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Fußball-Bundesliga:FC Bayern: Geht's raus und spielt's unentschieden

FC Bayern  TSG Hoffenheim Bundesliga

Genau, David Alaba (l.): Nur ein Tor gelang dem FC Bayern am Wochenende.

(Foto: REUTERS)

Auch gegen Hoffenheim wirkt der Fußball der Bayern arg herkömmlich. Noch ist nicht erkennbar, welche Idee der neue Trainer Carlo Ancelotti seiner Elf vermitteln will.

Von oben sah es ein bisschen so aus, als habe Michael Ballack wieder angefangen. Die Trikotfarbe irritierte etwas, aber die legendäre "13" prangte klar erkennbar auf dem Rücken, und der Laufstil ließ dann endgültig keine Zweifel mehr zu. In der eigenen Hälfte kam der Dreizehner also an den Ball, er spielte ihn quer rüber zu einem Kollegen, und dann setzte er sich allmählich in Gang und beschleunigte, und als der Ball am gegnerischen Sechzehner über Umwege wieder beim Dreizehner ankam, schoss er ihn trocken unters Tordach.

Es war ein kleines Ballack-Gedächtnistor, das da in der Münchner Arena zur Aufführung kam, nur eines hatte man offenbar aus der Erinnerung verdrängt: dass dieser Ballack auch so ein Sprinter war. Den gegnerischen Dreiundzwanziger hatte der Dreizehner jedenfalls lässig abgehängt, und auch sonst hatte sich beim Gegner keiner gefunden, der ihn aufhalten konnte.

Um die Wahrheit zu sagen: Kerem Demirbay, der Hoffenheimer Mittelfeldspieler, der in guten Momenten ein wenig an Ballack erinnert, ist gar nicht überragend schnell. Aber an diesem Nachmittag war er schnell genug - zum Beispiel für Arturo Vidal, den Dreiundzwanziger des FC Bayern, der Demirbay beim Hoffenheimer Führungstor nicht hinterher kam. Wobei sich schon auch diese Frage aufdrängte: wie dringend Vidal in diesem Moment überhaupt hinterher kommen wollte.

Ob den Bayern im Moment die Körperspannung fehle, ist Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:1 (1:1) gegen die TSG Hoffenheim gefragt worden, und man hat förmlich sehen können, wie es in Rummenigge arbeitete. Mit "ja" konnte er unmöglich antworten, andernfalls hätte er sofort eine Debatte angestoßen, an der die Bayern und ihr immer noch neuer Trainer keinesfalls interessiert sein können. Aber ein empörtes "Nein" wäre auch keine Option gewesen, denn nicht mal ein Vorstandschef kann ein Spiel, das außer ihm noch mehrere andere Leute gesehen haben, komplett neu erfinden. Jeder hatte das ja gesehen: dass diesem FC Bayern zurzeit etwas fehlt, was man unter anderem auch "Körperspannung" nennen könnte.

Vorstandschef Rummenigge sagt, dieses 1:1 sei "nicht leistungsungerecht" gewesen

Rummenigge hat dann aber dank seiner jahrhundertelangen Branchenzugehörigkeit ein paar sehr ordentliche Floskeln gefunden, mit denen er sich seriös aus der Affäre ziehen konnte. Er murmelte etwas von einem "schweren Champions-League-Spiel am Dienstag" und dass die Hoffenheimer diese Belastung nicht hatten, sondern stattdessen "auf der Couch" saßen.

FC Bayern Einzelkritik

Hummels soll alles erledigen

Die Liga muss sich an dieses neue Hör-Erlebnis erst noch gewöhnen. Im Moment staunt die Liga noch über die längst nicht mehr so siegesprallen Sätze aus München - und über gegnerische Trainer, die wie der kesse Julian Nagelsmann nach einem Teilerfolg in München demonstrativ ihre Teil-Unzufriedenheit zur Schau stellen. In den letzten drei, vier Jahren haben gegnerische Trainer ihre 0:4-Niederlagen meist vergnügt zur Kenntnis genommen, und manche haben sich sogar bedankt, dass der FC Bayern für 90 Minuten in ihrem Leben vorkam. Wieder andere haben in München extra Spieler geschont oder es ebenfalls vergnügt zur Kenntnis genommen, wenn sich ein Profi pünktlich zum Bayern-Spiel eine Gelbsperre organisiert hatte.