Borussia Dortmund:Theoretisch sehr viel möglich

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Borussia Dortmund: "Wir sind froh, dieses schwierige Spiel gewonnen zu haben": Marco Reus trifft zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen die TSG 1899 Hoffenheim - und ist nachher vor allem erleichtert.

"Wir sind froh, dieses schwierige Spiel gewonnen zu haben": Marco Reus trifft zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen die TSG 1899 Hoffenheim - und ist nachher vor allem erleichtert.

(Foto: Thomas Voelker/imago)

Dortmunds 3:2 gegen die TSG Hoffenheim bekräftigt, dass der Mannschaft eigentlich alles zuzutrauen wäre. Es zeigt aber auch: Ohne mehr spielerische Dominanz dürfte es weiterhin keine Titeljagd geben.

Von Felix Haselsteiner

Hatte es wirklich nur fünf Minuten gedauert? Ein Anpfiff, ein paar Ballzirkulationen, ein guter Spielzug, sollte das etwa schon ausreichen? Dortmunds Pokalniederlage gegen Zweitligist St. Pauli unter der Woche hatte ja mal wieder die Frage aufgeworfen, ob man dieser Mannschaft wirklich noch einen Titel zutrauen sollte, war sie doch des Öfteren in den vergangenen Wochen hinter ihren eigenen Ansprüchen zurückgeblieben.

Seit Dienstag bleiben für solche Gedankenspiele nur noch die Europa League und - theoretisch - die Bundesliga übrig. Antworten waren also nötig, und es dauerte im Ligaspiel gegen die TSG Hoffenheim am Samstag ebenjene knapp fünf Minuten, bis der BVB zeigte, dass ihm - theoretisch - alles zuzutrauen wäre. In handgestoppten 24 Sekunden spielte Dortmund in einem Fluss aus der Defensive nach vorne, Donyell Malen und Jude Bellingham kombinierten sich mit einem Doppelpass durch den Hoffenheimer Strafraum, Erling Haaland verwertete den Querpass zum 1:0. Es wirkte, als hätte Dortmund das Pokal-Aus weder allzu sehr betrübt noch spielerisch limitiert.

Warum es weiterhin den Einschub braucht, dass ein Dortmunder Titelgewinn bislang nur eine theoretische Möglichkeit ist, zeigten die übrigen 85 Minuten. Dortmund gewann zwar in Sinsheim mit 3:2, aber einmal mehr auf eine Art und Weise, die Ambitionen nicht spielerisch oder taktisch untermauert. Nach Abpfiff wirkte es so, als wäre den Dortmundern Erleichterung ins Gesicht geschrieben - was allerdings nicht nur an der eigenen Leistung, sondern auch am Gegner gelegen haben dürfte.

Torschütze Haaland muss aufgrund einer Verletzung an den Adduktoren ausgewechselt werden

Die TSG - unter der Woche ebenfalls mit einem 1:4 gegen Freiburg aus dem Pokal ausgeschieden -, spielte phasenweise so druckvoll und dominant, dass man fast geneigt war, Sebastian Hoeneß' Mannschaft ebenfalls alles zuzutrauen.

Haalands Eröffnungstreffer etwa verunsicherte die Kraichgauer nicht, sondern spornte sie an. Erst traf nach elf Minuten Georginio Rutter mit einem Kopfball nach einer Ecke den Pfosten, in der 23. Minute wiederholte Chris Richards den Vorgang in leicht abgewandelter Form und scheiterte an der Latte. Dann übernahm Hoffenheim für gut zwanzig Minuten die Partie: Dortmund fand offensiv kaum noch statt, selbst Haaland wirkte wie abgemeldet.

Auf der anderen Seite klärte Manuel Akanji in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Andrej Kramaric (40.), in den ersten Momenten der Nachspielzeit traf der Kroate dann jedoch zum verdienten Ausgleich. Eine Flanke von Ihlas Bebou nahm Kramaric direkt und beendete damit seine Serie von neun torlosen Begegnungen. "Wir hatten große Probleme bis zur Pause, der Ausgleich war verdient", sagte BVB-Trainer Marco Rose.

Borussia Dortmund: Drei Torvorlagen gegen die TSG: Donyell Malen (rechts neben Hoffenheims Munas Dabbur).

Drei Torvorlagen gegen die TSG: Donyell Malen (rechts neben Hoffenheims Munas Dabbur).

(Foto: Oliver Zimmermann/foto2press/imago)

Die zweite Halbzeit brachte erst einmal wenig Änderung. Die Gastgeber griffen mutig an und erarbeiteten sich zwischenzeitlich eine Torschussstatistik von 13:3. Dann jedoch tat Dortmund das, was dieser hochtalentierten Mannschaft in jedem Wettbewerb zu jedem Zeitpunkt zuzutrauen ist: Sie traf nach einer zweiten hervorragenden Kombination zur erneuten Führung.

Diesmal gelangte der Ball über die Stationen Mats Hummels und Donyell Malen durch die Mitte zu Marco Reus, der allein vor Torwart Oliver Baumann zum 2:1 traf. In Kombination mit der Entscheidung von Trainer Rose, auf eine Fünferkette umzustellen, ergab das eine Ausgangsposition, aus der heraus Dortmund nun wesentlich besser spielte - auch wenn Torschütze Haaland aufgrund einer Verletzung an den Adduktoren ausgewechselt werden musste.

Dortmund erlebt erneut eine wilde Schlussphase

Hoffenheims unnachgiebiger Offensivdrang endete vorerst, stattdessen schaffte der BVB es, die Führung auszubauen: Der starke Malen (drei Torvorlagen) spielte sich in der 67. Minute auf der linken Seite frei und legte flach in die Mitte, von wo Hoffenheims Außenverteidiger David Raum ins eigene Tor traf. Das 3:1 entsprach nicht den Spielanteilen, folgerichtig blieb es auch nicht bei der Zwei-Tore-Führung: Mitten in die kurze Phase hinein, in der Dortmund zum ersten Mal die Spielkontrolle übernommen hatte, erzielte Georginio Rutter den Anschlusstreffer (77.).

Dortmund erlebte erneut eine wilde Schlussphase, diesmal - anders als noch unter der Woche - aus der Position des Verteidigenden. Sebastian Rudy (89.) hatte die beste Gelegenheit, noch den Ausgleich zu erzielen, der sicherlich nicht unverdient gewesen wäre. "Wir sind froh, dieses schwierige Spiel gewonnen zu haben", sagte Reus. Innenverteidiger Akanji erklärte, es sei "nicht einfach, konstant abzuliefern".

Die Dortmunder gehen derzeit durch eine Phase, in der ein Auswärtssieg in Hoffenheim mit allen Mitteln erkämpft statt erspielt werden muss - so zumindest sah es Rose, der das 3:2 als "schmeichelhaft" einordnete. Gleichzeitig gilt aus Sicht des BVB: Nach Punkten bleibt der Druck auf den Tabellenführer aus München hoch. Und ein Titel bleibt ein theoretisch denkbares Szenario.

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