Fußball-Bundesliga:"Da hörst du draußen die Leute quatschen"

Fußball-Bundesliga: Fußball im Stillen: Wolfsburgs Mehmedi gegen Hoffenheim.

Fußball im Stillen: Wolfsburgs Mehmedi gegen Hoffenheim.

(Foto: PETER STEFFEN/AFP)

Noch bis 2021 spielt die Liga am ungeliebten Montag. Die Stimmung könnte oft so sein wie beim 1:1 zwischen Wolfsburg und Hoffenheim. Dies ist mit "trostlos" noch freundlich beschrieben.

Von Carsten Scheele, Wolfsburg/Hannover

"Wenn 20 000 leise sind, ist das, wie wenn man auf dem Bolzplatz spielt", erklärte Maximilian Arnold, damit auch jeder wusste, was der Wolfsburger Mittelfeldspieler vom Bundesligatermin am Montagabend hält: nicht so viel. Die größte Protestwelle hat die Liga in der vergangenen Spielzeit über sich ergehen lassen, bis die 18 Klubs schließlich für die Abschaffung des ungeliebten Termins votierten. Jedoch nicht sofort, sondern erst 2021. Zwei Jahre gilt es also, durchzuhalten und Atmosphären zu ertragen wie beim ersten Montagsspiel dieser Saison.

Mit "trostlos" war die Szenerie in Wolfsburg noch freundlich beschrieben. Die Arena war weit unter dem Zuschauerschnitt gefüllt, nur 21 120 Fans kamen, was auch daran lag, dass der Gegner aus Hoffenheim gerade einmal 100 Getreue mitgebracht hatte. Die restliche kümmerliche Stimmung verbreiteten die Wolfsburger Anhänger, indem sie in der ersten Halbzeit auf den gewohnten Support aus der Kurve verzichteten. Einmal kurz wurde es laut, als Admir Mehmedi in der 36. Minute den Führungstreffer von Hoffenheims Sebastian Rudy (6.) egalisierte. Dann war wieder Stille. "Da hörst du draußen auch die Leute quatschen", bemängelte Arnold. Mehmedi pflichtete bei: "Wenn man den Trainer und die Mitspieler schreien hört, dann denkt man schon: Was ist denn hier los?"

"Wir treten auf der Stelle"

Es war tatsächlich bestens zu verstehen, wenn Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner seine Viererkette ein paar Meter weiter nach vorne schickte oder sein Hoffenheimer Kollege Alfred Schreuder einen abtrünnigen Mittelfeldspieler wieder näher an den Gegenspieler beorderte. Trotz dieser Nicht-Atmosphäre entwickelte sich ein anständiges Fußballspiel, in dem Hoffenheim zwar früh durch einen wunderbaren Distanzschuss von Schalke-Leihgabe Rudy in Führung ging, Wolfsburg danach aber Chancen besaß, die Partie zu drehen und mit einem Sieg auf Platz drei zu springen. Mehmedi schaffte den Ausgleich, zwei vermeintliche weitere Treffer wurden aber aberkannt: erst wegen eines Handspiels von Josip Brekalo (39.), dann wegen Abseitsstellung des starken Mehmedi (61.).

So blieb der VfL zwar auch im fünften Saisonspiel unbesiegt und stellte damit einen neuen Klubrekord auf. In der Tabelle hängt Wolfsburg trotzdem auf Rang acht fest, was Trainer Glasner nicht wirklich glücklich stimmte angesichts der Tatsache, dass der Sprung auf einen Champions-League-Platz drin war. "Wir treten auf der Stelle", kritisierte er, "ich schaue nicht auf die Punkte, sondern auf die Leistung. Und da geht mir die Entwicklung in gewissen Dingen zu langsam." Arnold hielt dagegen, man müsse "die Kirche im Dorf lassen. Wir sind weiter ungeschlagen".

Hoffenheim hatte kurz vor Schluss durch Christoph Baumgartner (81.) und Sargis Adamyan (88.) ebenfalls noch mögliche Siegtreffer auf dem Fuß, die TSG konnte mit dem Punkt trotzdem leben. Coach Schreuder bedankte sich bei den wenigen Anhängern, die den Weg nach Südostniedersachsen gefunden hatten: "Respekt vor denen, die gekommen sind." Auch die Wolfsburger fühlten mit: "500 Kilometer am Montag? Inakzeptabel für jeden Fan", stand auf einem Spruchband geschrieben. Sie forderten, im Autostadtsprech, damit es auch jeder versteht: "Montagsspiele abwracken."

© SZ vom 25.09.2019
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