Reschke ist der stille Mann im ständigen Außendienst. Dem Publikum ist sein Gesicht kaum vertraut, aber er trägt viel Verantwortung für den Aufbau der Elf, die sich zutrauen darf, am Samstag den FC Bayern herauszufordern. Reschke, 51, kam 1979 als Jugendtrainer zu Bayer, Calmund hatte ihn angeheuert. Die beiden kannten sich schon, waren damals aber zerstritten. Calmund hatte aus Reschkes B-Juniorenteam bei Viktoria Frechen zwei Spieler für Bayers Nachwuchs abgeworben, monatelang wechselte man kein Wort miteinander.

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