Fußball - Berlin:Herthas fragile Freude: Christensen erleichtert

Lesezeit: 2 min

Fußball - Berlin: Ein Fußball liegt vor der Partie im Netz. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild
Ein Fußball liegt vor der Partie im Netz. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa) - Fredi Bobic wusste natürlich, wie heikel dieses Thema ist. Rune Jarstein, ausgerechnet. Viele Jahre Stammtorwart und heute noch Liebling der für Nostalgie anfälligen Hertha-Fans. Und sowieso hätte sich der Geschäftsführer des Berliner Fußball-Bundesligisten nach dem 1:1-Mutmacher gegen Eintracht Frankfurt lieber mit dem zarten sportlichen Hoffnungsschimmer beschäftigt, als mit einer diffizilen Personalie.

Bei Hertha machen alle nach turbulenten Monaten gerade bewusst auf Harmonie. Doch der Vorfall vom Freitag war gravierend. Torwart Jarstein steht nach acht Jahren bei der Hertha trotz aller Meriten vor dem Aus. Der norwegische Schlussmann wurde nach einem offenbar heftigen Disput mit Torwart-Coach Andreas Menger suspendiert.

"Es ist was vorgefallen, was nicht der Tagesordnung entspricht. Das war schon ein bisschen heftiger. Wir haben ein Gespräch am Freitag geführt. Nach dem Gespräch haben wir Rune aus dem Kader genommen, aus den Gründen wie das Gespräch war und wie es gelaufen ist", sagte Bobic am Sonntag.

Die Bobic-Schelte rundete das Hertha-Wochenende mit Torwart-Fokus ab. Am Samstag war es Oliver Christensen, der dritte Nachfolger Jarsteins als Nummer eins, der gegen Frankfurt knapp an der Pechvogel-Rolle vorbeigeschrammt war. Die Handschuhe vor Mund und Nase, die Augen ganz weit aufgerissen. Christensen verstand die Fußball-Welt nicht mehr. Sein Einsatz gegen Frankfurts Stürmer Rafael Borré ahndete Schiedsrichter Frank Willenborg mit einem Elfmeterpfiff, gab dem Dänen die Gelbe Karte. Und das beim Stand von 1:1 in der 88. Minute.

"Ich habe nur gedacht, das war kein Elfmeter, das war mein Gedanke", berichtete Christensen von den Sekunden nach dem Pfiff. Quälend lange für alle Beteiligten prüfte Willenborg seine Entscheidung am Videomonitor. Christensen spürte schon: Je länger er überlegt, desto besser für die Berliner. Willenborg revidierte seine Entscheidung.

Christensen hatte sein Happy End nach dem ersten Heim-Pflichtspiel als Nummer eins. Bei seinem Debüt im Relegations-Hinspiel gegen den Hamburger SV am 19. Mai war der 23-Jährige noch der Vertreter von Marcel Lotka, der mittlerweile in Dortmund spielt. Lange vor Saisonbeginn bekam Christensen das Vertrauen von Trainer Sandro Schwarz und Manager Bobic als erste Kraft im Tor.

Das geschah noch in dem sicheren Gefühl, in Jarstein ein sehr erfahrenes Backup zu haben. Das dürfte nach den jüngsten Vorfällen hinfällig sein. Jarsteins Vertrag läuft 2023 aus. Sehr wahrscheinlich wird sich der 37 Jahre alte Schlussmann mit den Berlinern auf eine Auflösung des Kontrakts oder einen Transfer einigen.

"Ich kann es in der Form noch nicht sagen. Ich habe es angesprochen mit dem Berater und mit Rune selbst, wie man miteinander umgeht und welche Worte man wählt. Kritisch kann man sein, aber die Tonalität und die Sprache waren komplett falsch", sagte Bobic. Wenn man nicht durchgreife, werde die Mannschaft zu einer "wilden Sau". Eine Reaktion von Jarstein oder Menger zum Thema gab es noch nicht.

Jarstein war 2014 nach Berlin gekommen und war lange Zeit die Nummer eins. "Es ist schade, weil es eine Person trifft, die schon sehr lange hier ist und es nicht spurlos an einem vorbeigeht", sagte Bobic, der aber auch darauf verwies, dass die Berliner den Schlussmann in schweren Zeiten nicht fallen ließen.

Sein letztes Bundesliga-Spiel bestritt Jarstein im März 2021 beim 3:0 gegen Bayer Leverkusen. Kurz darauf kehrte er von einer Länderspielreise mit einer schweren Corona-Infektion zurück und musste wegen einer Herzmuskelentzündung im Krankenhaus behandelt werden. Später warf ihn eine Knieblessur samt Operation zurück.

Die Berliner haben neben Christensen in Tjark Ernst (19) und Robert Kwasigroch (18) noch zwei junge Torhüter im Profi-Kader. Ob er auf dem Transfermarkt nach einem Jarstein-Ersatz suchen müsse, wollte Bobic noch nicht sagen. "Wir haben zwei junge Burschen hintendran. Man muss das in Ruhe besprechen", sagte er.

© dpa-infocom, dpa:220814-99-382501/4

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema