Fußball: Bundesliga:Euphoriebremser und Erwartungsdämpfer

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Deshalb ist Skibbe nicht der einzige Euphoriebremser und Erwartungsdämpfer, der diesen Druck von seinen Spielern nehmen will. In der heißen Endphase der Saison ist ein wahrer Trend zum Understatement entstanden:

Leverkusens Stefan Kießling wollte schon vor dem Duell mit Bayern am vergangenen Wochenende über den ersten Platz "gar nicht reden". Wichtig sei nur Platz drei, das hätte vor der Saison ja jeder unterschrieben. Aber darf es nach 24 Spielen ohne Niederlage und 17 Spieltagen an der Tabellenspitze nicht ein bisschen mehr sein?

Der dritte im Bunde ist Jürgen Klopp in Dortmund. Er besteht darauf, dass "die Champions League nicht das Ziel ist, das wir vor Augen haben". Dabei beträgt der Rückstand auf Leverkusen nur zwei Punkte - viel dichter kann man Platz drei doch gar nicht vor Augen haben, möchte man Klopp zurufen. Doch der verweist nur auf die "Riesenschritte" der Konkurrenz, die von hinten heranjagt.

Leverkusen, Dortmund, Frankfurt - sie alle geben vor, mit der aktuellen Platzierung zufrieden zu sein, keiner von ihnen hat den Mumm zu sagen: Wir greifen an, wir wollen weiter nach oben! Auch der gewiefte Schalke-Trainer Felix Magath hat eine Weile gezögert und gesagt: "Ich schaue nicht mehr auf die Bayern." Vorsichtshalber hat er sogar schon einmal davor gewarnt, "dass unsere tolle Saison nicht noch einen Nachgeschmack bekommt". Doch beim Studium der Tabelle ist ihm wohl am Donnerstag aufgefallen, dass der Rückstand zum Spitzenreiter nur zwei Punkte beträgt. Plötzlich verkündete er: "Wir sind die einzige Mannschaft, die den Bayern noch Paroli bietet. Jetzt geht es nur noch um Rot oder Blau."

Noch mutiger als Magath ist nur der FCB, für den es ja seit jeher ein Klacks ist, ohne Hemmungen vom Meistertitel zu sprechen. Selbst zehn Punkte Rückstand vor dem 31. Spieltag würden den Rekordmeister wohl nicht davon abhalten, Anspruch auf die Schale zu erheben. Doch damit nicht genug: Trainer Louis van Gaal veröffentlichte sogar schon seine Pläne für den Fall, dass Bayern das Triple holt. "Dann gehe ich", sagte der Niederländer. Andere Trainer hätten in einer vergleichbaren Situation womöglich geleugnet, dass ein Champions-League-Finale überhaupt existiert. Zumindest aber vehement darauf hingewiesen, dass jetzt erst einmal das Halbfinale komme.

Nur ganz tief unten, im Abstiegsstrudel der Bundesliga, gibt es noch einen Trainer, der gegen den Strom der Tiefstapler schwimmt: Mirko Slomka. Es sei damals auf Schalke ein Fehler gewesen, nicht auf den Plastik-Meisterschalen der Fans zu unterschreiben, sagt er. Heute würde er anders auftreten: "Das ist der bessere Weg. Zu zeigen: Kommt her, wir schaffen das." Aber Slomka hat leicht reden, er hat mit der Meisterschaft im Moment noch weniger zu tun als Schalke in den vergangenen 52 Jahren. Mit Hannover 96 steht er zurzeit auf dem 16. Platz. Und es würde doch sehr verwundern, wenn er sagen würde: "Platz 15? Nicht übermütig werden! Relegation ist doch okay. Wir sollten lieber aufpassen, dass uns Freiburg und Hertha nicht überholen."

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