Süddeutsche Zeitung

Fußball-Bundesliga:Götze und der BVB: Alle am Pokertisch

Lesezeit: 3 min

Es wird wahrscheinlicher, dass Mario Götze zum BVB zurückkehrt - offen ist aber der Preis, über den mit dem FC Bayern noch gefeilscht wird. Auch der Transfer von André Schürrle bahnt sich an.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Diplomatie ist das halbe Leben. Deshalb sprechen Bayern München und Borussia Dortmund offenbar nicht miteinander über Mario Götze. Sie lassen anscheinend sprechen, im Stille-Post-Verfahren, über Medien, Mitwisser, einen Rechtsanwalt. Zu vermint scheint das Gelände zwischen den beiden wichtigsten deutschen Klubs zu sein, seit der in München inzwischen gestrauchelte Wunderknabe Götze vor drei Jahren dorthin abgeworben wurde. Am Ende des Pokers dürfte der 24-Jährige zwar zu seinem Stammverein BVB zurückkehren - aber davor stehen noch etliche Runden am Spieltisch.

Meldungen vom Freitag, wonach die Rückkehr unmittelbar bevorstehe und die Ablösesumme bei 27 Millionen Euro liegen soll, dementiert Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke jedenfalls aus dem Tiroler Trainingslager. "Wir haben gesagt, dass wir uns Gedanken über Mario machen, wenn klar ist, dass er auf den Markt kommt. Ich weiß noch nicht, ob das der Fall sein wird." Tatsächlich soll Götze noch immer mit dem Bleiben bei Bayern liebäugeln - zumindest diplomatisch. Wie man hört, liebäugelt aber auch seine Lebensgefährtin - und zwar mit einem Wechsel in die Weltstadt London, wo Götze bei Tottenham unterkommen könnte.

Die Wechsel von Götze und Lewandowski sitzen als Stachel noch tief

Da Götze nur noch ein Jahr Vertragslaufzeit hat und im Sommer 2017 ablösefrei wechseln könnte, dürfte es für Watzkes Münchner Pendant Karl-Heinz Rummenigge eine Schreckensvision sein, dass der vor drei Jahren für etwa 37 Millionen Euro geholte Weltmeister-Torschütze dann gebührenfrei gehen könnte. Man hört, dass die Bayern Götze, der zudem ein zweistelliges Millionengehalt verdienen dürfte, möglichst noch vor dessen avisierter Rückkehr ins Training zum 1. August loswerden wollen. Am liebsten ins zahlungskräftige England. Zur Not aber auch nach Dortmund.

In Dortmund dagegen wollen sie nicht allzu offen zugeben, dass sie sich für die Rückkehr ihres einstigen Hotshots sehr interessieren. Die Wechsel von Götze und Robert Lewandowski nach München - eingefädelt vom einstigen Münchner Sportvorstand Matthias Sammer - sitzen als doppelter Stachel noch tief. Lewandowski konnten die Bayern sogar ablösefrei anlocken, Götzes Wechsel wurde zudem einen Tag vor Dortmunds wichtigem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid in der Bild lanciert - von wem auch immer. Man muss kein Psychologe sein, um zu wissen, dass da noch Rechnungen aus der Sammer-Zeit offen sein dürften.

Die Kommunikation zwischen den Parteien soll derzeit über Götzes neuen Berater laufen, den Münchner Rechtsanwalt Peter Duvinage, der auch Bayern-Spieler wie Holger Badstuber vertritt. Die Dortmunder sollen etwa 20 Millionen als Ablösesumme anpeilen, die Bayern haben offenbar 27 Millionen im Auge. Vor dem 1. August wird man sich wohl einigen. Die sogenannte Dortmunder Schmerzgrenze dürfte bei etwa 22 Millionen liegen. Da Götze beim BVB weniger verdienen wird als in München, ist nicht auszuschließen, dass die Bayern außerdem noch eine Abfindung für die vorzeitige Vertragsauflösung zahlen müssten.

Nach der lauwarmen EM, die Mario Götze als meist falsche Neun oder Bankdrücker erleben musste, ist sein Marktwert gesunken. Von allen Klubs, die für ihn noch infrage kommen, scheint die Borussia der prominenteste zu sein. Wichtigstes Argument aber dürfte sein, dass er dort mit seinem Kumpel Marco Reus und wohl auch mit Freund André Schürrle zusammenspielen könnte. Götze und Schürrle machen derzeit gemeinsam Urlaub in Kalifornien. Über den Transfer von Schürrle scheint sich der BVB mit dem VfL Wolfsburg einigen zu können.

Schürrle ist ein Spieler, den BVB-Trainer Thomas Tuchel aus gemeinsamen Mainzer Tagen schätzt. Er soll knapp über 30 Millionen Euro Ablöse kosten. Nach den Verlusten von Ilkay Gündogan, Mats Hummels und Henrikh Mkhitaryan hat der BVB bereits um die 60 Millionen für neue Spieler ausgegeben, weitere 50 bis 55 Millionen kämen für Götze und Schürrle hinzu. Das scheint machbar zu sein, angesichts der fast 110 Millionen Euro, die Dortmund für Gündogan, Hummels und Mkhitaryan eingenommen hat. Die Rechnung ist nur knapp kalkuliert. Auch deshalb wird Watzke bei Götze um jede Million feilschen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3081120
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 16.07.2016/fued
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.